Bisingen

Maßarbeit für den neuen "Goisbock"

von Alexander Kauffmann

Bisingen-Wessingen - Die Zeit drängt: Noch vor Weihnachten soll das neue Häs für den "Wessinger Goisbock" der Gampleswatter fertig sein. Bettina Pflumm näht es. Dass sie schon in wenigen Wochen damit fertig sein muss, stört sie aber nicht – dafür hat sie einen guten Grund.

"Je fetziger der Stoff, desto besser", bricht es aus Bettina Pflumm beim Vor-Ort-Termin in ihrer Schneiderei in Wessingen heraus. "Ja, das meine ich auch so", sagt sie, deutet mit dem Zeigefinger auf ein blau-orangenes Kleid, das zufällig an der Wand hängt und holt Luft: "Das ist mal eine Gardine gewesen. Daraus habe ich das gemacht."

Ihr neustes Projekt: Das Häs des neuen "Wessinger Goisbocks". Ob da ein Fell dran kommt? Ob die Verkleidung wattiert werden soll? Das wird noch abgesprochen. Aber der braune, auf eine Puppe gehängte Stoff gibt eine erste Ahnung davon, wie ihr Werk aus Baumwolle einmal aussehen könnte. Erst vor wenigen Tagen hat sie Maß genommen, von Taillenumfang, Seitenlänge für die Hose, Armlänge und Brustumfang. Sie stellt eine Schablone her, schneidet den Stoff aus und näht die Teile zusammen.

Auch aus Gardinen kann sie ein Abendkleid kreieren

Ganz schön aufwendig. "Das Schwierige kommt erst noch." Der Reißverschluss wird noch angenäht, die Knopfleiste muss dran und die Taschen müssen gemacht werden. Pflumm: "Vor Weihnachten sollte ich fertig sein." Und weiter: "Sonst habe ich zu viel Zeit zum Denken und man kann auch seine Ideen kaputt denken." Dann doch lieber in kurzer Zeit Ergebnisse erreichen.

Die Ideen sprudeln aus der Kielerin nur so heraus. "Ich kann sehr kreativ sein. Da brenne ich durch", sagt sie lachend, und wenn sie Stoff sieht, falle ihr immer etwas ein, was sie daraus machen könnte. Während des Vor-Ort-Termins betreten Besucher ihr Geschäft, geben Jacken ab, unterhalten sich über ihre Arbeit – und dass sie am nächsten Tag lieber frei hätten. Pflumms Schneiderei ist eben auch ein Ort zum Plauschen.

Weit im Norden, in Kiel, hat Pflumm die Meisterschule besucht, in München ihre Gesellenjahre verbracht. Und seither lebt sie in Wessingen – die Liebe hat sie in die Zollergemeinde gezogen. Kostüme näht sie öfter: Schon seit Anfang der 2000er-Jahre stellt sie Verkleidungen für Narren her. Zum Beispiel für die Wessinger Gampleswatter.

Bei der Narrentaufe wird das neue Häs erstmals getragen

Pflumm verabschiedet ihre Kundin. "Teilweise kenne ich den Kleiderschrank meiner Kunden sehr gut", verrät sie. In solchen Fällen macht sie Vorschläge, gibt Anregungen, erfindet Kombinationen, entwirft ein neues Erscheinungsbild. Und ja, sie ist schon stolz, wenn sie ihre Kundschaft mit dem Kleid sieht, das sie selbst genäht hat.

Die Einzelstücke entstehen auch aus ungewöhnlichen Textilien: Meint Pflumm, dass ein Stoff gut aussieht, macht sie daraus ein Kleid, selbst wenn es vorher eine Gardine gewesen ist. Sie geht zu ihrem Behälter, in dem sie dutzende Stoffe aus Seide, Imitatleder oder Pelz aufbewahrt, nimmt dort eine Rolle mit altem Vorhang heraus: "Da mache ich noch ein Kleid draus" – so ihre Vorstellung.

Wie das Häs für den neuen "Wessinger Goisbock" aussehen soll? Auch dieses Bild hat sie schon im Kopf. Die Herausforderung: Ein "Hering" müsse da genauso reinpassen, wie ein "Michelinmännchen", das mit Jacken und Pullovern wie aufgeblasen wirkt. Zumindest als Laie kann man sich die Stoffstücke an der Puppe schwer als Häs vorstellen. Das soll sich aber bald ändern: Vorstellen werden die Gampleswatter ihre neue Figur schon beim Narrenbaumstellen und bei der Narrentaufe – es wird ebenso die Taufe für das Häs des neuen "Wessinger Goisbocks" von Bettina Pflumm.