Balingen

Wenn der "Sekretär Thalamus" streikt

von Silke Thiercy

Zaubern könne sie nicht, lacht Christiane Tetzlaff. Wohl aber den Blickwinkel der Menschen auf ein Trauma oder die eigene Seele verändern. Der Heilpraktikerin für Psychotherapie gelingt das mit der EMDR-Methode. Große Erfolge in kurzer Zeit verspricht das Arbeiten mit den Augenbewegungen.

Balingen. Dazu referierte die 46-jährige jüngst beim Lionsclub Balingen Hilaritas. Es müsse, machte Tetzlaff klar, nicht unbedingt ein Trauma wegen Vergewaltigung oder Kriegserlebnissen sein, die die Klienten zu ihr bringen. Manchmal sind es auch kleine Dinge, die den Alltag erschweren. Wenn man plötzlich nicht mehr durch einen Tunnel fahren kann. Wenn Unsicherheit und Schlafstörungen das Leben prägen.

Therapie ist kein Spaziergang – verspricht aber rasche Erfolge

Sie selbst kommt aus der Versicherungsbranche. Und hat mit den Jahren viele Kunden betreut, die gesundheitliche Probleme hatten. Irgendwann stieß sie auf die EMDR-Methode (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Kurz gesagt: Verarbeitung durch Augenbewegung, ähnlich wie im Schlaf. Entwickelt wurde das Verfahren in den 1980er-Jahren von der amerikanischen Therapeutin Francine Shapiro; anerkannt als Therapie ist es seit 2006. Und seit 2015 übernehmen manche Krankenkassen die Kosten.

Tetzlaff erläuterte, dass nicht Verarbeitetes – also wenn der "Sekretär Thalamus" streikt und die Informationen nicht an die Großhirnrinde weiterleitet – wie unzählige kleine Päckchen durch das Gehirn schwebt. Und bei so genannten Triggern aufflammt. Diese gilt es zu erkennen. Und die Päckchen im Großhirn zu aktivieren.

Der Patient folgt in einer Sitzung mit den Augen den Fingern des Therapeuten. Es werden beide Hirnhälften angesprochen, das Klopfen einzelner Körperpartien kann den Effekt verstärken. "Wenn ich dann ein Flackern im Auge sehe, weiß ich, ich habe etwas erreicht", erklärt die ausgebildete Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Die meisten ihrer Klienten seien Frauen im Alter zwischen 58 und 65 Jahren. "Diese Frauen bewundere ich, denn sie zeigen, dass es nie zu spät ist, etwas zu tun." Natürlich sei auch EMDR kein Wundermittel Und schon gar kein Spaziergang. "Man wird noch einmal durch das Erleben geschleust, zuvor sind viele Gespräche notwendig." In 80 Prozent der Fälle allerdings bringe diese Therapieform rasche Erfolge. "Die Erinnerungen kontrollieren die Menschen nicht mehr." Angewandt wird EMDR zum Beispiel nach Unfällen, bei Trauer, chronischen Schmerzen, Süchten oder Allergien.