Bad Wildbad

Minister: "Ich will den Wolf nicht ausrotten"

von Bernd Mutschler

Bad Wildbad-Nonnenmiß - Schäfer Gernot Fröschle und der Calwer CDU-Kreisverband hatten zum Hoffest geladen und mehr als 200 Interessierte kamen auf Fröschles Hof. Der Grund: Sie erhofften sich klare Antworten von Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

Gernot Fröschle hatte wohl mit dem großen Andrang gerechnet. Denn große Sonnensegel überspannten den Hof, damit auch (fast) alle Besucher einen Schattenplatz bekamen. Und dieser große Andrang zeigte einmal mehr: Das Thema Wolf bewegt die Gemüter der Menschen – und das weit über das Enztal hinaus, denn an diesem Tag waren sogar Besucher aus Dornhan nach Nonnenmiß angereist.

"Wir wollen einfach über den Wolf schwätzen", eröffnete Fröschle die Veranstaltung. "Der Wolf ist hier und die Weidetierhalter wollen antworten, wie es weitergehen soll", richtete er das Wort an die CDU-Vertreter, die an diesem Nachmittag auf seinen Hof gekommen waren: Neben dem Minister waren das der parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und der Landtagsabgeordnete Thomas Blenke.

Man müsse nur das richtige Thema ansprechen, dann kämen auch die Leute, sagte Blenke: "Dieses Thema treibt sie in unterschiedlichster Weise um. Mich treibt es auch um und ich kann sie sehr, sehr gut verstehen", versicherte er. Deshalb habe er auch den Minister gebeten, das Wolfsgebiet zu besuchen.

Hauk will besonderen Schutz des Wolfes lockern

Hauk sprach sich dafür aus, den besonderen Schutz des Wolfes zu lockern, ihn ins Jagdgesetz aufzunehmen und so Wolfsmanagement zu betreiben. Dennoch wolle er den Wolf nicht ausrotten. Deutschland sei kein rechtsfreier Raum und "wir werden uns an die Gesetze halten". Aber es gebe kein Gesetz ohne Ausnahmen und es gelte, die sehr restriktive Auslegung in Deutschland zu lockern, damit das Jagen von "Problemwölfen" einfacher werde. Denn auch in anderen EU-Ländern, etwa Finnland, sei der Wolf bejagbar.

Bislang sei der Wolf dann ein Problemwolf, wenn er sich den Menschen vertraulich nähere. "Das ist aber so nicht tauglich. Wolf und Weide vertragen sich nicht. Wo der Wolf in Herden einbricht, wird er zum Problemwolf", so die Meinung des Ministers. "Der Wolf frisst kein Gras", zitierte er ein Banner, das an großen Heuballen aufgehängt war und fügte an: "Wer Biodiversität will, muss die Grasfresser schützen." Da die Landwirtschaft in Hauks Ressort falle und das Umweltministerium für den Wolf zuständig sei, bezeichnete sich Hauk als "Minister der Opfertiere". Er sagte, dass die Biodiversität, also die biologische Vielfalt, das Ergebnis jahrhundertelanger Kulturbewirtschaftung und besonders der extensiven Bewirtschaftung sei. "Das muss aufrecht erhalten bleiben, sonst wächst der Schwarzwald zu", so Hauk weiter.

Er verdeutlichte noch einmal: "Wir streben keine wolfsfreien Gebiete an. Der Wolf wird im Schwarzwald bleiben. Aber wenn er nicht mehr selten ist, braucht er auch keinen besonderen Schutz." Wenn durch den Wolf viele, vor allem die Nebenerwerbslandwirte aufgeben und der Staat die Pflege der Flächen übernehmen müsste, dann würde es "vielfach teurer", prognostizierte Hauk.

Friedrich Großhans, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Calw mahnte an, dass es fast nicht möglich sei, die Zäune wolfssicher aufzustellen: "Die Erdung ist fast nicht möglich." Dies sei eine der Fragen, die es mit dem Koalitionspartner zu klären gelte, bestätigte Hauk. Wenn der Schutz durch die Bodenbeschaffenheit nicht möglich sei, dann "kann man die Herde nicht schützen", bestätigte er und gab auch zu, dass es auf diese Frage noch keine Antwort gebe. Deshalb plädierte er für den gezielten Abschuss von Wölfen, die in die Herden einfallen. "Wölfe sind lernfähig", sagte er und glaubt, dass sich Wölfe, wenn Artgenossen geschossen werden, künftig von Herden fernhalten würden.

Die Kreisjägermeisterin Elke Marko merkte an, dass die Jäger bei Naturschützern nicht ganz oben auf der Beliebtheitsskala stünden. Sie forderte, dass die Jäger geschützt werden müssten, "damit uns nicht die Bude eingerannt wird. Wenn wir einen Wolf entnehmen, steht die Welt Kopf". Hauk bestätigte dies mit einem Beispiel aus Sachsen, wo die Jäger die Entnahmen seiner Aussage nach nicht selbst entnehmen, "weil sie stark von militanten Tierrechtlern unter Druck gesetzt werden".

Früher sei der Wolf existenzgefährdend gewesen, weil vor 150 Jahren fast jeder irgendwie Landwirtschaft betrieben habe. Heute verursache der Wolf nicht mehr die großen gesellschaftlichen Schäden.

Gesellschaft kann sich den Wolf leisten

Deshalb sei der Wolf geschützt, weil die Schäden ersetzbar seien, so der Minister, der anfügte: "Wir können uns als Gesellschaft den Schutz des Wolfes leisten." Aber man habe Spielräume und diese würden derzeit in Deutschland nicht ausgenutzt.

Derzeit gebe es in Deutschland 800 Wölfe, bis Jahresende rechnet Hauk mit 1000 Wölfen. Bei einer Reproduktionsrate bei den Rudeln von 30 Prozent pro Jahr verzehnfache sich die Anzahl der Wölfe bei dem derzeitigen Schutzstatus in zehn Jahren. Dies würde bedeuten, dass es 2028 in Deutschland 10.000 Wölfe geben würde. Sobald das erste Rudel im Schwarzwald ansässig sei, setze auch hier die Populationsdynamik ein. "Es fing überall mit einem Einzelwolf an", so Hauk. "Der Schwarzwald verträgt keine zehn Rudel, forderte er noch einmal, ihn zu bejagen. "Sobald es genügend Wölfe gibt, kann er ganz normal gemanagt werden."