Balingen

Rückkehr des Bibers für Natur ein Glücksfall

von Erika Rapthel-Kieser

Balingen - Schaffe, schaffe, baue, dem Weibe ein Leben lang treu, der Region verbunden, neugierig und mit einer Putzkammer vor dem Wohnzimmer – der Biber, so konnte man beim Vortrag im Landratsamt fast den Eindruck gewinnen, muss ein Schwabe sein.

Drei Experten hatten sich für den Vortrag daran gemacht, die Sympathien eben jener Nachbarn zu gewinnen, für die der Neuling Biber ein Problem werden kann. Landwirte, deren Felder er unter Wasser setzt, Forstbesitzer, deren Bäume er abnagt, oder all jene, die Grundstücksbesitz dort haben, wo das streng geschützte Tier inzwischen wieder fleißig baut und staut: entlang der Flüsschen im Zollernalbkreis.

Auf Einladung der Kreisökologin Anne Buhl referierten nacheinander der Biologe Franz Spannenkrebs, der im Regierungspräsidium mittlerweile nur noch die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Biber macht, Heinz-Dieter Wagner, Biberbeauftragter im Zollernalbkreis, und schließlich der Forstingenieur und Bibermanager der Regierungspräsidien Karlsruhe und Tübingen, Gunnar Hornstein.

Für die Natur, daran ließen alle Drei keinen Zweifel, ist die Rückkehr des einst in hiesigen Breitengraden ausgerotteten Säugetiers mit den scharfen Zähnen und Krallen und den Schwimmhäuten an den Hinterpfoten ein Glücksfall. Auch wenn das Menschen, die vor allem in einer von ihnen kultivierten Landschaft leben, erst einmal nicht so sehen. "Der Biber macht ’ne Sauerei, der möbliert alles um, aber das heißt auf ökologisch: Artenvielfalt", führte Spannenkrebs ganz deutlich aus. Wo der Biber am Werk sei, gäbe es nach kurzer Zeit deutlich mehr Pflanzen und Tierarten, er übernehme mit seinen Zähnen und dem Baumeistertalent die Renaturierung jener Flussgebiete, die einst für viel Geld begradigt wurden und dann vielfach zu Hochwasserproblemen führten.

"Die Amphibien haben Juhu geschrien", kommentierte Spannenkrebs einige seiner Fotos, die Gebiete, in denen der schwimmende Nager aktiv ist, zeigten. Ganz grobe Schätzungen gehen davon aus, dass es in den acht Landkreisen des Regierungsbezirks Tübingen mehr als 3200 Biber gibt, in ganz Baden-Württemberg mittlerweile 5000.

Naturschützer und Politiker hätten längst erkannt, warum der Biber, sein Umbau der Natur, in der er wieder Biotope anlegt, so wichtig sind. Denn immer mehr Arten seien vom Aussterben bedroht, stünden auf der so genannten roten Liste. "Als ich studiert habe, war das noch ein Band, mittlerweile sind es zwei", sagte der Biologe deutlich bitter.

Heinz-Dieter Wagner zeigte beeindruckende Fotos von Biberrevieren im ganzen Zollernalbkreis, vom Tailfinger Ried über den Schömberger Stausee, von der Schmeihe in Kaiseringen und Straßberg bis zur Walzmühle an der Lauchert bei Stetten unter Holstein. 20 bis 30 Biberreviere gibt es im Zollernalbkreis, geschätzt um die 80 Tiere.

Wo die überall für Konflikte sorgen und wie Forst- und Grundstücksbesitzer zusammen mit den Behörden die Probleme lösen können, darüber sprach schließlich Gunnar Hornstein. Wichtig war den Ökologen eins: Bürger sollten so früh wie möglich über Bibervorkommen und aufkeimende Probleme mit den Behörden in den Dialog treten. Denn oft sei schon mit kleinen Maßnahmen Abhilfe geschaffen.

Die Landratsämter und die Regierungspräsidien wollten dabei helfen. Mit Material, dass der Bauhof zur Verfügung stellt, oder mit Rat und Tat, wie im Falle des Stausees Schömberg, wo Hornstein und Wagner zusammen mit dem Fischereiverein Schömberg-Balingen Netze am Ufer spannten, um zu verhindern, dass der Biber da hinein baut.

Auch nach der offiziellen Fragerunde, in der es um Entschädigungen und Hilfe für Maßnahmen ging, waren die Experten noch lange Zeit umringt. Es scheint so, als ob die Bürger im Zollernalbkreis ihrem neuen Nachbarn mit der gleichen Neugier begegnen, wie der ihnen. Gut schwäbisch halt.