Balingen

Themen sind Ausgrenzung und Fremdsein

von Michael Reich undWolf-Ulrich Schnurr

"Felicitas Kunterbunt" ist der Titel eines Kinder-Musicals, das die städtische Jugendmusikschule und die Musikschule Hübner im kommenden Jahr in der Stadthalle gemeinsam aufführen wollen.

Balingen. Zur Finanzierung des Projekts sind Spenden, Stiftungen und Einnahmen aus den Vorstellung sowie Geld von Firmensponsoren eingeplant. Außerdem unterstützt die Stadt Balingen die drei geplanten Vorstellungen mit einem Zuschuss in Höhe von 5000 Euro. Dem entsprechenden Antrag hat der Verwaltungsausschuss am Dienstag zugestimmt.

Bei dem Musical sollen rund 100 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren mitwirken, sei es als Darsteller auf der Bühne oder als Musiker im Orchester. Auch in den Bereichen Bühnenbild, Technik, Ausstattung und Öffentlichkeitsarbeit können sich die jungen Beteiligten nach derzeitiger Planung einbringen.

In dem Stück geht es um die Themen "Fremd sein – anders sein" und "Hinsehen und helfen". In einer Spielzeugkiste wohnen Puppen und Kuscheltiere friedlich miteinander. Eines Tages taucht die neue Mitbewohnerin Felicitas auf. Weil sie bunt und schrill und zudem eine Fremde ist, wird sie von den anderen ausgegrenzt. Felicitas stößt auf Angst und Missgunst.

Als ein Zauberer die Truhe mit einem magischen Schloss verschließt, machen sich Felicitas und der Detektiv Franz Findig auf eine Reise um die Welt, um von jedem Kontinent ein Stück des Schlüssels zusammenzutragen. Dabei begegnen sie unter anderem Piraten, Indianern und einem Drachen. Nur durch Freundschaft und gemeinsames Handeln erreichen sie ihr Ziel.

75 Minuten dauert das Musical. Eingebunden werden sollen neben den beiden Musikschulen auch andere Schulen und kulturelle Einrichtungen aus dem Raum Balingen.

Die beteiligten Erwachsenen sind allesamt wohlbekannte Akteure der Balinger Bildungs- und Kulturszene: Die Gesamtleitung haben Dirk Benkwitz von der städtischen Jugendmusikschule und Ute Hübner von der gleichnamigen Musikschule. Regie und Choreografie übernimmt Beatrix Reiterer. Dietrich Schöller-Manno hat die musikalische Leitung. Die Leitung des Gesangs übernimmt Carla Thullner. Michl Brenner kümmert sich um das Bühnenbild.

Da das Musical bislang nur im Playback-Format existiert, wurde vom Komponisten die kostenlose Genehmigung eingeholt, das Stück für Orchester und Band zu bearbeiten. Somit wird das Musical in Balingen erstmals mit Live-Musik aufgeführt.

Im Herbst soll das Projekt vorgestellt werden, für den Februar 2020 ist dann das Casting der Solorollen vorgesehen. Nach einer intensiven Probenphase sind dann drei Aufführungen am 17., 18. und 19. Oktober 2020 geplant.

Den Mitgliedern des neu zusammengesetzten Verwaltungsausschusses gaben Hübner und Benkwitz am Dienstag mittels zweier Videos von einer Aufführung in Chemnitz bereits Einblicke, was geplant ist und wie sich das Stück anhört. Zwar sei das Musical nicht traurig, sagte Hübner, es befasse sich aber mit ernsten und aktuellen Themen wie Ausgrenzung, Anders- und Fremdsein. Besonders dieser Fokus fand im Gremium fraktionsübergreifenden Zuspruch.

Benkwitz ging auf die Ziele des Projekts ein: Man wolle eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen beteiligen, nicht nur aus ohnehin "musikschulnahen" Familien, und eine hohe, künstlerische Qualität sicherstellen. Deshalb liegen zwischen den Castings und den Aufführungen auch rund acht Monate Zeit.

Beide Organisatoren waren sich einig, dass das Musical ein kulturelles Bildungsnetzwerk begründen soll. Und vielleicht gebe es auch den Startschuss für weitere Projekte dieser Art.