Balingen

Direkter Draht zu Jugendlichen gesucht

von Schwarzwälder Bote

Balingen (wus). Balinger Stadtverwaltung und Gemeinderat wollen und müssen einen direkteren Draht zu den Jugendlichen in der Stadt suchen: Ein Landesgesetz schreibt seit vergangenem Jahr vor, jene an der kommunalpolitischen Willensbildung zu beteiligen, insbesondere bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren. Drei konkrete Ideen dafür hat Jochen Brendle, Leiter des Kinder- und Jugendbüros, jetzt dem Verwaltungsausschuss vorgestellt.

Erstens soll es im Zweijahrestakt an den sechs weiterführenden Schulen in der Stadt Workshops zu kommunalpolitischen und aus der Mitte der Schülerschaft formulierten Punkten geben. Jede Schule soll dabei zwei "Topthemen" bestimmen, die dann in einem aus 18 Vertretern bestehenden, schulübergreifenden Gremium weiterberaten werden. Ziel ist es, dass die Jugendlichen dem Gemeinderat jene Themen vorstellen, die aus ihrer Sicht einer politischen Bearbeitung bedürfen.

Zweitens soll es in allen Stadtteilen – auch der Balinger Kernstadt – zweijährliche Jugendforen geben. Diese sollen zusammen mit Ortschaftsräten, Ortsvorstehern und Jugendarbeitern vor Ort Themen bearbeiten, die im jeweiligen Stadtteil von Bedeutung sind. Dabei soll es auch um eine Vernetzung mit Vereinen, kirchlichen Trägern der Jugendarbeit und weiteren Gruppen gehen.

Drittens möchte die Stadtverwaltung eine Smartphone-App kaufen, die als Kommunikationsplattform mit den und für die Jugendlichen dient. Push-Nachrichten, Umfragen, Eventkalender, Mitfahrbörse oder auch direkter Kontakt der jungen Nutzer untereinander sind einige der dabei angedachten Anwendungen.

Die erhofften Effekte dieser Ansätze zur Jugendbeteiligung sind mehrschichtig: Die Stadt will die Jugendlichen – wie vom Gesetz gefordert – zur Mitarbeit einladen und deren Engagement anerkennen; sie sollen Verwaltung und Gemeinderat besser kennenlernen können; Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, Regelungen an ihrer jeweiligen Schule zu kritisieren; und nicht zuletzt wollen die Betreiber einen Weg finden, die jungen Balinger direkt anzusprechen – ohne dies über journalistische oder "soziale" Medien tun zu müssen.

Als nächste Schritte sieht Jochen Brendle Absprachen mit den Balinger Schulen vor. Außerdem muss der Gemeinderat entscheiden, welche App gekauft wird. Die ersten Schul-Workshops könnten eventuell schon Ende dieses Jahres stattfinden.

Aus dem Verwaltungsausschuss kam die Frage, wer die Jugendbeteiligung organisiert. Diese Arbeit wird in der Praxis auf mehrere Schultern verteilt: Im Personalplan der Stadt ist eine 25-Prozent-Stelle vorgesehen. Diese teilen sich zwei Mitarbeiterinnen des Kinder- und Jugendbüros mit 15 beziehungsweise zehn Prozent. Die Workshops sollen von den Kolleginnen der jeweiligen Schulsozialarbeit mit vorbereitet werden.