Baiersbronn

Sensible Beobachtungen gepaart mit Witz

von Schwarzwälder Bote

Baiersbronn. Ein junger Autor, ein eindrucksvolles Debüt, ein stimmiges Ambiente: Den Abschluss der siebten Literaturtage Nordschwarzwald gestaltet der 30-jährige Stuttgarter Schriftsteller Kai Wieland. Er stellt seinen Roman "Amerika" am Sonntag, 15. September, ab 11.15 Uhr in der Zimmerei Schleh (Stöckerwiesen 24) in Baiersbronn vor. Der Eintritt ist frei.

Ein passender Ort, denn der gesamte Roman spielt an den (Holz-)Tischen einer Wirtschaft: Im "Schippen", dem einzigen Gasthaus im schwäbischen Rillingsbach, hocken sie beisammen und lassen sich von Martha die Krüge füllen. Neben ihr, die den heruntergewirtschafteten Familienbetrieb mit Grazie dem Untergang entgegen führt, ist da noch Hilde, die Wilde, die einst auszog, um die Männer zu studieren.

Außerdem Alfred mit seiner Leidenschaft für tote amerikanische Politiker und Frieder, den zwar keiner mag, mit dem aber jeder gern gesehen wird. An diesem Tag geht alles anders zu, denn ein junger Chronist sitzt mit den Alten im "Schippen". Im gleichen Maß, wie das Misstrauen gegenüber dem Eindringling schwindet, brechen Erinnerungen auf und nehmen im Gastraum Gestalt an. Übles tritt zutage, Verdecktes wird enthüllt, und die sonst so friedlichen Gemüter geraten in Rage.

Und der Chronist? Der sitzt mit am Tisch und notiert, was notiert werden muss. Der Deutschlandfunk lobte den Roman nachdrücklich: Wieland "gelingt ein sehr eigener Ton (...) So wird ›Amerika‹ auch sprachlich zu einem überzeugenden Debüt eines vielversprechenden jungen Autors." Denis Scheck bescheinigte Wieland, "ein schwäbischer William Faulkner" zu sein, "der zur Entdeckung einlädt".

Kai Wieland wurde 1989 in Backnang geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Ausbildung zum Medienkaufmann, studierte anschließend Buchwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und arbeitet seit 2016 für ein Verlagsbüro in Stuttgart. Wielands Debütroman "Amerika", der im Verlag Klett-Cotta erschien, wurde mit dem Thaddäus-Troll-Preis 2018 ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Wahl so: "Kai Wieland gelingt in ›Amerika‹ eine fein austarierte Melange aus sachlich bilanzierendem Ton, sensiblen Beobachtungen und trockenem Witz und gibt so einer viel erzählten Zeit ein anderes Gesicht."