Baiersbronn

Fast ein bisschen wie "Bullerbü"

von Helga Michel

Schon Lampenfieber? "Ein bisschen schon", sagt Silke Günther und lacht. Nach den Sommerferien geht es für sie zwar an ihrem bisherigen Arbeitsplatz, der Grundschule Obertal, weiter, doch dann als Schulleiterin.

Baiersbronn-Obertal. Seit vier Jahren arbeitet Silke Günther als Lehrerin an der Grundschule Obertal. Davor unterrichtete sie 14 Jahre lang an der Wilhelm-Münster-Schule. Zum neuen Schuljahr tritt sie die Nachfolge von Adelheid Mast an der Grundschule Obertal als Schulleiterin an (wir berichteten).

Sie habe sich für die Stelle beworben, weil sie denke, dass es eine schöne Aufgabe ist, so eine kleine überschaubare Schule zu leiten, sagt Silke Günther. "Es ist mir ein ganz großes Anliegen, dass diese kleine Grundschule erhalten bleibt und gut läuft, weil sie mir am Herzen liegt." Und auch familiär war der Zeitpunkt für die 50-Jährige richtig. Denn während ihre beiden Kolleginnen jüngere Kinder haben, sind ihre beiden Söhne inzwischen erwachsen und studieren.

Wenn Silke Günther über die Grundschule Obertal spricht, ist sie voll des Lobes – für die Kinder, die Eltern und die Kolleginnen. Das Miteinander sei gut, die Zusammenarbeit harmonisch. Das sei wichtig an einer so kleinen Schule. Und: In Obertal habe die Schule die Eltern und den gesamten Ort hinter sich.

"Fast ein bisschen wie Bullerbü", vergleicht Silke Günther die Situation in Obertal mit der Kinderbuchreihe von Astrid Lindgren, in der das idyllische Leben auf dem Land geschildert wird. Vier Lehrerinnen, die Schulleiterin eingeschlossen, um die 50 Kinder – die Grundschule Obertal ist überschaubar. "Wir sind zu dritt ein eingespieltes Team, eine junge Kollegin kommt neu hinzu", so Silke Günther. 54 Kinder besuchten bis zu den Sommerferien die kleine Grundschule in Obertal, im neuen Schuljahr sind es 48.

Schon bisher wurden die Klassenstufen eins und zwei in einer Kombiklasse unterrichtet. Ab dem nächsten Schuljahr gibt es auch eine Kombiklasse für die Dritt- und Viertklässler. Das wird laut Silke Günther voraussichtlich in den nächsten Jahren so bleiben.

Kombiklassen wirken sich positiv auf das soziale Miteinander aus

Kombiklassen, das bedeutet, dass Kinder verschiedener Jahrgangsstufen gemeinsam unterrichtet werden. Für die Hauptfächer gibt es allerdings Teilungsstunden. "Das funktioniert sehr gut", sagt Silke Günther zu den Kombiklassen. Schön sei dabei zum Beispiel, dass die Älteren den Jüngeren helfen können. Das wirke sich auch positiv auf das soziale Miteinander aus. Günther: "Die Zweitklässler sind stolz, wenn sie den Jüngeren etwas zeigen können."

Für Silke Günther bietet die kleine Schule noch einen weiteren Vorteil: Da sich der organisatorische Aufwand in Grenzen hält, kann sie weiterhin viel unterrichten, und das tut sie gern.

Etwa zwei Drittel ihrer Arbeitszeit bleiben dem Unterricht vorbehalten, wobei sie – wie bisher – überwiegend die Klassenstufen eins und zwei übernehmen wird. Dazu kommt die Kooperation mit dem Kindergarten, die sie ebenfalls weiterführt. Damit werden die Vorschulkinder auf die Schule vorbereitet.

Sie freue sich schon auf ihre neue Aufgabe, stellt die 50-Jährige fest. Ihr Ziel sei, dass alles so gut weiterläuft wie bisher unter der Regie von Adelheid Mast. Klar sei der Start in eine neue Position ein wenig spannend. So muss Silke Günther nun zum ersten Mal den Stundenplan erstellen. Dabei wird sie von ihrer Kollegin Sabine Reiser unterstützt, die damit bereits Erfahrung hat.

Die kleine Schule im Ort sieht Silke Günther als großen Vorteil: Die Kinder würden sich untereinander kennen, im Regelfall schon aus dem Kindergarten, und als Lehrer habe man jedes einzelne Kind im Blick. Ideen für die Zukunft hat Silke Günther schon. So würde sie gerne das Schwimmen im Sportunterricht verankern. "Es ist wichtig, dass jedes Kind schwimmen kann, wenn es aus der Grundschule kommt", sagt sie. In ihre neue Aufgabe will sich die Pädagogin nach und nach einfinden: "Ich mache kleine Schritte."