Bad Wildbad

Tagesgäste als wichtige Multiplikatoren für den Bekanntheitsgrad

von Schwarzwälder Bote

Bad Wildbad. Der CDU-Stadtverband Bad Wildbad mit seinem Vorsitzenden Jochen Borg hat sich für die Gemeinderatswahl am 26. Mai vorgenommen, mit Bürgern in allen Stadtteilen ins Gespräch zu kommen. So fand nach einer Veranstaltung mit dem parlamentarischen Staatssekretär und CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel, bei der es eher um die "hohe Politik" ging, eine weitere im Hotel Alte Linde statt. Ein Schwerpunkt dabei war laut Mitteilung das Referat der neuen Geschäftsführerin der Touristik Bad Wildbad GmbH, Stefanie Dickgiesser, mit dem Thema "Wertschöpfung im Tourismus – Warum das Enztal auf den Tourismus angewiesen ist".

Unter den Besuchern des Abends konnten Borg auch Wolfgang Richter sowie Erika und Mohamed Mokni vom Dehoga-Stadtverband Bad Wildbad begrüßen.

Stefanie Dickgiesser eröffnete ihr Referat mit einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Kurstadt seit dem 19. Jahrhundert mit dem damals gegenüber heute noch ausgeprägteren Kurwesen, dem man heute noch diverse Einrichtungen und Gebäude verdanke. Zuweilen seien klare Trennlinien zwischen touristischen und nicht touristischen Einrichtungen nur schwerlich zu ziehen, profitiere doch oft das eine vom anderen.

Eine Stadt wie Bad Wildbad mit touristischer Ausrichtung müsse erhebliche Mittel in die Pflege ihrer Einrichtungen und in die öffentliche Infrastruktur investieren. So müsse Tourismus volkswirtschaftlich gesehen werden. Die Investitionen der öffentlichen Hand würden dafür eingesetzt, dass von außen Wertschöpfung in die kleine Volkswirtschaft der Stadt und der Region fließe. Von den Investitionen der Stadt in den Tourismus profitierten sowohl die Gäste wie die Bewohner, was Wirtschaftswachstum und -kraft mit sich bringe. "Touristen sind nicht nur die klassischen Urlaubsgäste. Touristen sind auch Personen, die Ausflüge in ein nicht alltägliches Umfeld unternehmen." Das Potenzial für die Wertschöpfung aus dem Tourismus werde anhand dieser Definition um ein Vielfaches höher, so Dickgiesser. Mit den Investitionen aus öffentlichen wie auch aus privaten Kassen erhöhe sich die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Bewohner. Einnahmen aus dem Tourismus gebe es nicht nur für die gastronomischen Betriebe, sondern auch für Handwerksbetriebe und Geschäfte.

180 431 Übernachtungen

In Bad Wildbad unterscheide man zwei Gästegruppen. Zum einen die Übernachtungs- und zum anderen die Tagesgäste wie etwa die Besucher der Wild Line, des Baumwipfelpfades, des Bikeparks und des Wandergebiets auf dem Sommerberg.

So habe das Statistische Landesamt Baden-Württemberg für Bad Wildbad im vergangenen Jahr 180 431 Übernachtungen in gewerblichen Betrieben mit mindestens zehn Betten registriert. Das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (DWIF) gehe von täglichen Ausgaben eines Übernachtungsgastes mit durchschnittlich 140,50 Euro aus, was für Bad Wildbad rein rechnerisch einen Bruttoumsatz in gewerblichen Betrieben von rund 25 Millionen Euro jährlich bedeute. Das DWIF schätze auf einen Übernachtungsgast vier Tagesgäste, womit sich für Bad Wildbad jährlich rund 722 000 Tagesbesucher ergäben. Dabei sei dem DWIF zufolge von einem Tagesumsatz pro Gast mit 25,50 Euro und somit jährlich von rund 18,5 Millionen Euro auszugehen. Damit erweise sich die Argumentation "Mehr Gäste, mehr Aufwand, mehr Verkehr für weniger Wertschöpfung im Ort" als fataler Trugschluss. Tagesgäste stufte Dickgiesser als wichtige Multiplikatoren für den Bekanntheitsgrad und den damit verbundenen touristischen Erfolg für Bad Wildbad ein. Tourismus sei damit keine Entscheidung gegen den Bürger, sondern eine Entscheidung für mehr Freizeitwert und für einen besseren Standard der Infrastruktur, taxierte die Tourismusexpertin abschließend.

In der sich anschließenden Diskussion wurden zahlreiche die Stadt und ihre Bürger tangierende Themen rund um den Tourismus und damit auch die zuweilen schwierige Verkehrsabwicklung angesprochen. "Wir sind für alle da", quittierte Dickgiesser den Wunsch nach mehr Übernachtungs- als Tagesgästen. Beklagt wurde aus der Sicht einiger Versammlungsbesucher die hohe, zu langen Rückstaus führende Verkehrsbelastung in Richtung Sommerberg bei einer nur sehr mäßigen Belegung beispielsweise des Parkhauses "Kurzentrum". Man müsse deshalb Mittel und Wege finden, die Fahrzeuge stärker in die Parkhäuser zu lenken.

Kritik an Kurtaxe-Erhöhung

Borg sah das gestiegene Verkehrsaufkommen und die deutliche Zunahme von Tagesgästen als ein Zeichen der Attraktivitätssteigerung der Kurstadt. Schließlich habe man in früheren Zeiten gerade das Gegenteil erlebt. "Ich bin froh, dass wir private Investoren haben und ›nur‹ die Infrastruktur beisteuern müssen", so Borg. Beklagt wurde, dass sich im Wohngebiet auf dem Sommerberg an verkehrsstarken Tagen fremde Autofahrer unberechtigt zu "Anliegern" erklären. Heftige Kritik an der Art und Weise des Vorgehens bei der jüngsten Kurtaxe-Erhöhung im Gemeinderat kam von den Vertretern des Dehoga-Stadtverbandes, die eine bessere und intensivere Kommunikation zwischen der Stadtverwaltung und ihrem Verband forderten. "Der Gemeinderat soll hören, was der Gast will", so Mohamed Mokni. Borg sicherte zu, einen engeren Kontakt mit dem Dehoga-Stadtverband anzustreben.

"Kultur ist wichtig für Gäste und Bürger", beantwortete Dickgiesser eine Frage nach der weiteren Existenz des Marcel Baluta-Ensembles. Ausdehnen will sie die Öffnungszeiten der Tourist-Info an Wochenenden. Damit verfolge man das Ziel, aus das Büro besuchenden Tagesgästen Übernachtungsgäste zu machen.