Balingen

Real-Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze

von Steffen Maier

Balingen - Noch gibt es in Balingen im Gewerbegebiet Gehrn zwei Real-Märkte. Einer davon schließt definitiv Ende Juni 2018 – möglicherweise der andere auch. Nach einer Betriebsversammlung ist die Sorge unter den Mitarbeitern groß.

In der Versammlung für die Mitarbeiter der beiden Märkte am Montag habe es "Tränen gegeben", berichten Angestellte im Gespräch mit unserer Zeitung. Mitglieder der Real-Geschäftsführung aus Mönchengladbach waren demnach vor Ort, um über die Zukunft der beiden Warenhäuser, das eine mit dem Schwerpunkt Lebensmittel, das andere mit den Schwerpunkten Getränke und Non-Food, zu informieren.

Stand jetzt sieht es, so haben es Mitarbeiter aufgefasst, nicht gerade rosig aus. Rund 100 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Und die Vielfalt des Angebots in Balingen.

Hintergrund der unsicheren Zukunft ist eine Art Handelskrieg zwischen der Metro Group, zu der Real gehört, und Edeka. Dieser wird bereits seit einigen Jahren ausgefochten. Angefangen hatte der Kampf damit, dass Edeka das Gebäude an der Langen Straße 37, in dem sich der Real-Lebensmarkt befindet, dem Konkurrenten im Jahr 2009 vor der Nase weggekauft hat. Seitdem ist Real Mieter von Edeka, das Verhältnis ist aber nicht das beste. Edeka hatte bereits – letztlich erfolglos – versucht, den Konkurrenten per Räumungsklage von dem attraktiven Standort davonzujagen. Mittlerweile steht fest, dass die Metro-Tochter das Gebäude an der Langen Straße 37 Ende Juni 2018 räumen muss; an selber Stelle will Edeka einen neuen, eigenen Markt bauen.

Das Lebensmittelsortiment will Real schräg gegenüber an der Langen Straße 24 und damit am Standort des derzeitigen Non-Food- und Getränkemarkts unterbringen. Die Verkaufsfläche würde um rund 400 Quadratmeter erweitert, allerdings würde, so ist der Plan, im Rahmen des Umzugs des Lebensmittelangebots das Non-Food-Sortiment verkleinert.

Diesem Vorhaben steht indes die Regionalplanung entgegen: Laut Bebauungsplan ist der Verkauf von Lebensmitteln am jetzigen Non-Food- und Getränkemarkttandort von Real auf Gehrn nicht zulässig. Die Balinger Stadtverwaltung hat im Januar ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet mit dem Ziel der Zusammenführung der beiden derzeitigen Märkte unter ein gemeinsames Dach.

Ob das am Ende klappt? Unsicher. Aus diesem Grund und weil das Unternehmen die Zukunft nicht selbst in der Hand hat, informierte die Real-Geschäftsführung am Montag die Mitarbeiter. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Real am Dienstag mit, dass man "alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten" nutzen wolle, um auch in Zukunft in Balingen präsent zu sein. Man setze auf eine schnelle, positive Entscheidung.

Und auch bei der Stadtverwaltung Balingen hat man die Hoffnung, Real in Balingen halten zu können, noch nicht aufgegeben. Grundsätzlich stehe man dem Vorhaben von Real positiv gegenüber, sagt Baudezernent Michael Wagner. Zum einen gibt es bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln laut Gutachten in Balingen deutlichen Nachholbedarf. Zum anderen würden in einem neuen Real-Markt diejenigen Sortimente kleiner ausfallen, die üblicherweise nur in der Innenstadt angeboten werden dürfen. Mit anderen Worten: Zusammen mit dem von Edeka geplanten neuen Neukauf gäbe es künftig ein verbessertes Lebensmittelangebot, und der Handel in der City würde auch gestärkt.

Allerdings, das sagt Baudzernent Wagner auch, fehle derzeit die rechtliche Grundlage für die Zusammenführung der beiden Real-Märkte. Diese zu schaffen sei das Ziel, deswegen sei man in "konstruktiven Gesprächen mit den Fachbehörden".

Bis wann der neue Bebauungsplan in trockenen Tüchern ist und damit der Real-Umzug klappen könnte? Unklar. Ziel des Unternehmens ist es, die Zusammenführung im Juli 2018 bewerkstelligen zu dürfen und zu können. Vielleicht klappt das auch erst ein bisschen später, je nach Verlauf des Bebauungsplanverfahrens und der Gespräche mit dem Regierungspräsidium und dem Regionalverband Neckar-Alb.

Doch auch wenn es erst einmal klappen sollte, so haben die Mitarbeiter noch eine andere Sorge: Dass Edeka erneut versuchen würde, den Bebauungsplan und den Umzug mit einer Klage zu verhindern. Der Handelskrieg würde so in eine neue Runde gehen.