Balingen

Keine Mehrheit für "Otto-Mörike-Schule"

von Wolf-Ulrich Schnurr

Balingen-Frommern - Namen formen den Charakter, heißt es. Ob das auch für Schulen gilt? Viel Diskussionsbedarf über die künftige Bezeichnung des Schulverbunds Frommern hat jedenfalls am Donnerstagabend im Ortschaftsrat bestanden.

Einig waren sich die gewählten Bürgervertreter am Ende nicht: Fünf der Ortschaftsräte stimmten für die vonseiten des Arbeitskreises "Schulname für den Schulverbund Frommern" favorisierte Bezeichnung "Otto-Mörike-Schule", sechs stimmten dagegen, drei enthielten sich. Damit hat das Gremium entgegen der Hoffnung des Ortsvorstehers Stephan Reuß kein klares Signal an den Balinger Gemeinderat gesandt.

Oder vielleicht doch: Denn ein zentraler Punkt der der Abstimmung vorangegangenen Diskussion war die Frage gewesen, ob man dem letztlich entscheidungsbefugten Gemeinderat den in einem einjährigen Findungsprozess erarbeiteten Wunschvorschlag überhaupt unterbreiten solle. Dafür hatten vor allem Angela Godawa, Günther Meinhold und Ingrid Helber teils vehement geworben.

Für die Alternative hatten sich hingegen unter anderem Ewald Stingel und Gerhard Lay ausgesprochen. Sie argumentierten gegen den konkreten Vorschlag beziehungsweise gegen einen Personennamen allgemein – und traten für den Kompromissvorschlag von Ortsvorsteher Reuß ein, die Abstimmung bis nach der Novembersitzung des Gemeinderats zu vertagen.

Denn in jener soll über einen Antrag der Gemeinderatsfraktionen von Freien Wählern, FDP und Grünen abgestimmt werden. Diese streben einen Grundsatzbeschluss an, wonach Schulen in Balingen grundsätzlich nicht nach Personen benannt werden sollen, sondern nur nach Orten oder Gewannen (wir haben berichtet). Dieses "Balinger Modell" gilt zwar in der Praxis, ist aber bislang nicht grundsätzlich verbindlich.

Bereits im Juli hatte der Arbeitskreis drei Vorschläge zur Benennung vorgelegt: Otto Mörike, Wilhelm Kraut oder Hirschberg – einen dieser Namen solle der Frommerner Schulverbund tragen. Warum dabei Otto Mörike seitens der Schule favorisiert wird, legten Schulleiter Martin Kettner und seine Stellvertreterin Sandra Ade-Heine im Ortschaftsrat detailliert dar.

Der Name sei ein "Puzzlestück" des aus zwei zuvor unabhängigen Schulen gebildeten Verbunds, so Kettner. Jeder an der Schule habe Vorschläge einbringen können, und jeder sei angeschaut, kaum einer so rasch als unpassend abgelehnt worden wie die "Schlumpfschule".

Vor allem ist das Ziel der Namensfindung eine hohe Identifikation von Schülern und Lehrern mit ihrer Schule gewesen, wie Ade-Heiner ausführte. Bei jedem Vorschlag wurde deshalb gefragt: Was spricht für oder gegen eine bestimmte Person? Wie heißen andere Schulen? Wo ist der regionale Bezug? Was drückt der Name aus?

Emotionale Verbindung werde am besten von Personennamen erreicht, so die Konrektorin des Schulverbunds. Das hätten Feedback-Runden, "Gallery walks" mit weiterführenden Informationen und Umfragen ergeben. Zudem müsse der Name eine inhaltliche Aussage sowie Verknüpfung mit Ort und Schule abbilden: "Nomen es omen – der Name ist ein Zeichen."

Otto Emil Mörike erschien als Namenspatron ideal: Der in Dürrwangen geborene Pfarrer war im kirchlichen Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv. Damit habe er einen örtlichen Bezug und eine vorbildliche Biografie: "Er steht für das, was wir den Schülern vermitteln wollen", so Ade-Heiner.