Balingen

Rekordsommer bringt Saft-Schwemme

von Gert Ungureanu

Tobias Stingel ist derzeit nur schwer für ein Gespräch zu haben. Beim Fruchtsaft-Hersteller in Weilstetten läuft die Produktion auf Hochtouren. Rekordsommer bedeutet ganz viel Arbeit.

Balingen-Weilstetten. "Jeder will seinen eigenen Saft haben", sagt Stingel. Sei es der Bio-Saft für Tübingen oder der Sulzer Saft von den Streuobstwiesen. Das bedeute einen zusätzlichen logistischen Aufwand – und es bedeute auch, dass in kleinere Tanks abgefüllt werden muss.

Hinter dem Haus warten Berge von Obst auf die Presse. Tobias Stingel ist mit der Qualität des angelieferten Streuobsts allerdings noch nicht ganz zufrieden – obwohl derzeit auf den Streuobstwiesen die Äpfel schon von den Bäumen fallen.

Die Hitzewelle habe zwar bewirkt, "dass die Äpfel rot werden, aber das ist eher wie der Sonnenbrand bei uns Menschen. Im Inneren sind sie noch nicht ganz reif."

Er hoffe allerdings, dass sich das in den nächsten zwei, drei Wochen noch ändern werde. Nachdem der Ertrag im vergangenen Jahr wegen des Frosteinbruchs im Mai eher schlecht ausgefallen sei, seien die meisten der 70 000-Liter-Edelstahl-Tanks noch leer.

In zwei Wochen werde das schon ganz anders aussehen, schätzt Stingel: "Wir fangen jetzt gerade erst mit der Produktion an."

Bis zu 150 000 Liter Saft könnten an einem Tag hergestellt werden: "Da sind zwei große Tanks schnell voll." Er geht davon aus, dass man am Ende der Saison an die Kapazitätsgrenzen stoßen werde. Daher habe man aus einem Teil des Safts Konzentrat hergestellt. Ab jetzt werde aber nur noch Direktsaft gepresst und bei 86 Grad haltbar gemacht. Gegen Ende September, schätzt er, werde dann auch Obst für "Ebbes Guad’s" angenommen. Die Annahme werde vom Landratsamt gesteuert und bezuschusst.

Für die Eigenmarke des Zollernalbkreises gelten strenge Kriterien: Das Obst müsse qualitativ besser sein, so Stingel, es müsse nachgewiesen werden, von welchem Flurstück es stammt, wie viele Bäume dort stehen, und der Anlieferer müsse mit dem Landkreis einen Vertrag unterzeichnen.

Der Direktsaft aus Äpfeln und Birnen von den heimischen Streuobstwiesen ist aber nicht das Einzige, was in Weilstetten abgefüllt und verkauft wird. Derzeit sei vor allem die Schwarze Johannisbeere gefragt, sagt Tobias Stingel. Im vergangenen Jahr sei Maracuja der Renner gewesen. Von Cranberry, Heidelbeere, Guave, Himbeere und Mango bis hin zu Ananas, Blutorange und Pink-Grapefruit ist die Palette breit gefächert. Rund 60 verschiedene Sorten sind im Sortiment und werden in einem Umkreis von etwa 80 Kilometern ausgeliefert.

Durch die Bewirtschaftung der Streuobstwiesen werde dieser ökologisch bedeutsame Lebensraum unterstützt. Während die exotischen Säfte eingekauft werden, bezieht Stingel Äpfel und Birnen ausschließlich aus der Region. Kein Tafelobst aus Plantagen, wie er versichert.

Was Tobias Stingel zurzeit etwas wurmt: Die Zufahrt von Weilstetten her ist gesperrt, alle Laster müssen den Umweg über Endingen nehmen. Ausgerechnet jetzt, wenn auf den Streuobstwiesen Hochsaison ist und die Zulieferer einander die Klinke in die Hand geben.