Bisingen

Bisingen –­ bald ebenfalls Zollerstadt?

von Julia Brenner

Wird Bisingen eine Stadt? Nicht ganz ernst gemeint war dieser Gedanke, den Bürgermeister Roman Waizenegger beim Neujahrsempfang am Donnerstag äußerte. Trotzdem erntete er dafür spontan fröhlichen Beifall.

Bisingen. Bisingen boomt, das ging aus der Neujahrsansprache von Bürgermeister Roman Waizenegger am Donnerstagabend klar hervor. Mehrere hundert Besucher waren zum Neujahrsempfang in die Hohenzollernhalle gekommen, und die konnten aus der Ansprache des Bürgermeisters erfahren, dass ihre Gemeinde voller Tatendrang der Zukunft entgegen strebt.

Die Gewerbesteuer liegt auf einem Rekordhoch von 4,1 Millionen Euro, und es gibt rund 3000 Beschäftigte in Bisingen, das sind 250 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr als noch vor drei Jahren. Grund dafür ist, dass sich immer mehr Betriebe in den Bisinger Industriegebieten niederlassen, deshalb wolle man, sagte Waizenegger, die Osterweiterung von Bisingen-Nord mit rund sieben Hektar in Richtung Hechingen "konsequent und mit allem Nachdruck weiter angehen".

Dass Bisingen eventuell bald 10 000 Einwohner haben und somit das Stadtrecht beantragen könnte, ist vom Bürgermeister zwar nur "mit einem Augenzwinkern" angemerkt worden, wirkt aber auf Grund dieser Fakten nicht einmal so abwegig. "Dann lässt sich mit Fug und Recht sagen: Bisingen, die Zollerstadt!" scherzte Waizenegger mit einem kleinen Seitenhieb auf die Hechinger und erntete damit viele Lacher und spontanen Applaus.

Ein weiteres Thema, das Waizenegger aufgriff, war die Entscheidung des Kreistags gegen den Bisinger Standort für das künftige Zentralklinikum. Waizenegger zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung, dennoch gelte es jetzt, die mehrheitlich getroffene Entscheidung weiter konstruktiv und aktiv zu begleiten. Diese "größte und teuerste Investition in der Geschichte des Landkreises" bedeute alleine für die Gemeinde Bisingen einen Gesamtbetrag von zusätzlich 3,7 Millionen Euro, die über die Kreisumlage finanziert werden müssen.

Publikum applaudiert für die Entwicklungen in Sachen Maute-Areal

Noch einmal großen Applaus gab es, als der Bürgermeister verkünden durfte: "Der Maute – der gehört jetzt uns!" Nervenaufreibend, lang und beschwerlich sei der Weg bis dahin gewesen. Eine erneute gerichtliche Beschwerde des ehemaligen Eigentümers sei zurückgewiesen worden, jetzt gehe die Arbeit richtig los. Nun gelte es, das beschlossene Sanierungskonzept mit Sorgfalt und Weitblick weiter zu entwickeln, für Bisingen sei das "eine einmalige städtebauliche Chance". Das gehe aber nicht von heute auf morgen. Noch im ersten Halbjahr werde man zum Thema Maute eine Klausurtagung ausrichten. "Es wartet viel Arbeit auf uns", betonte Waizenegger, die Bevölkerung solle Geduld haben.

Spielt Musikkapelle Thanheim mit der Lizenz zum Töten?

Umrahmt wurde der Neujahrsempfang von der Musikkapelle Thanheim, die vor allem mit ihrer Interpretation der James-Bond-Titelmelodie, das Stück "Octopussy" von John Barry und Ted Parson, beeindruckte. "Sie haben zwar nicht die Lizenz zum Töten, aber die Lizenz zum hervorragend Musik spielen", lobte Bürgermeister Waizen­egger die begabten Musiker.

Auch Humor und Unterhaltung kamen nicht zu kurz. "Zeigen Sie ihr bestes Zahnpastalächeln, denn jetzt kommt Dieter Baumann", forderte Waizenegger das Publikum auf. Der Kabarettist und Olympiasieger von 1992 unterhielt mit kurzweiligen und skurrilen Anekdoten über seinen Aufenthalt im Olympischen Dorf von Barcelona. "Frustsaufen, Siegesparty... da weiß morgens keiner mehr, wer jetzt gewonnen und wer verloren hat", erzählte Baumann.

Nach dem Hohenzollernlied ging es weiter zum gemütlichen Stehempfang.