Balingen

Betten-Prinz schließt sein Stammhaus

von Gert Ungureanu

Balingen - "Hier hat alles angefangen", sagt Ralph Prinz. Er zeigt den Raum, in dem er sich mit seiner Frau vor 30 Jahren selbstständig gemacht hat. Im Juni 2019 läuft der Mietvertrag für das Geschäft in der Bahnhofstraße aus, er hat ihn nicht verlängert. Der Räumungsverkauf hat begonnen.

Der 57-Jährige kommt aus der Branche. Sein Großvater habe in Stuttgart ein großes Bettenhaus gehabt, er sei praktisch "in einem Bettenhaus aufgewachsen", sagt er. Im Geschäft werde er selbstverständlich bleiben: "Ich kann gar nicht ohne das sein."

Die beiden Fachgeschäfte in Zimmern ob Rottweil, das Geschäft in Schiltach und das in Jestetten an der Grenze zur Schweiz werde er weiterführen. Den Internet-Handel, um den sich sein Sohn Philipp kümmert, auch.

Keiner der insgesamt 40 Mitarbeiter werde eine Kündigung erhalten, versichert er und erinnert an die Schließung des Geschäfts in Ebingen vor zwei Jahren, als die Mitarbeiter auf die anderen Geschäfte umverteilt worden waren.

Die Geschäftsaufgabe in Balingen sei für ihn eine "harte Nummer", sagt Prinz. Da hänge sein Herz dran: Damals, vor 30 Jahren, sei er "mit nichts" zur Bank gegangen – und habe den Kredit für das kleine Geschäft neben dem damaligen "Sternenbäck" und für die Reinigungsmaschine dennoch bekommen. Zusammen mit seiner Frau habe er dort Matratzen verkauft und gereinigt.

Nach und nach erweiterte er sein Geschäft, übernahm die Räume vom "Sternenbäck" im gleichen Haus sowie von der Fahrschule Kappe und vom Friseursalon Hofer im Haus daneben. Wände wurden durchbrochen, Türen eingesetzt, ein neuer Eingangsbereich geschaffen. Aus vier Geschäften wurde eins.

Spuren der Geschichte der beiden Gebäude sind noch zu sehen. Im ehemaligen Postamt würden heute noch im Keller militärische Karten aus dem Zweiten Weltkrieg hängen: "Darauf sind die Einflug-Korridore der Alliierten eingezeichnet", sagt Prinz.

Jetzt laufe der Mietvertrag aus, auf dem Bahnhofsvorplatz werde es demnächst eine Großbaustelle geben, die Raumverteilung auf zwei Gebäude sei nicht mehr zeitgemäß: "Wir müssten umbauen, renovieren – das rechnet sich nicht mehr", sagt er. Die Großbaustelle auf dem Bahnhofsvorplatz werde voraussichtlich zu einer Vollsperrung der Bahnhofstraße führen – für den Einzelhandel ein erhebliches Problem. Und: Der Internet-Handel sei stark im Kommen, für die Einzelhändler stelle sich damit die Frage, "wo die Reise hingeht".

Ob es an anderer Stelle in Balingen weitergehen wird, weiß Ralph Prinz nicht, schließt es aber auch nicht aus: "Voraussetzung ist, dass ich passende Räume finde." Er sei ein Balinger, werde auf jeden Fall in Balingen wohnen bleiben, wenige Häuser weiter, auf der anderen Seite der Bahnhofstraße.

Die Stammkunden habe er vorab per Brief informiert. "Das war uns wichtig, die Kunden waren es, die uns groß gemacht haben."