Baiersbronn

Lebensgefahr: L 401 bleibt vorerst gesperrt

von Maximilian Müller und Regina Schwenk

Baiersbronn - 200 Bäume entlang der Landesstraße 401 könnten unter dem Schnee zusammenbrechen, sagte der Erste Landesbeamte Reinhard Geiser in der Sitzung des Technischen Ausschusses des Kreistags. Deswegen sei die Straße zum Ruhestein gesperrt worden.

Sogar der Einsatz eines Hubschraubers, der Schnee von den Bäumen pusten soll, wie schon früher geschehen, sei geprüft worden, aber technisch nicht möglich, sagte Geiser. Angesichts dieser Situation habe er sich entschlossen, die Straße zu sperren. Es bestehe Gefahr für Leib und Leben. Für die Straße sei das Landratsamt zuständig, für die Bäume allerdings der Nationalpark.

Dass die Sperrung nicht einwandfrei geklappt habe und es zu Beginn wegen nicht ausreichender Beschilderung zu Verwirrungen im Verkehr gekommen war, nehme er auf seine Kappe, sagte Geiser. Jeder andere in seiner Situation hätte die Sperrung ebenfalls beschlossen. Einige Lastwagen hätten deswegen kilometerweit rückwärts fahren müssen, hatte der Baiersbronner SPD-Kreisrat Gerhard Gaiser kritisiert. Das Problem: Die nun gesperrte Strecke ist derzeit als Umleitung für die ebenfalls gesperrte Straßburger Straße in Freudenstadt ausgewiesen. Am Kreisverkehr in Baiersbronn weisen große Schilder die L 401 als Umleitung nach Straßburg, Kniebens und auf den Ruhestein aus. Auch noch, nachdem diese wegen Schneebruchgefahr bereits gesperrt war.

Wer der Umleitung dennoch folgte, fand sich einer Sackgasse wieder, stand plötzlich vor einem massiven Schneehaufen. Wie konnte es dazu kommen? Sabine Eisele, Pressesprecherin des Landratsamts, hat die Antwort: Unterschiedliche Behörden haben die Schilder aufgestellt. Die Sperrung der L 401 wegen Schneebruchgefahr kommt vom Landkreis, die Umleitung für die Straßburger Straße vom Regierungspräsidium Karlsruhe. Und das hätte nach der Sperrung der L 401 reagieren und die Umleitung außer Kraft sezten müssen. Offenbar passierte dies nicht sofort - für die betroffenen Auto- und Lkw-Fahrer ein echter Schildbürgerstreich.

Erster Landesbeamter: Lebensgefahr

Er und der Kreisrat Erwin Zepf CDU) bemängelten, dass die Bundesstraße 500 frei befahrbar sei und die Straßen im Nachbarlandkreis offen seien. Die Loipen in der Gegend seien gespurt und die Waldwege geräumt. Warum also nicht der Weg von Baiersbronn zum Ruhestein? Die Bäume stünden zu dicht an der Straße. Sie zu fällen oder vom Schnee zu befreien, sei schlicht zu gefährlich, entgegnete Geiser und berief sich auf den Nationalparkleiter Wolfgang Schlund.

Nationalparkleiter Wolfgang Schlund sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Nationalpark vorige Woche angefragt worden sei, Bäume entlang der Straße zwischen Obertal und Ruhestein zu fällen. Dies sei aber nicht möglich. Der Schnee liege dort einen Meter hoch, da könne man keinen Waldarbeiter reinschicken – zu gefährlich. Außerdem seien so viele Bäume betroffen, dafür brauche es zwei bis drei Wochen. Es sei eine eher seltene Konstellation, sagte Schlund. Es habe nassen Schnee gegeben, der an den Bäumen festgefroren sei. Und darauf sei noch weiterer Schnee gefallen.

Nationalpark rät zur Vorsicht

Der Nationalpark habe sich übrigens schon vor dem Schnee darum bemüht, dass der Landkreis eine Sperrung an der L 401 einrichtet, um die Bäume entlang der Straße zurückzunehmen. Das würden andere Forstämter auch, sagte Schlund.

Es handele sich nur um ein Gerüchte, dass es am Wochenende eine Jagd in der Nähe der gesperrten Straße gegeben habe. Auch sei keine geplant gewesen. Die Loipen seien zwar gespurt und auch Wanderwege seien frei, aber der Nationalpark rate zur größten Vorsicht: Überall auf den Höhen bestehe derzeit Schneebruchgefahr.

Umsatzeinbußen gab es wegen der Sperrung derweil beim Skilift und der Gaststätte beim Ruhestein, auch wenn der Besuch am Wochenende gut gewesen sei. "Die Schwaben fehlen halt", sagte Juniorchef Daniel Trayer. Vor allem Autokennzeichen aus Frankreich und Baden seien derzeit auf den Parkplätzen. Aber der Ansturm aus Freudenstadt und Baiersbronn fehle. Seine Mitarbeiter müssten eine Stunde fahren, um zum Ruhestein zu kommen, sonst seien es vielleicht zehn Minuten. Vor allem wolle er wissen, wie es weitergeht.

Die Straße werde wieder geöffnet, sobald die Schneelast von den Bäumen herunter sei, teilte das Landratsamt mit.