Seebach

Nationalpark Schwarzwald ist eröffnet

von Holger Rothfuß

Seebach - So launisch kann die Natur sein: Strahlender Sonnenschein am Sonntag, eiskalter Nebel am Samstag. Obwohl die Quecksilbersäule am Samstag kaum über den Gefrierpunkt kletterte, fanden rund 2000 Besucher den Weg zur Schwarzwaldhochstraße zur offiziellen Eröffnung des Nationalparks Schwarzwald. Der Nationalpark gleiche einem Edelstein und werde als solcher eingefasst vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord – nur beides zusammen ergebe ein Schmuckstück. Diesen plakativen Vergleich zogen gleich mehrere Redner bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Nationalpark Schwarzwald am Samstag auf dem Ruhestein.

Wie eng sich die Naturparkregion mit dem Nationalpark bereits verzahnt, zeigte der Naturparkmarkt, beschickt mit einer Vielzahl gut nachgefragter regionaltypischer Produkte und Angebote. Ein begehrtes alkoholische Getränk war jedoch am Samstag nicht bei den edlen Tropfen in den Auslagen badischer Destillen zu finden: Glühwein sorgte, dampfend heiß serviert, für Weihnachtsmarktatmosphäre am ersten Mai-Wochenende und wärmte eine Vielzahl klammer Hände.

In einem kleinen weißen Pavillon warb die Nationalparkverwaltung in eigener Sache: Nachdem bei den offiziellen Eröffnungsfeierlichkeiten die Katze, respektive der Sperlingskauz, publikumswirksam aus dem Sack gelassen wurde, sucht die Nationalparkverwaltung nun bis Ende Mai nach einem passenden Namen für den putzigen Vogel. Wessen Vorschlag bei diesem Wettbewerb das Rennen machen und letztlich namensgebend für den kleinen Kauz sein wird, der darf sich über einen attraktiven Sachpreis freuen.

Dafür, dass die Wahl auf den Sperlingskauz als tierischen Botschafter des Nationalparks fiel, nennt Nationalparkleiter Wolfgang Schlund gute Gründe: "Es gibt nicht das Tier schlechthin im Nationalpark, und man sollte gerade auch auf das Kleine achten." Der Sperlingskauz beziehe als ein interessanter Vertreter dieser eher kleineren Tierarten verlassene Spechthöhlen und fühle sich somit in Altholzstrukturen, die den Nationalpark letztlich kennzeichnen würden, richtig wohl, erklärte Schlund.

Bei einer Nationalpark-Messe präsentierten sich die Kooperationspartner des Nationalparks auf dem Festgelände dem Publikum. Sowohl der Freundeskreis Nationalpark als auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) engagierten sich bereits seit über zwei Jahren für die Einrichtung eines Nationalparks im Schwarzwald und wollen den Nationalpark künftig konstruktiv und mit viel Herzblut begleiten. Ein Symbol dieses Aufbruchs war eine überdimensionale Torte in Herzform, dessen erstes Stück Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus den Händen von Schauspielerin Ursula Cantieni, der Botschafterin des Freundeskreises, entgegennahm.

Für den Alpenverein mit seinen sechs Sektionen in der Region steht das Naturerlebnis im Vordergrund. Joachim Trayer sieht für seinen Verein im Nationalpark die optimale Möglichkeit, eine Vielzahl von Outdoor-Aktivitäten wohnortnah anbieten zu können. Die Sektionen aus der Region Nordschwarzwald könnten in Sachen Nationalpark auf die vielfältigen Erfahrungen ihrer agilen bayerischen Kollegen zurückgreifen, erklärte Trayer. Beim Schwarzwaldverein steht hingegen neben der Naturerfahrung die aktive Mitarbeit und Begleitung des Wegekonzepts im Nationalpark im Fokus.

Die Naturschule Ortenau ist ein Netzwerk aus acht regionalen Bildungseinrichtungen im Ortenaukreis und wurde vor wenigen Wochen mit dem Waldpädagogikpreis der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ausgezeichnet. Durch die Kooperation mit dem Nationalpark sieht Pädagoge Martin Ehrlinger nun die Möglichkeit, das gesamte Naturspektrum von der Wildnis bis zur Kulturlandschaft für interessierte Kinder und Jugendliche erlebbar und begreifbar zu machen.

Am Sonntag viele Wanderer auf Tour

Kinder und Familien waren auch die Zielgruppe der vielfältigen Angebote der Kreisforstämter Freudenstadt, Baden-Baden und des Amts für Waldwirtschaft im Ortenaukreis. Forst- und naturnahes Spielen und Werken, unterlegt mit kompetenten Informationen über die Themenbereiche Wald und Holz, machten die Pavillons dieser Organisationen zu Magneten bei den jüngeren Besuchern. Vor fast zwei Jahren, im Sommer 2012, waren rund 20 Greenpeace-Aktivisten unter dem Motto "Schritt für Schritt zum Nationalpark" von Stuttgart nach Baiersbronn gewandert. Im Schlepptau, auf einem Handwagen, hatte die motivierte Gruppe ein rund zwei Meter großes Schild, auf dem in großen Lettern "Willkommen im Nationalpark" prangte. Dieses Schild wurde nun am Wochenende von der Umweltorganisation an die Nationalparkverwaltung übergeben. Gerhard Goll, Leiter des Nationparkbeirats, zog dabei demonstrativ seinen Hut vor dem Greenpeace-Team und nannte dessen engagiertes Eintreten für den Nationalpark trotz vieler Widerstände mutig und wertvoll.

Am gestrigen Sonntag präsentierte sich der Nationalpark Schwarzwald von einer ganz anderen Seite: Strahlend blauer Himmel lockte noch wesentlich mehr Besucher als am Vortag zur Schwarzwaldhochstraße, darunter viele Wanderer und Radfahrer. Auf dem Naturparkmarkt und bei der Nationalparkmesse gab es kaum ein Durchkommen.