Bad Wildbad

Nach "Auerhahn"-Schließung kommen Food-Trucks

von Christoph Jänsch

Bad Wildbad - Die Nachricht, dass das Wildbader Hotel und Restaurant Nummer eins auf dem Sommerberg verkauft wird, hatte Touristik-Chefin Stefanie Dickgiesser Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Nun laufen vielversprechende Planungen für den Übergang.

Für einen Paukenschlag hatten Brigitte und Carina Richter, Betreiberinnen und Eigentümer des Auerhahns, Ende April gesorgt, als sie verkündeten, den Betrieb ihres Ausflugslokals und Hotels noch vor Beginn der eigentlichen Tourismussaison zum 1. Juni einzustellen. Nun sind sie auf der Suche nach einem Käufer für die erst 2011 eröffneten Räumlichkeiten.

Auerhahn war erste Anlaufstelle für Gäste auf dem Sommerberg 

"Das ist natürlich total schade", findet die Bad Wildbader Touristik-Chefin Stefanie Dickgiesser. "Wir sind sehr betrübt darüber, weil der Auerhahn natürlich die erste Anlaufstelle für unsere Gäste auf dem Sommerberg war." Daher hofft sie, dass schnellstmöglich Kaufinteressenten für das Objekt gefunden werden. Um dies zu beschleunigen, hat das Mutter-Tochter-Gespann der Betreiberfamilie einen auf Gastronomiebetriebe spezialisierten Makler eingesetzt. "Einen Käufer gibt es bislang noch nicht, Interessenten aber auf jeden Fall", erklärt Carina Richter dazu. Da aber bis zum 1. Juni nicht mehr viel Zeit bleibt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Betrieb nicht nahtlos fortgeführt werden kann.

Um diese Lücke zu schließen, sollen vorübergehend sogenannte "Food Trucks" die kulinarische Versorgung der Sommerberg-Gäste sicherstellen. Diese, mit einer Küche ausgestatteten, mobilen Imbisswägen, bieten häufig eine ausgesuchte Auswahl an hochwertigen, zum Teil auch regionalen Speisen. Die Food Trucks sollen als Zwischenlösung auf der Fläche des Biergartens unterhalb des Restaurants stehen. Die Idee dazu hatte Dickgiesser, die Richters waren dafür offen. Doch noch sind die Details wie beispielsweise die Strom- und Wasserversorgung nicht geklärt. Am heutigen Mittwoch treffen sich die Auerhahn-Betreiber nach Angaben der Touristik-Chefin mit einem Interessenten aus Freudenstadt. Anschließend wird man sehen, ob die kurzfristige Übergangslösung ein tragfähiges Konzept sein kann.

Personalmangel in Gastronomie kein Geheimnis

"Wir hätten diese Saison noch zu Ende machen können", entgegnet Carina Richter all jenen, die sich fragen, warum der Betrieb der Lokalität ausgerechnet vor Beginn der hochfrequentierten Besucher-Monate eingestellt wird. "Allerdings hätten wir dazu noch Köche gebraucht – und wer bewirbt sich denn, wenn er weiß, dass Ende der Saison Schluss ist?" Der Personalmangel in der Gastronomie sei ja auch kein "Geheimnis", so die Gastro-Quereinsteigerin weiter. Bis zu 25 festangestellte Mitarbeiter und 60 Aushilfen haben die Richters in "Hochzeiten" beschäftigt. Heuer waren es gerade noch 10 feste und etwa 25 Aushilfen. "Wir haben kontinuierlich gesucht, aber der Markt gab es nicht her", berichtet die 27-Jährige.

Der Mangel an Personal war jedoch nicht der einzige Grund für die plötzliche Aufgabe. "Wir persönlich finden, dass der Auerhahn ein wunderschönes Ausflugslokal ist", so die Junior-Chefin. "Das ist aber nicht unser Anspruch an die Gastronomie." Sie und ihre Mutter hätten stets den Wunsch nach gehobener Küche und exklusivem Service gehabt. Sie hätten sich gerne "Zeit nehmen" wollen für ihre Gäste. "Das ist auf dem Sommerberg weder möglich, noch gefragt", erklärt Carina Richter. "Die Gäste kommen, wollen schnell ihr Essen und ebenso schnell wieder weg." So könne man – außer zu Stammgästen – keine richtige Bindung aufbauen.

Während die Junior-Chefin diesen Umstand erklärt, betritt eine fast 40-köpfige Touristengruppe, die nicht reserviert hatte, das Lokal. Sie hätten zur Nachmittagszeit gerne Kaffee und Kuchen. Doch die 27-Jährige muss die Gruppe vertrösten: Getränke könnten sie selbstverständlich haben, für Kuchen wäre eine Reservierung notwendig gewesen. Bei Reiseleitern mit so wenig Fingerspitzengefühl ist der Unmut der Richters verständlich. "Das passiert hier oben öfter – dann ist es mal kurz sportlich", tut es die erfahrene Betreiberin mit einem Lächeln ab.

An der Nachfrage habe es somit nicht gelegen, dass das Betreiberinnen-Duo nicht mehr will. Die zehn Hotelzimmer sowie weitere 17 Gästezimmer im zugehörigen "Auerhahn-Nest" seien gut ausgelastet gewesen, verrät Carina Richter. Und auch den Gerüchten, dass Mutter und Tochter sich zerstritten hätten, nimmt Carina Richter lachend den Wind aus den Segeln. Entscheidungen hätten sie und ihre Mutter grundsätzlich gemeinsam getroffen. "Klar, gibt es auch mal Unstimmigkeiten, aber meine Mutter und ich haben nach wie vor ein tolles Verhältnis."

Gute Chancen für Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt

Nun müssen sich die Mitarbeiter des "Auerhahns" also nach einem neuen Job umsehen. Die Junior-Chefin hat dabei keine Bedenken. "Für unsere Kollegen habe ich bereits so viele Anfragen von Gastronomiebetrieben aus Wildbad und Umgebung erhalten, dass ich denke, sie sind gut aufgehoben." Auch Carina Richter selbst tritt damit einen neuen Job an – selbst wenn sie zunächst eine Gastro-Pause macht. Sie wird ihrem Vater, Harald Richter, in dessen Pforzheimer Unternehmen "Herbert Richter Metallwaren – Apparatebau GmbH & Co. KG" assistieren und ein Fernstudium aufnehmen.

Carina Richters Großvater, Herbert Richter, hatte sich mit dem 2011 eröffneten "Auerhahn" einen Traum erfüllen wollen. Doch nur kurze Zeit vor der Eröffnung verstarb er. Nachdem der "Auerhahn" daraufhin zunächst verpachtet war, betrieb das Mutter-Tochter-Duo die Lokalität ab 1. Juni 2014 selbst. Bis zur Schließung also exakt fünf Jahre lang. "Jetzt sind es nur noch wenige Tage", erklärt Carina Richter sichtlich gerührt. "Mir wird die Zeit mit den Mitarbeitern ganz arg fehlen." Nicht zuletzt deshalb, sondern auch, weil sie in den vergangenen fünf Jahren viel Zeit hier verbracht habe, mehrere Familienangehörige in Wildbad geboren seien und Carina Richters Opa seine Firma im Kurort gegründet habe, wolle sie dieser Stadt verbunden bleiben. Zum Beispiel, indem die 27-Jährige in diesem Jahr erstmals das Wildbader Weihnachtskonzert in der Trinkhalle veranstaltet.