Bad Wildbad

Nur eine Kuh bei Unfällen gestorben

von Hans Schabert

Eine Stunde lang erzählte Martin Geier, der in Neuenbürg aufgewachsene, heute im Raum Freiburg lebende Autor des 2003 erschienenen "Die Enztalbahn – Von der Stilllegungsdiskussion zur Stadtbahn", im Rahmen des Festwochenendes aus der Historie der Enztalbahn.

Bad Wildbad. Sein Wissen hatte er teils aus eigenem Erleben. Nahe dem Tunnel in Neuenbürg ist er aufgewachsen, und sein Vater war Bahnbeamter. Außerdem hat er für sein Buch, das seiner an der Universität Freiburg angenommenen Examensarbeit entsprang, allerlei in verschiedenen Archiven gefunden. Garniert waren die Geschichten mit einer umfangreichen Diaschau.

Viel von der alten, 1868 in Betrieb genommenen Enztalbahn sei geblieben, einiges aber auch verschwunden oder umgebaut worden. Wie wenig sich stellenweise verändert hat, zeigte ein 80 Jahre altes Foto talabwärts bei der Eyachbrücke. Ein Stück weiter gab es – auf den europaweit größten Holzverarbeitungsbetrieb, die Firma Krauth, abgestimmt – den Rothenbacher Bahnhof. Dieser ist verschwunden, dafür aber ein S-Bahn-Haltepunkt näher bei den Wohnhäusern dort entstanden.

Unfälle seien auf der Enztalbahn in ihrer 150-jährigen Geschichte nur zwei bekannt geworden: Glimpflich sei ein Zusammenstoß mit einer Kuh verlaufen, der diese allerdings das Leben gekostet habe. Außerdem sei 1877 wegen überhöhter Geschwindigkeit bei Birkenfeld ein Zug aus der Kurve geflogen. Aber auch dabei blieben ernsthafte Folgen aus. Fertig waren die Pläne für einen zweigleisigen Ausbau zwischen Calmbach und Wildbad im Jahr 1913. Diese landeten wegen des Ersten Weltkriegs bei den Akten.

AVG rettet Enztalbahn

"Die AVG bewahrte die Enztalbahn vor der Stilllegung", unterstrich Geier zur jüngeren Geschichte. In den 1980er-Jahren habe es pro Richtung und Tag 800 Fahrgäste gegeben. Dabei seien in jener Zeit noch in jedem Bahnhof drei bis vier Beschäftigte nötig gewesen. Stück für Stück habe die Deutsche Bundesbahn Personal und technische Anlagen abgebaut.

Die Wende eingeleitet wurde 1995 mit einer Studie der AVG. 2003 erfolgte in Brötzingen der Baggerbiss zum Gleisneubau. Der Neuenbürger Tunnel war im Zusammenhang mit der Elektrifizierung zu niedrig, deshalb wurde das Schienenbett tiefer in den Fels gegraben. Konsequent habe AVG-Geschäftsführer Dieter Ludwig die aus seinem Zitat sprechende Linie verfolgt: "Die Haltepunkte müssen zu den Leuten!" So habe zu Beginn des Jahrhunderts ein neues Nahverkehrszeitalter mit großem Fahrgastzuwachs für das Enztal begonnen.