Bad Wildbad

Wolfsriss: Folgen für Waldkindergärten?

von Bernd Mutschler

Bad Wildbad - Mehr als 40 Schafe wurden Opfer eines vermutlichen Wolfsangriffs und nicht nur Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack zeigt sich besorgt. Bereits direkt am Ort des Geschehens wurden besorgte Stimmen laut, was denn nun mit dem Waldkindergarten sei, der in wenigen Wochen starten soll.

In zwei Kindertagesstätten ist jeweils im Juni ein mehrwöchiger Waldkindergarten geplant: im evangelischen Kindergarten Sprollenhaus und beim Oberlin-Kindergarten in Bad Wildbad.

"Ich habe nicht die pure Angst, aber ein mulmiges Gefühl", sagt Anne Merkle, die Leiterin des evangelischen Kindergartens in Sprollenhaus. Bislang habe sie noch nicht mit Eltern gesprochen. Diese Gespräche, sowohl mit dem Elternbeirat als auch den einzelnen Eltern, werden aber in den nächsten Tagen folgen. Die Entscheidung, ob der Waldkindergarten stattfinden kann, treffe sie dann aber selbst: "Bei mir liegt die Verantwortung. Wenn irgendetwas wäre, das wäre fürchterlich."

Eine Besonderheit macht es für den Sprollenhauser Waldkindergarten noch etwas schwieriger: Die 31 Kinder und ihre Erzieherinnen halten sich nicht an einem bestimmten Ort im Wald auf, sondern erkunden das Umfeld des Stadtteils.

Auch in ihrer Freizeit ist Merkle gerne im Wald unterwegs. "Unser Hobby ist Fahrrad fahren in den Wäldern. Ich gehe nicht mehr allein", sagt sie. Eigentlich sei sie nicht fürs "Totschießen, aber ich möchte den Wolf nicht unbedingt hier haben". In dünner besiedelten Ländern habe das Tier seine Berechtigung, aber "es ist viel zu dicht hier."

Zwei Eltern seien bislang bei ihr vorstellig geworden, sagt Elke Miller-Mehret, Leiterin des Oberlin- und des Fröbel-Kindergartens. Deren Waldkindergarten soll auf dem Sommerberg stattfinden. "Erst mal Ruhe bewahren", sagt sie. Sie habe sich an die Stadtverwaltung und den Förster gewandt und warte auf den Rückruf.

Natürlich nehme man das Thema in die Besprechungen mit den Kolleginnen mit, denn diese trügen die Verantwortung für die Kinder. "Wir nehmen es ernst", versichert sie, will aber keine "Horrorszenarien machen". Wenn aber mehrere Eltern Bedenken äußern, "werden wir reagieren".

Bedenken gegen den Wolf äußerte auch Mack in einer Pressemeldung: "Ich fordere von den politisch Verantwortlichen klare Aussagen und Nachweise, dass der Mensch nicht gefährdet ist, wenn der Wolf hier durch die Wälder streift. Wenn die Rückkehr des Wolfes dazu führt, dass die Freizeitaktivitäten unserer Bevölkerung im Wald gefährdet sind, oder sich unsere Touristen im Wald künftig nicht mehr sicher fühlen, dann muss die Politik diesem Treiben Einhalt gebieten. Denn dann wäre unsere Lebensweise – so wie wir sie kennen – erheblich eingeschränkt. Das wollen wir nicht einfach so hinnehmen."

Landrat Riegger besucht Familie Fröschle

Unterdessen suchte Landrat Helmut Riegger vor Ort in Bad Wildbad das Gespräch mit der Familie von Landwirt Gernot Fröschle und machte sich ein Bild von den Schäden durch den mutmaßlichen Wolfsangriff. Dabei informierte er sich, welche wirtschaftlichen Auswirkungen zusätzliche Schutzmaßnahmen haben und inwiefern dadurch die Existenz des Schäfers gefährdet ist. Der Kreischef sagte Fröschle schnelle und unbürokratische Unterstützung von Seiten des Landratsamts zu.

Gewissheit, ob es ein Wolf war, der die Schafe gerissen hat, besteht erst nach Auswertung der durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg gesicherten DNA-Spuren.

Da jedoch die Experten mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Wolfsattacke ausgehen, beruft das Umweltministerium Baden-Württemberg bereits am Freitag die Koordinationsgruppe Wolf ein, um gemeinsam mit den zuständigen Behörden, Verbänden und Vertretern der Wissenschaft das weitere Vorgehen zu besprechen.