Bad Wildbad

Wolf: SPD-Stadtrat greift Bürgermeister an

von Bernd Mutschler

Bad Wildbad - Dass Bruno Knöller ein Mann der klaren Worte ist, weiß nicht nur der Bad Wildbader Gemeinderat. Auch CDU-Bürgermeister Klaus Mack muss sich oft mit der Meinung des SPD-Stadtrates auseinandersetzen. So auch in der vergangenen Sitzung des Gemeinderats. Thema: die Äußerungen Macks zum Wolf.

Dieser hatte in einer Pressemeldung direkt nach dem Schafsriss in Bad Wildbad von den "politisch Verantwortlichen klare Aussagen und Nachweise" gefordert, "dass der Mensch nicht gefährdet ist, wenn der Wolf hier durch die Wälder streift. Wenn die Rückkehr des Wolfes dazu führt, dass die Freizeitaktivitäten unserer Bevölkerung im Wald gefährdet sind, oder sich unsere Touristen im Wald künftig nicht mehr sicher fühlen, dann muss die Politik diesem Treiben Einhalt gebieten.

Denn dann wäre unsere Lebensweise – so wie wir sie kennen – erheblich eingeschränkt. Das wollen wir nicht einfach so hinnehmen." Außerdem sei eine Entschädigung selbstverständlich. Viel wichtiger sei aber, "dass wir auch künftig noch Menschen finden, die Schafzucht betreiben".

Dazu meinte Knöller, dass sich der Bürgermeister "hätte geschickter verhalten können". So habe er einen "Shitstorm" auf seiner Facebook-Seite ausgelöst. Außerdem sei Mack der Einzige gewesen, "der bundesweit einen Aspekt eingebracht hat, der völlig unangemessen war: die Gefahr für die Menschen."

Emotionen losgetreten

Mack habe den Beweis gefordert, dass der Mensch nicht gefährdet sei. Dabei müsse der gegenteilige Beweis "nun von ihnen erbracht werden", sagte er an den Bürgermeister gerichtet. In den letzten Jahren oder Jahrzehnten habe es keinen Fall in Mitteleuropa gegeben, in denen ein Wolf einen Menschen angegriffen habe.

Für die Sicherheit des Waldkindergartens würde Knöller "eine 100-prozentige Garantie geben". Durch Macks Äußerungen habe die Verunsicherung deutlich zugenommen und es seien Emotionen losgetreten worden. "Normalerweise sind Sie taktisch geschickter. Sie haben fast in meinem Stil losgepoltert", sagte Knöller, der sich wünschte dass der Bürgermeister "künftig eine andere Position" einnehme.

"Es geht nicht darum, Angst zu schüren", antwortete Klaus Mack. Man müsse die Ängste der Bürger ernst nehmen, die sich auch auf dem Rathaus melden würden. "Sie wissen nicht, was für Anfragen aus ganz Deutschland an uns kommen", sagte er. Man müsse einfach ein paar Fragen stellen. So gebe es in anderen Bundesländer Landkreise mit mehreren Wolfsrudeln und dort "doch eine gewisse Bedrohungslage. Da will ich die Stadt nicht hinbringen."

In Niedersachsen fordere sogar der Naturschutzbund (NABU), bei auffälligen Wölfen die Population zu regulieren. Verhaltensauffällige Wölfe müssten geschossen werden, aber wann ein Wolf verhaltensauffällig sei, könne er nicht sagen. Er sei kein Experte und wolle deshalb Antworten von Experten. Deshalb forderte er: "Die Landesriegerung muss uns aufklären." Diese Forderung habe er erhoben und stehe dazu. Auch er wolle keine Panikmache und sieht "kein Problem beim Waldkindergarten". Unter dem Applaus der CDU-Fraktion endete Mack: "Wehret den Anfängen. Lasst uns gucken, was wir tun können."

Aus Reihen der CDU bekam der Schultes noch mehr Zustimmung. Stadtrat Martin Keppler wollte sich ausdrücklich beim Bürgermeister bedanken, dass er die Sorgen und Nöte der Bevölkerung aufgenommen habe. "Diese Sorgen sind da und das betrifft auch touristische Belange", so Keppler weiter.

Auch Jochen Borg (CDU) fand, dass sich der Bürgermeister richtig verhalten habe. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Weiss stieß ins gleiche Horn. Knöller habe ein Loblied auf den Wolf gesungen. "Den Wolf als Kuscheltier anzuschauen finde ich verantwortungslos", sagte er, was Knöller vehement verneinte: "Keppler und Weiss lügen", rief er aufgebracht und Keppler erwiderte ebenso aufgebracht: "Und du weißt nicht mehr, was du gesagt hast."

Giuseppe Craca (FWV/FDP) sprang dagegen seinem SPD-Kollegen zur Seite und sagte, in den Gegenreden der CDU-Räte seien Knöller Worte in den Mund gelegt worden, die er nicht gesagt habe. Er forderte, dass man die Menschen informieren müsse, wie sie mit dem Wolf umgehen müssen und "Ängste abbauen und nicht schüren".

Denn der Wolf sei für den Menschen im Prinzip ungefährlich. Dem stimmte auch Knöller zu. Er habe nie gesagt, der Wolf sei ein Kuscheltier, aber er sei auch nicht auf Menschen erpicht. "Wenn sich die Menschen richtig verhalten, passiert auch nichts", sagt er und fügte an, man dürfe den Wolf nicht mit menschlichen Maßstäben versuchen zu begreifen. Die Gefahr, von einem Blitzeinschlag getroffen zu werden, sei deutlich höher.

Experten einladen

Immer wieder, auch in der jüngsten Sitzung, würde beim Thema Wolf auf die Förster verwiesen. Dem widersprach CDU-Stadtrat Uwe Göbel, beim Landratsamt Calw zuständig für Waldwirtschaft und staatlichen Holzverkauf: "Wir sind keine Wolfsexperten." Er schlug vor, einen Wolfsexperten tatsächlich in die Sitzung zu holen. Dies wäre eine Möglichkeit, aus der Diskussion "Dampf rauszulassen". Und sein Kollege Andreas Wacker fügte an: "Diese Diskussion erinnert mich stark an den Nationalpark." Es sei viel besser, einen Experten vor sich zu haben und die Sache "emotional herunterzufahren".

Info: Das selbe Tier

Am Mittwoch wurden die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen bekannt gegeben, die an den mehr als 40 getöteten Schafen durchgeführt wurden. Dabei wurde eindeutig festgestellt, dass derselbe Wolf für die Attacke verantwortlich war, der bereits im November in Meistern Schafe gerissen hatte.