Bad Wildbad

Wolfsriss: Herdenschutz mit Fragezeichen

von Johannes Böhler

Bad Wildbad - Nach dem Wolfsangriff auf seine Schafherde in der Nacht zum 30. April findet sich Landwirt Gernot Fröschle in einer unbefriedigenden Lage wieder. Zwar habe er noch am Tag nach der Attacke professionelle Hilfe zum Schutz seiner Herde erhalten, aktuelle Entwicklungen bereiten ihm jedoch Sorge.

Die Landesregierung habe künftige Entschädigungszahlungen an den Gebrauch eines 90 Zentimeter hohen "ausreichenden Schutzzaunes" geknüpft, dessen Anschaffung zu 90 Prozent vom Land finanziert werde, erzählt Fröschle. Seiner Meinung nach sei das jedoch kein zuverlässiger Schutz vor dem Wolf. Überhaupt gehe es ihm nicht darum, möglichst "irgendwelche" Entschädigungszahlungen vom Land zu kassieren. "Ich will, dass uns so etwas nie wieder passiert - ich will meine Tiere schützen."

Auch seinen Landschaftspflegeauftrag im Enztal könne er aktuell nicht mehr ordnungsgemäß erfüllen, da der Zugang zum Fluss neuerdings nach Vorschrift abgezäunt werden muss - in der Folge müsse eine Tränke auf der Weide aufgestellt werden und das Flussufer verbusche zunehmend. Wegen der verhältnismäßig dichten Besiedelung im Enztal seien auch Herdenschutzhunde für seinen Betrieb keine Alternative zum Zaun.

"Der Wolf muss weg", meint Fröschle. "Ich bin kein Abschussfanatiker, aber nach dem Angriff auf meine Herde bin ich ein entschiedener Gegner des Wolfs hier im Nordschwarzwald geworden." Wie der Wolf der Natur entnommen werde, sei ihm im Prinzip egal. Aber am liebsten wäre es ihm, meint Fröschle, wenn der Wolf eingefangen und im Alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach untergebracht werden könne. "Dort schadet er niemandem mehr und kann wenigstens naturnah leben."

Zum Schluss findet er klare Worte für die Politik: "Über Jahre hinweg haben wir den Hof und die Schafherde aufgebaut, allerdings ohne uns Sorgen um den Wolf machen zu müssen. Jetzt ist unsere Zukunft ungewiss. Ich bin der Meinung, wenn die Rückkehr des Wolfes nach Baden-Württemberg wirklich politisch gewollt ist, dann darf die Landesregierung uns mit den Konsequenzen auf keinen Fall allein lassen."