Balingen

Gartenschau: Entwurf für "sensationelles Ufer"

von Steffen Maier

Balingen - Noch ist es ein Entwurf – aber was sich andeutet, sieht vielversprechend aus: Johann Senner vom gleichnamigen Planungsbüro hat am Mittwochabend im Gartenschauausschuss die ersten Überlegungen für die Gestaltung der Eyach-Auen samt Aktivpark sowie der Hindenburgstraße vorgestellt.

Erste Überlegungen deshalb, weil der Prozess bis zur baureifen Planung noch lange nicht abgeschlossen ist. Vielmehr hat Senner die Ideen aufgegriffen, die Balinger aller Altersklassen im Oktober bei Befragungen an Schulen sowie beim Forum formuliert hatten. Der nun vorgelegte Entwurf wird in einem weiteren Forum am 26. Januar zur Diskussion gestellt. Die Stadträte äußerten am Mittwoch ihrerseits Anregungen und Kritik am Entwurf an den ersten Überlegungen für die sogenannte Landschaftsachse Nord (Senner: "Das klingt sperrig, dafür müssen wir einfach noch einen besseren Namen finden").

Dreh- und Angelpunkt ist Verlagerung von Tennisplätzen

Dreh- und Angelpunkt für das Gebiet, das sich von der Schellenbergbrücke bis zur Stadtmühle erstreckt, ist die Verlagerung der Tennisplätze, wohl nach Ostdorf (siehe Info). Dadurch würde ein "wunderschöner Landschaftsraum" entstehen, so Senner, samt einem "sensationellen Ufer" mit einer bis zu 30 Meter breiten Böschung hin zur Eyach. Der neu gewonnene Raum wiederum soll, wie mehrfach berichtet, für die Anlage des Aktivparks sowie ruhigerer Bereiche zwischen Schellenberg- und Au-Stadion-Brücke genutzt werden.

Grob gesagt würde dieses Areal in drei Bereiche unterteilt: Den natürlichen Lindenhain ab der Schellenbergbrücke, wo wie im gesamten Areal auch neue Bäume gepflanzt werden sollen. Neben dem Neubau des Jugendhauses wäre der Auftakt des Aktivparks, mit Skatepark, Beachvolleyballplatz, Klettermöglichkeiten, Trampolins und einem Basketballfeld; in diesem Bereich würde das Gelände so neu modelliert, dass es eine Art natürliche Grenze zur Hindenburgstraße gäbe.

Ab Höhe Jugendhaus/Aktivpark würde der Fußweg vom Eyachufer weg verlegt, sodass an der Eyach eine große grüne Fläche entstünde bis zur Brücke, die hinüber zur Bizerba-Arena führt, die sogenannten Eyach-Wiesen samt Zugängen zum Wasser. Dort wäre Platz für spielen, fläzen, entspannen – und auch für Festzelte. Zwischen dem Weg und der Hindenburgstraße könnte laut Senner etwa ein Bewegungspfad entstehen.

Anders als heute, wäre das Gelände mit dem Bau einer neuen, wesentlich breiter angelegten und geschwungenen Fußgängerbrücke künftig nicht mehr abgeschnitten – vielmehr, so Senner, könnte durch ein neues Bauwerk der Blick hinüber auf die Eyach entlang der Hindenburgstraße freiwerden. An der Kreuzung mit der Kesselmühlenstraße wäre eine Art Servicestation mit WC, Schließfächern und etwa – laut Senner nahe einem Wasserspielplatz unabdingbar – Trocknern denkbar.

Neue Brücke wäre aus Planer-Sicht sinnvoll

Eine neue Brücke wäre zudem sinnvoll, um die Hochwasserproblematik zu entschärfen: Das jetzige Bauwerk hat laut Anwohner Walter Mauthe 2013 wesentlich mit dazu beigetragen, dass das Au-Stadion und die Hindenburgstraße von den Wassermassen erheblich betroffen waren. Das Hochwasserthema setzt sich bei der Neugestaltung der Hindenburgstraße fort: Dort soll die Fahrbahn um einen halben Meter angehoben und damit auf Höhe des jetzigen Walls gebracht werden; eine Mauer mit Schotten im Bedarfsfall soll die Anwohner dort schützen.

Mehr Grün statt versiegelter Fläche sieht Senner für einen Teil des Areals Hahn & Schnekenburger vor: Dort könnten zur Eyach hin etwa ein "Entdeckerdschungel" oder ein Sinnenpfad angelegt oder – als Hingucker – Baumhäuser gebaut werden.

Während Klaus Hahn (CDU) den ersten Entwurf als sehr gefällig lobte, äußerte Werner Jessen (Freie Wähler) auch Kritik. Der Bau einer neuen Brücke müsse genau geprüft werden, insbesondere wegen der Kosten. Die jetzige sei noch gut in Schuss. Und Jessen wies eindringlich darauf hin, dass im Sinne einer "Sozialkontrolle" die Ansiedlung etwa eines Tagescafés überlegt werden sollte, das nicht nur Bewirtung, sondern die in diesem Bereich schon heute – wegen der vielen Sport-Fans – dringend benötigten Toiletten bieten müsste.

Tennisplätze: Wie weiter?

Über die Zukunft der Tennisplätze wird seit langer Zeit diskutiert, mitlerweile kommt das Anliegen voran. Wie berichtet, empfiehlt das Institut für kooperative Planung und Sportentwicklug (IKPS) die faktische Aufgabe der Anlage der Balinger Tennisgemeinschaft in den Eyach-Auen und die Fusion mit dem TC Ostdorf, auf dessen Anlage wiederum mit Unterstützung der Stadt zusätzliche Spielplätze entstehen könnten. Die Mitglieder des TC Ostdorf haben sich unlängst für die Aufnahme der Balinger ausgesprochen; die Balinger wiederum entscheiden im Januar, wie sie weiter verfahren wollen. Oberbürgermeister Helmut Reitemann sagte am Mittwoch, die Gespräche seien bisher sehr konstrulktiv verlaufen, er sei zuversichtlich, "dass es klappt" mit der Verlagerung. Baudezernent Michael Wagner beonte, dass die Aufgabe der Tennisanlage in den Eyach-Auen im Sinne der Gartenschau "gelingen muss": "Wir haben keinen Plan B."