Balingen

Nachfrage nach Tierbestattungen ist groß

von Gert Ungureanu

Balingen-Frommern - Martina und Claudius Schneider haben ein Herz für Tiere – und für Menschen, die ein Tier verloren haben. Seit zehn Jahren bieten die beiden Bestattungen für Bello, Mieze & Co. an –­ und die Nachfrage ist groß.

Claudius Schneider zeigt einen Beutel Asche, darin eine kleine Keramikscheibe mit einer Nummer, außen ist am Beutel ein Zettel befestigt mit dem Namen des Halters, des Tiers und der Nummer: "So weiß der Besitzer, dass es auch wirklich sein Tier war."

Er hat im Lauf der Zeit die Erfahrung gemacht, dass die meisten Menschen die Asche ihres vierbeinigen Lieblings behalten möchten. In dem Fall übernehme er auf Wunsch auch die Rückführung, bringe die Urne mit der Asche nach Hause. Die Formen sind unterschiedlich: Manche, sagt er, wollten eine traditionelle Urne, andere einen Bilderrahmen, an dem an der Rückseite ein Kästchen mit der Asche angebracht ist. Oder ein Behältnis in Herz- oder Tierform. Oder eine kleine Holzkiste.

Auch drei Holzsärge in unterschiedlicher Größe stehen in dem Ausstellungsraum. Die, sagt Schneider, habe ein Schreiner in der ehemaligen DDR angefertigt. Ursprünglich seien es zehn Stück gewesen, sieben habe er im Lauf der vergangenen zehn Jahre verkauft – an Leute, die ihren vierbeinigen Freund gerne beerdigen wollten. Der nächstgelegenen Tierfriedhof sei in Mössingen, aber die Resonanz sei "nicht so besonders", sagen Martina und Claudius Schneider. Wer die Möglichkeit habe, bestatte sein Tier auf dem eigenen Grundstück.

In manchen Fällen, wissen die beiden Tierbestatter, wolle der Besitzer die Asche seines vierbeinigen Freunds nicht haben. "Dann werden mehrere Tiere zusammen bestattet, anonym, im Fasanengarten in Stuttgart."

Tiere, um die sich niemand kümmere, würden in der Tierverwertung landen: "Dort werden sie geschreddert und weiterverarbeitet zu Futter, für die chemische Industrie oder kommen als Brennstoff ins Zementwerk."

Wie man Tierbestatter wird? Früher sei er Bestattungshelfer bei der Firma Koch in Albstadt gewesen. Dort habe er gelernt, wie man mit Trauer umgeht, wie man Anteil nimmt, wie man zuhört, erzählt der 66-Jährige. Er hat Verständnis für seine Kunden, hört ihnen oft stundenlang zu. Die meisten Menschen würden gerne noch einmal Abschied nehmen, viele möchten ihren Liebling auf dem letzten Weg begleiten. Bevor das Tier mit dem nummeriertem Keramikstein für die Feuerbestattung in eine PE-Hülle gesteckt wird, werde es aufgebahrt.

Dann habe er den eigenen Hund verloren. Zufällig habe er ein Fahrzeug des Stuttgarter Tierkrematoriums Tieba gesehen: "So bin ich draufgekommen", sagt er. Bis heute ist er der einzige Tierbestatter im Zollernalbkreis geblieben.

Jede Bestattung in den vergangenen zehn Jahren hat er genau dokumentiert. 2657 waren es, und an diesem Tag kommt eine weitere hinzu. Das Einzugsgebiet ist groß: Die Kunden kommen längst nicht mehr nur aus dem Zollernalbkreis, sondern auch aus Bad Saulgau, Münsingen, Tübingen, Reutlingen. Etwa eine Autostunde im Umkreis, schätzt Schneider. Es seien Privatleute, aber auch Tierkliniken oder Tierärzte, die sich melden.

Im Durchschnitt fährt Claudius Schneider zweimal pro Woche mit seinem Transporter ins Tierkrematorium. Manchmal öfter. Aber er fahre auch wegen einer einzigen Katze nach Stuttgart, sagt er. "Die Angehörigen sollen nicht so lange warten müssen." Schließlich sei ein Tier wie ein "echtes Familienmitglied".

Ein echtes Familienmitglied ist auch Hund Timmy: Seit 13 Jahren ist der goldbraune Mischling ein Familienmitglied, und wenn ein Besucher kommt, wird dieser freudig und lautstark begrüßt.