Bisingen

Raubüberfälle: Zeugin wird kurz zur Beschuldigten

von Ina Frank

Bisingen/Geislingen/Hechingen - Die damalige Barkeeperin des Bisinger "Bucki’s", die ehemalige Geschäftsführerin der Gaststätte und eine Mitarbeiterin der Shell-Tankstelle in Geislingen äußerten sich vor dem Hechinger Landgericht zu den Raubüberfallen im vergangenen Winter.

Im Prozess um die Raubüberfälle auf die Kneipe "Bucki’s" in Bisingen und die Shell-Tankstelle in Geislingen wurden am Mittwoch die ersten Zeugen gehört – wobei sich die Aussagen oft in einigen Punkten komplett widersprachen.

Der Angeklagte sagte nach wie vor nichts. Seine Verteidigerin kündigte aber an, er werde zu einem späteren Zeitpunkt zumindest Angaben zu seiner Person machen. Als erste Zeugin wurde die Barkeeperin gehört, die beim Überfall auf das Bisinger "Bucki’s" dort arbeitete. Das gewissermaßen Brisante an dieser Aussage: Die 35-Jährige hatte selbst bereits vor Gericht gestanden, da man zunächst vermutet hatte, sie sei in den Überfall mit verwickelt gewesen. Das Verfahren gegen sie wurde aber eingestellt.

Die Frau berichtete, wie der späte Abend des 24. Januar 2017 abgelaufen war. Da nicht viel zu tun gewesen war und keine Gäste mehr da waren, habe sie schon etwas vor Feierabend angefangen zu putzen. Als der Täter vermummt und mit einer Pistole bewaffnet die Gaststätte betrat, habe sie zunächst gedacht, irgendjemand wolle sie "verarschen".

Bis heute wisse sie nicht, ob die Waffe echt gewesen sei. In dem Täter habe sie zunächst einen Bekannten erkannt, merkte dann aber, dass er es nicht sein könne. Ihr Bekannter trage einen Bart, den man auch unter der Vermummung erkannt hätte. Doch zuerst habe sie den Täter mit dem Namen ihres Bekannten – Eugen – angesprochen, was allerdings zufälligerweise auch der Vorname des Angeklagten ist. So entstand zunächst der Verdacht, sie habe mit dem Täter gemeinsame Sache gemacht.

Täter steckte die Waffe nach Aufforderung einfach weg

Die Zeugin schilderte weiter den Vorgang: Der Täter habe die Pistole direkt auf sie gerichtet und 1000 Euro gefordert, die Polizei sei hinter ihm her. Sie habe sich geweigert und gesagt, so viel Geld habe sie gar nicht und dass er die Waffe weglegen soll – was er dann auch tat. "Ich habe nur an meine Kinder gedacht", sagte die 35-Jährige und Mutter von drei Kindern. Ihr habe nichts passieren dürfen, deshalb habe sie den Täter auch nicht angegriffen. Sie habe Angst gehabt, er würde zuerst schießen.

Der Täter habe alle Schränke durchsucht und später darum gebeten, sie umarmen zu dürfen, was sie ihm geistesgegenwärtig einfach erlaubt habe. Als eine Bekannte, die von der "Bucki’s"-Chefin verständigt worden war, weil diese die Tat auf dem Überwachungsvideo sah, sich durch Klopfen am Personaleingang bemerkbar machte, sei sie dorthin gelaufen, berichtete die Zeugin, der Täter sei durch den Haupteingang geflohen. Ob sie in dem Angeklagten den Täter vor Gericht wiedererkenne, wurde die Barkeeperin noch gefragt. Ja, sagte sie, an den Augen.

Als weitere Zeugin des Vorfalls in Bisingen sagte die damalige Geschäftsführerin der Gaststätte aus. Sie sei krank zu Hause gewesen, habe vor dem Schlafengehen noch einmal kurz auf das Video der Überwachungskamera geschaut und dabei gesehen, wie ein Mann mit Pistole die Gaststätte betrat. Daher habe sie eine Bekannte informiert, die noch in einer benachbarten Gaststätte arbeitete, und ihr gesagt, sie solle nach dem Rechten sehen. Die Person auf dem Video sei ihr von Anfang an bekannt vorgekommen. Nach mehrmaligem Anschauen sei ihr aufgefallen, dass der Täter an einer Stelle seine Vermummung, ein Tuch, abnimmt – da habe sie den Angeklagten erkannt. In einer Kneipe in Hechingen, in der sie auch war, sei er Stammgast gewesen.

Täter bewaffnet mit Pistole und Elektroschocker

Das Verhalten des Angeklagten und der ersten Zeugin, was sie auf den Videoaufnahmen sah, sei ihr suspekt gewesen, es habe zu vertraut gewirkt. Die Beiden hätten sich oft berührt – die erste Zeugin hatte genau das Gegenteil behauptet. Auch hatte ihre Mitarbeiterin ihr gesagt, so die Geschäftsführerin, sie habe den Täter die ganze Zeit über Eugen genannt – die Verwechslung, von der die erste Zeugin gesprochen hatte, könne es also gar nicht gegeben haben. Der Angeklagte wirkte vor Gericht derweil entspannt und kommentierte die Schilderungen mit einem lässigen Grinsen.

Abschließend berichtete am Mittwoch die Mitarbeiterin der Shell-Tankstelle in Geislingen von dem Überfall im Februar vergangenen Jahres. Sie tritt in dem Verfahren auch als Nebenklägerin auf. Sie habe Spätschicht gehabt und sei kurz auf die Toilette gegangen. Als sie zurückkam, sei ein Mann mit einer Pistole auf sie zugekommen. Ein zweiter Täter mit Elektroschocker sei auch dabei gewesen.

Als die Täter Geld forderten, habe sie die Kasse geöffnet. Die mit Sturmhauben vermummten Täter hätten beide gleichzeitig mit beiden Händen das Geld herausgenommen und in ihre Jackentaschen gestopft. Es habe unbeholfen gewirkt, viel Geld sei auch auf den Boden gefallen. Auch hätten die Täter Zigarillos geklaut. Die Täter flüchteten; ein Kunde, der in dem Moment an die Tankstelle kam, verständigte die Polizei.

Nach dem Vorfall war die Mitarbeiterin der Tankstelle gleich wieder arbeiten gegangen. Sie bezeichnete das im Nachhinein als Fehler, denn anschließend habe sie lange unter psychischen Problemen gelitten. Es gehe ihr aber schon wieder etwas besser. "Ich versuche seit anderthalb Jahren, den Vorgang aus meinem Gedächtnis zu streichen", sagte sie abschließend.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 18. Juli, fortgesetzt.