Bisingen

Reisende sollen schneller ankommen

von Alexander Kauffmann

Bisingen - Nach zwei Jahrzehnten hat der Regionalverband Neckar-Alb den Startschuss für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Region gegeben. In den kommenden Jahren soll die Schienen-In­frastruktur der Region ausgebaut werden.

Eugen Höschele, Vorsitzender des Regionalverbands, hat am Dienstag von einer "epochalen Entscheidung" und einer "historischen Verbandsversammlung" gesprochen – und damit untertreibt er keineswegs. Die ersten Machbarkeitsstudien stammen aus den 1990er-Jahren. Weitere Untersuchungen, die den volkswirtschaftlichen Nutzen belegten, folgten im Jahr 2003. Nun endlich hat die Versammlung die Gründung des "Zweckverbands Regionalstadtbahn Neckar-Alb" beschlossen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu:

Was sind die Aufgaben des neuen Zweckverbands?

Aufgabe des Zweckverbands ist die Verbesserung der Schienen-Infrastruktur in der Region Neckar-Alb (Landkreise Zol­lernalb, Tübingen und Reutlingen). Die Verbindungen zwischen den Ballungsgebieten und den ländlichen Regionen sollen spürbar ausgebaut werden (daher der Name: Regionalstadtbahn).

Der Zweckverband erfüllt dabei organisatorische Aufgaben: Planung und Koordination von Projekten sowie die Repräsentation der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb.

Getragen wird dieser Verband von den Landkreisen Reutlingen, Tübingen, Zollern­alb, den Städten Tübingen und Reutlingen sowie dem Regionalverband. Der Zweckverband soll auf absehbare Zeit in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit eigener Geschäftsführung umgewandelt werden. Anfang kommenden Jahres soll die konstituierende Sitzung stattfinden.

Wie ist der neue Zweckverband strukturiert?

Wichtige Entscheidungen trifft der Verband bei einer Verbandsversammlung. Sie umfasst 48 Mitglieder der Projektpartner. Der Vorsitzende des Zweckverbands wird auf zwei Jahre gewählt. Dafür vorgesehen ist bislang der Verbandsdirektor des Regionalverbands Neckar-Alb, Dirk Seidemann, der als Geschäftsführer operative Aufgaben in der Anfangs- und Aufbauphase übernehmen soll.

Welche Aufgaben bleiben bei den Städten und Gemeinden?

Auch den Behörden vor Ort bleiben wichtige Befugnisse erhalten. Gemeindeverwaltungen tragen etwa maßgebend zu Entscheidungen über die Lage von Haltepunkten bei. Sie kommen auch ins Spiel, wenn es um Trassenalternativen oder den Grunderwerb geht. Bei den betroffenen Landkreisen bleibt vor allem die Zuständigkeit für das ergänzende Busnetz, das die Kommunen nicht zur Verfügung stellen.

Was sind die langfristigen Ziele des Projekts?

Bahnstrecken in der Region Neckar-Alb sollen flächendeckend elektrifiziert werden, und weniger Umstiege sollen das Reisen mit der Bahn erleichtern. Damit wird das Ziel verfolgt, eine verlässliche Alternative zum motorisierten Individualverkehr zu schaffen, wozu auch eine dichtere Taktung beitragen soll.

Gibt es schon konkrete Ausbaumaßnahmen?

Ja, allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis die Bagger rollen. Bislang wurden lediglich Ausbaustrecken ins Auge gefasst. Dazu gehören unter anderem: die Zollern-Alb-Bahn zwischen Hechingen und Burladingen sowie zwischen Tübingen und Ebingen. Vorgesehen sind außerdem vier Neubaustrecken, darunter ist die Talgangbahn auf dem Abschnitt zwischen Ebingen und Onstmettingen.

Was kosten die Infrastruktur-Maßnahmen?

Das steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch: Der Zweckverband Regionalstadtbahn Neckar-Alb soll einmal siebeneinhalb Mitarbeiter-Stellen haben. Dafür ergeben sich Gesamtkosten in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro pro Jahr für den laufenden Betrieb. Jeder Projektpartner, darunter auch der Zollernalbkreis, steuert 200.000 Euro bei. Hinzu kommen im Jahr 2019 für den Aufbau der Geschäftsstelle weitere 150.000 Euro für alle Projektpartner.

Gab es in der jüngsten Sitzung Kritik an diesem Projekt?

Nein, im Gegenteil. Parteiübergreifend wurde das Projekt von den Rednern gelobt. Ulrike Hotz (CDU-Fraktion) sprach von einem "großen Schritt in die richtige Richtung". Hans Rebmann (SPD) freute sich, dass das Projekt "endlich auf die Reihe kommt". Bernhard Strasdeit von den Linken merkte an, dass die Finanzierung der einzelnen Infrastruktur-Projekte nicht geklärt sei, und mahnte ein gemeinsames Tarifsystem an. Silke Höflinger (FWV) bemängelte, dass in den Planungen bislang eine neue Bahnlinie entlang der B 27 fehle.