Bad Wildbad

Mehr Touristen - weniger Ertrag

von Bernd Mutschler

Bad Wildbad - Beinahe vollzählig war der Bad Wildbader Gemeinderat beim diesjährigen Waldbegang auf dem Sommerberg. Kein Wunder, ­denn der Termin bot neben vielen Informationen um die Entwicklung des Waldes auch Handfestes: das Fällen einer 150 Jahre alten Tanne und ein zünftiges Wildvesper am Auchhalder Kopf.

Nach der gemeinsamen Fahrt mit der Sommerbergbahn war der erste Halt der Eingangsbereich des Baumwipfelpfads. Hier bauen die Arbeiter gerade die Holzeinhausung für die zwei Dixie-Toiletten auf, die hier aufgestellt werden sollen.

Revierleiter Andreas Wacker gab zudem einen Überblick über die Veränderung auf dem Sommerberg seit der letzten "Forsteinrichtung", also der Planung für die Bewirtschaftung und Pflege des Waldes für zehn Jahre. Als diese Planung 2013 erstellt wurde, "war hier alles dichter Wald", so Wacker, und an Baumwipfelpfad oder gar die Hängebrücke hätte niemand gedacht. Deshalb sei das Areal komplett als Wirtschaftswald beplant gewesen. "Das stimmt so nicht mehr", sagte Wacker. Das bleibe nicht ohne Konsequenzen. Denn die Planung sah vor, dass in jedem Jahr 12 000 Festmeter Holz eingeschlagen werden. Durch die verstärkte touristische Nutzung sei aber ein großer Bereich des Sommerbergs aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen worden. Hier versuche man stattdessen, alte Bäume so lange wie möglich zu erhalten. Auch der Einsatz der Waldarbeiter habe sich geändert. So hätten sie insgesamt 938 Arbeitsstunden im Bereich Erholung geleistet. Dazu gehöre die Verkehrssicherungspflicht entlang der Wege, die touristisch genutzt werden. Dazu käme der Winterdienst – "die Waldarbeiter machen quasi alles", so Wacker weiter.

Abenteuerspielplatz-Baustelle: Arbeiter unter hohem Zeitdruck

Nächste Station war die Baustelle des Abenteuerspielplatzes beim Aussichtsturm des Baumwipfelpfads. Hier erklärte Wacker, dass die Arbeiter aus Tschechien unter hohem Zeitdruck stünden, um den Termin für die Eröffnung im Sommer zu schaffen. Zusätzlich zum Abenteuerspielplatz sollen hier weitere Toiletten und eine kleine Gastronomie entstehen.

Nach einem Besuch im "Waldbadezimmer", das laut Wacker sehr gut angenommen werde, konnten die Stadträte und Mitglieder der Stadtverwaltung "live" beim Fällen einer mächtigen Tanne dabei sein. Der rund 150 Jahre alte Baum stand direkt an einem Weg und verlor durch Schädigungen etwa auf halber Höhe Rinde. Deshalb entschlossen sich die Verantwortlichen dazu, den Baum zu fällen. Die Waldarbeiter schritten während der Begehung zur Tat und innerhalb kürzester Zeit fiel die mächtige Weißtanne. Als der Baum lag, erkannten die Arbeiter einen Pilz, der sich im Stamm ausgebreitet hatte. Somit muss ein großer Teil des Baumes abgeschnitten werden und kann nicht als sogenanntes Japanholz nach Asien verschifft werden. das dürfte den erhofften Erlös aus dem Baum deutlich schmälern.

Bei einer maroden Startrampe des bestehenden Bikeparks erläuterte Bürgermeister Klaus Mack, dass der Bikepark auf dem Sommerberg eine Zukunft haben solle. Dazu werde der Gemeinderat gemeinsam mit der Stadtverwaltung die Rahmenbedingungen abstecken und dabei auch die Fragen behandeln, ob es neue oder veränderte Strecken geben soll und wie es mit der E-Mobilität bei Mountainbikes aussehe. Die Verträge mit den jetzigen Betreibern liefen aus und sollen so nicht verlängert werden. Mack wies aber darauf hin, dass man niemand hinausdränge. Vielmehr könne sich für den neuen Vertrag jeder bewerben, der ein gutes Konzept hat – also auch die bisherigen Betreiber. Bei der Schlusseinkehr sagte Tobias Volg, Leiter des Forstbezirks Calmbach, noch einmal, dass man in den nächsten fünf Jahren beim Holzeinschlag zurückgehen und sich auch deshalb von Überschüssen verabschieden müsse. Vielmehr könne man zufrieden sein, wenn man bei einer "schwarzen Null" herauskomme. Auch der Borkenkäfer könne sich bei weiteren trockenen Sommern zu einem noch größeren Problem entwickeln.

Ein weiteres Thema beim Waldbegang war die Rotwildkonzeption und die Auswirkungen des Tourismus auf den Naturschutz und die Tierpopulation auf dem Sommerberg.