Balingen

Die verbindende Kraft des Gesangs

von Ilona Tahir

"Singet dem Herrn ein neues Lied – eingeladen zum Fest des Glaubens" lautete am Sonntag das Motto des Gottesdienstes, der mit Liedern aus dem neuen Gesangbuch "Neue Lieder plus" gestaltet worden ist.

Balingen. Zahlreiche Gläubige waren der Einladung gefolgt. Ein 100 Stimmen starker Chor unterstützte, begleitet von Wolfgang Ehni an der Orgel, den Gemeindegesang. Der Kirchenchor Heselwangen, die Ökumenische und die Evangelische Kantorei hatten sich zusammengetan und mit ihren Leitern – Vera Klaiber, Birgit Knopp-Merz und Wolfgang Ehni – Lieder ausgewählt, die dem Motto der Feier entsprachen. Dekan Beatus Widmann und Pfarrer Christof Seisser führten durch die Liturgie.

Rhythmisch beschwingt eröffnete der Chor den Gottesdienst mit dem Lied "Gemeinsam auf dem Weg". Hier wurde deutlich, dass es den Chorleitern gelungen war, aus den drei Chören einen homogenen Klangköper zu formen. Dekan Widmann hob die große stilistische Bandbreite des neuen Gesangbuches hervor, das im Advent 2018 erschienen ist. Das "plus" im Titel weist darauf hin, dass 124 neue Lieder enthalten sind, die in den vergangenen 15 Jahren erschienen sind.

Chor und Gemeinde sangen gemeinsam "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde verändert ihr altes Gesicht". Sie beteten den Psalm 98 – "Singet dem Herrn ein neues Lied" –, der dem Motto des Gottesdienstes zugrunde lag. Wolfgang Ehni übte mit der Gemeinde den Kanon "Gib uns Ohren, die hören" ein, der sodann in drei Gruppen ausgeführt wurde. Beherzt sang die Gemeinde ihren Part.

"Ich bin Pfarrer, weil Superheld kein Beruf ist"

Die Lesung aus dem ersten Korintherbrief – "Ein Leib, viele Glieder, alle von dem einen Geist erfüllt" – sprach den Gedanken der Einheit an, die an diesem Sonntag im gemeinsamen Feiern der drei Gemeinden Stadtkirche, Engstlatt-Auf Schmiden und Heselwangen zum Ausdruck kam. Pfarrerin Birgit Wurster regte die Zuhörer dazu an, die Kraft und Poesie der Bilder des Psalms wirken zu lassen. Aus diesen Versen sei nicht der leiseste Ton des Jammerns herauszuhören.

Pfarrerin Wurster und Pfarrer Christoph Braunmiller ließen in ihrer Predigt das Motto aus Psalm 98 humorvoll und nachdenklich zugleich anklingen. Wurster hatte ihrem Kollegen eine Tasse mit der Aufschrift "Ich bin Pfarrer, weil Superheld kein Beruf ist" geschenkt. Dies sei doch tatsächlich ein "neues Lied, der Pfarrer als Superheld, so Braunmiller. "Ich muss mich nicht ständig runterziehen lassen durch Kritik und sinkende Zahlen der Kirchenmitglieder. Ich stelle mich dem Kampf."

Superhelden seien auch die Chorleiter und -mitglieder, die sich durch die Kälte im Kirchenraum nicht abhalten ließen, die Gemeinde durch ihr Singen zu erfreuen. Flugs wurden die Superhelden-Tassen zu ihnen auf die Empore getragen.

Superhelden seien alle Mitwirkenden in der Gemeinde. "Wir dürfen Superhelden sein, weil wir uns für Gott einsetzen. Wir sollen uns vom Jammern abwenden und dem Jubel zuwenden."

Fast tänzerisch klang das Lied "Lobe den Herr meine Seele", gefolgt von "Du bist mitten unter uns". Während des Abendmahls intonierte der Chor "Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich – wandle sie in Weite". Der Gottesdienst endete mit "Verleih uns Frieden gnädiglich". Martin Luther schrieb dieses Lied 1529 nach einer Antiphon aus dem 9. Jahrhundert: "Da pacem Domine". Nach Dekan Widmanns Dank an alle Mitwirkenden und der Einladung zum Kirchencafé ließ der Chor mit John Rutters "Gott segne und behüt dich" die Feier ausklingen.