Bad Wildbad

Tanzeinlagen mit Wischmopp

von Götz Bechtle

Bad Wildbad. Die Kurstadt Bad Wildbad ist sicher keine Hochburg des Karnevals – und auch nicht der schwäbischen Fasnet. Aber trotzdem gibt es einen närrischen Höhepunkt in dieser Zeit, nämlich das Rosenmontagskonzert des Marcel-Baluta-Ensembles, das versucht, närrische Stimmung in das Forum König-Karls-Bad zu bringen. Was beim Wildbader Publikum keineswegs einfach ist.

Bunt geschmückt ist die Konzerthalle, als mit dem Mainzer Narhalla-Marsch die vier kostümierten Mitwirkenden ihren musikalischen Auftakt geben: die Japanerin Mihanatakokosan mit der Geige, die Kriminalkommissarin Natascha 007 am Klavier, im Kilt der "Schotte" Mac Marceluta, Solovioline, und schließlich Blondie Evelyn (Cello), die keineswegs dümmlich, sondern sich ganz gewieft als Chef ausweist und gekonnt die Moderation übernimmt.

Techno, Metal und Rap sind zwar nicht zu hören, sondern ganz gemäßigt Lehars Ballsirenenwalzer aus der "Lästigen Witwe". Der "Japanische Laternentanz" wird zwar ohne Lampions präsentiert, doch Mihanatakokosan gelingt es trotz gespielter Geige dieser Melodie das tänzerische Leben einzuhauchen. In nahezu jedem deutschen Karnevalsprogramm findet sich der amerikanische Präsident wieder – so auch beim Rosenmontagskonzert, denn "Blondie" kann mit ihrer Supertolle mühelos mit ihm konkurrieren.

Virtuos gespielt

Den Schotten Mac Marceluta kannte man bisher nur als virtuosen Violinisten, aber mit "Dann geh ich ins Maxim" ist er zum ersten Mal beim Rosenmontagskonzert vokal zu hören. Natürlich gibt es viele Witze und Anekdoten über die Männer und über die Ehe, aber wenn selbst das Publikum lautstark mit Blondie "Die Männer sind alle Verbrecher" singt, dann steigt die Stimmung im Saal. "Wir kommen alle in den Himmel", vielleicht dann, wenn man auch bei diesem Faschingslied zum Klang der Instrumentalisten mitsingen darf. Was man auch als Schotte einer Geige entlocken kann, zeigt sich bei der virtuos gespielten Melodie "Kanarienvogel", bei der man befürchtet, dass die Saiten bei den höchsten Tönen springen. Nein, das gelingt auch dem Schotten nicht. Dafür steht beim Sketch "Im Hotel" zwischen dem (ausländischen) Rezeptionisten und der reisewilligen Kundin das Missverstehen im Vordergrund.

Schwungvoll bleibt es weiter beim Rosenmontagskonzert, auch wenn beim Marsch "Folie Bergere" keineswegs die Beine fliegen. Dafür sorgt der in der Bar eingeschlossene Gast für alkoholischen Humor – selbst den Schluckauf vergisst man nicht.

"Chacun à son gôut" – "Jeder nach seinem Geschmack" erklingt in dem von Blondie interpretierten Fledermaus-Lied "Ich lade gern mir Gäste ein". Bereits Kult ist der seit Jahren im Rosenmontagskonzert gespielte Sketch auf schwäbisch, diesmal "Berta und der Brief", den der Schotte und Blondie, beide keine Schwaben, dem Publikum präsentieren.

Es kommen dabei auch Staubsauger, Besen und Staubwedel auf der Bühne zum Einsatz, als beim Riverdance die Japanerin diesmal das Cello bedient. Der Violinist spielt die passende Melodie und der Kommissar sowie Blondie präsentieren mit Besen und Wischmopp im musikalischen Chaos spritzige und putzende Tanzeinlagen. Der Lord of Riverdance, Michael Flatley, könnte neidisch werden, während das Wildbader Publikum sich mit begeistertem Beifall für diese tänzerische Einlage des Marcel Baluta-Ensembles bedankt.

Die Mitwirkenden Marcel und Ewa Baluta, Mihaela Stojan, und Natalie Dovbysch verstanden es, mit Musik, Gesang, Tanz, Sketch und Schauspielerei im Forum König-Karls-Bad ein bisschen das Flair von Fasching zu vermitteln.