Baiersbronn

Nibelungensage mal modern

von Monika Braun

Ein modernes Jugendstück führte die Theater-Arbeitsgemeinschaft des Richard-von-Weizsäcker-Gymnasiums auf dem Schulhof auf.

Baiersbronn. Mit "Siegfried oder Kein Gemetzel bei Etzel" nach Sigrid Lunghard zeigten die acht jungen Schauspielerinnen der Klassen fünf bis sieben eine moderne Version der Nibelungensage. Unter der Regie von Laura Thomsen, die selbst als Drache und Zwerg Alberich auftrat, ließen die Nachwuchsschauspielerinnen die Sage um den Schatz der Nibelungen aufleben. "Wir haben schon einige Zeit geprobt und auch komplette Tage intensiv an dem Stück gefeilt", so Laura Thomsen. Mit nur wenigen Requisiten ausgestattet, wurde der Schulhof zur großen Bühne. An zwei Tagen zeigten Alina Fielker (Hagen), Kalina Veselinova (Siegfried), Kathrin Finkbeiner (Erzähler eins), Niya Veselinova (König Gunther), Stella Graf (Krimhild), Katie Fahrner (Erzähler zwei) und Julie Pflug (Fensterhalter, Schatz der Nibelungen und Brunhild) mit Spielfreude und Begeisterung, wie die alte Sage durch moderne Elemente in die heutige Zeit transferiert werden kann.

"Hast du gesehen, wie viele da im Publikum sitzen? Ich glaube, die warten auf was", lauteten die ersten Sätze des Rollenspiels, in dem sich drei Menschen auf eine Zeitungsannonce beworben haben und nicht wissen, wozu sie auf der Bühne stehen. Zwei Erzählerinnen geben den Freiwilligen die Anweisungen, die Siegfried-Sage aus dem Nibelungenlied zu spielen. "Wer aus dem Publikum möchte die Krimhild spielen?." Freiwillige aus dem Publikum, die spontan mitspielten, gab es allerdings nicht, dafür sprang Laura Thomsen auf die Bühne, wurde als Drache niedergestreckt und spielte trotz blutiger Nase professionell weiter.

Die Interaktion mit dem Publikum war geplant, ein Rapp wurde eingeflochten und die bewusst gewählte Umgangssprache schuf den Bezug zur Moderne. Die Sage um Siegfried wurde als traditionelle Erzählung innerhalb einer Geschichte aus der jetzigen Zeit gespielt, dabei gingen die jungen Schauspielerinnen ganz in ihren Rollen auf. Bevor Krimhild dann ihren Siegfried küssen durfte, musste dieser den Drachen besiegen und dem Zwerg Alberich die Tarnkappe entwenden, was dieser "voll unfair" fand, weil man ihn trotz Tarnkappe sehen konnte und ihn deshalb sofort enttarnte.

Das Stück lebte von der gewollten Improvisation der Schüler, die Kampfszenen waren gespielt witzig, und auch die Requisiten wie der Gürtel oder Hula-Hoop-Reifen wirkten unkonventionell.

Die Darsteller boten eine schwungvolle und kurzweilige Vorstellung, die Wortwahl und Sprache der Jugendlichen hatte einen besonderen Charme. Am Ende gab es viel Applaus für die gelungene Vorstellung unter freiem Himmel.