Balingen

Arbeit ließ ihn auch nachts nicht los

von Detlef Hauser

Es war für Eduard Köhler noch einmal "ein gutes Gefühl", als Ende März die Nordwest-Umfahrung Weilstettens freigegeben wurde. Es war das letzte große Projekt, das er als Balinger Tiefbauamtsleiter abschloss. Ende April geht Köhler in den Ruhestand.

Balingen. Bis zu seinem Abschied sind es nur noch eine Handvoll Tage, doch die sind mit Besprechungen und Terminen ausgefüllt. Wie eigentlich immer in den vergangenen rund 40 Jahren. "Ich hatte keinenAcht-Stunden Tag", resümiert Köhler, der in der kommenden Woche seinen 66. Geburtstag feiert. 38 Jahre war er im Tiefbauamt tätig, davon 29 Jahre als Chef.

Es gab einfach immer viel zu tun. Lang ist die Liste der Vorhaben, die während Köhlers Ära realisiert wurden. Für die Umsetzung waren immer wieder Ausdauer und Beharrlichkeit notwendig, etwa im Fall der Nordwest-Umfahrung: Vor rund 20 Jahren begannen die Planungen. Andererseits war Köhler auch immer wieder als Moderator gefordert, etwa als im Zuge der Verkehrsberuhigung der Balinger Innenstadt die Bauarbeiten ins Stocken gerieten und bei Bewohnern, vor allem aber bei den Geschäftsleuten Unmut aufkam.

Tiefbau? Künftig nur noch Zuhause

Stress wiederum verursachte die Aufgabe, die Bizerba­Arena innerhalb kürzester Zeit regionalligatauglich zu machen. Und Enttäuschungen mussten verdaut werden wie zum Beispiel bei der Umfahrung Endingens, die nicht vorankommt, obwohl die Trasse schon seit 2002 festgelegt ist. Oder wenn Straßenbauprojekte hinten angestellt werden mussten, obwohl der Gemeinderat oder ein Ortschaftsrat auf die Umsetzung drängen.

"Die Tätigkeit hatte aber auch ihre Reize", sagt Köhler. Die große Spannbreite war es, die ihm gefiel und von den Dorfkernsanierungen in verschiedenen Stadtteilen über die Stadtkernsanierung in Balingen bis zur Umgestaltung der Eyach, Hochwasserschutz und Abwasserbeseitigung reichte.

Gerne tüftelte Köhler auch an Lösungen. Sie fielen ihm zum Teil über Nacht ein, wenn ihn ein Problem nicht losließ. So wurde die Entscheidung, beim Feuerwehr-Gerätehaus den ersten Kreisverkehr zu bauen, gefällt, weil sich eine Kreuzungsregelung mittels Ampeln nicht realisieren ließ. Auch beim Kreisverkehr an der Waldorfschule musste lange darüber nachgedacht werden, wie die sechs Einfahrten und der Zugverkehr unter einen Hut zu bringen waren. "Ich konnte Einfluss nehmen", hält Köhler zufrieden fest.

Den hat er auch beim Großvorhaben Gartenschau genommen. Seit drei Jahren laufen die Vorbereitungen, "die Grundzüge sind geschaffen, die Pflöcke sind drin", sagt Köhler. Die Umsetzung muss er nicht mehr selbst managen, "ich habe genügend Maßnahmen hingekriegt". Auf das Ergebnis im Jahr 2023 ist er gleichwohl sehr gespannt und blickt dem freudig entgegen.

Jetzt freut sich Eduard Köhler erstmal auf seinen Ruhestand, dies im Bewusstsein, dass im Tiefbauamt "alles in guten Händen ist". Er will seinem Sport – Triathlon – frönen, soziale Kontakte auffrischen und sich um "Haus und Hof" kümmern. Wenn Tiefbau, dann künftig nur noch auf dem eigenen Grundstück.