Bad Wildbad

Hängebrücke: "Seilflug" schafft Verbindung

von Bernd Mutschler

Bad Wildbad - Ein weiterer Meilenstein beim Bau der Hängebrücke "Wild Line" auf dem Bad Wildbader Sommerberg ist geschafft: Am Mittwoch wurden mithilfe eines Hubschraubers die beiden Brückenköpfe durch ein erstes Arbeitsseil miteinander verbunden.

Bevor es jedoch so weit war, hatte der Hubschrauber noch eine andere Aufgabe. Denn zuerst mussten die Fundamente für dieses "Windseil" genannte Arbeitsseil betoniert werden. Diesen Beton, insgesamt 24 Tonnen, transportierte der Helikopter mit rund zwanzig Flügen an die beiden Brückenköpfe Nord, beim Heermannsweg, und Süd, am Auchhalder Kopf beim Startplatz der Gleitschirmflieger.

Durchaus beeindruckend ist dabei die Geschwindigkeit und vor allem die Präzision, mit der die Helikopter-Crew die Flüge durchführt.

Internationales Team

Überhaupt sind beim Bau der "Wild Line" durchweg Spezialisten am Werk und sorgen so für eine internationale Zusammenarbeit mitten im Schwarzwald: Die Brückenbauer kommen aus Österreich, die Seilmannschaft aus der Schweiz und die Hubschraubercrew ebenso wie die Investoren aus Deutschland.

Während sich die vielen Pressevertreter und andere Zuschauer, darunter auch Bürgermeister Klaus Mack, einige Gemeinderäte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, am Brückenkopf Süd aufhalten, beliefert der Helikopter zuerst den nördlichen Teil mit Beton. Zum Aufwärmen sozusagen kann man sich die Flüge aus sicherer Entfernung anschauen.

Dann aber wird es ernst und der Lärm der Rotoren lauter, als der gelb-blaue Hubschrauber das erste Mal den südlichen Brückenkopf anfliegt. Zuerst schaut er sich die Situation ohne Beton an und überprüft die beste Einflugschneise, bevor er die erste Ladung beim Lagerplatz an der Skihütte abholt.

Dabei beeindruckt der Pilot die anwesenden Zuschauer mit seiner Geschicklichkeit, wie er nur wenige Meter von den Baumwipfeln entfernt souverän mit dem an einem langen Seil unter dem Helikopter befestigten Betonkübel navigiert.

Nach etwa eineinhalb Stunden ist es geschafft und der Beton an Ort und Stelle. Nun folgt also der spannende Teil. Der Teil, für den sich die Zuschauer zum Sommerberg aufgemacht haben. Noch einmal fliegt der Helikopter ein. Geleitet vom Einweiser auf dem Boden fliegt er präzise ein. Und eine Kiste mit Gewicht, an der das Windseil befestigt ist, wird mit einem Karabiner eingehängt. Dabei kommt der Hubschrauber so tief, dass sich die Menschen gegen den Wind des Rotors stemmen müssen. Ein letztes Mal fliegt er zum nördlichen Ende der Brücke, an dem das Seil festgemacht wird und so eine Verbindung zwischen den beiden Brückenköpfen herstellt. Während der Helikopter wegfliegt, bremsen die Arbeiter an der Seiltrommel die Abrollgeschwindigkeit, damit sich das Seil nicht in den Ästen verfängt.

Warum das Seil so dünn ist, erklärt Revierförster und Gemeinderat Andreas Wacker, der sich mittlerweile zu einem Brückenexperten entwickelt hat. Der Helikopter könne maximal eine Tonne Gewicht heben, eines der 380 Meter langen endgültigen Tragseile für die Brücke wiege jedoch 13 Tonnen. Deshalb werde jetzt mit dem Kunststoffseil ein weiteres, etwas dickeres Seil von einer Seite der Brücke zur anderen gezogen. Dieser Vorgang, das bestätigt auch Barbara Sand, die Vertriebsleiterin der "Wild Line", werde fünf bis sechs Mal wiederholt, bis dann schlussendlich die schweren Tragseile mit ihren 75 Millimetern Durchmesser herübergezogen werden können. An diese beiden Tragseile wird ein Arbeitskorb befestigt, mit dem dann die Brücke Stück für Stück aufgebaut wird.

"Wir liegen absolut im Zeitplan", bekräftigt Sand. Wenn alles nach Plan verläuft, soll es an Pfingsten ein "Soft-Opening" geben. Ab diesem Zeitpunkt soll die Brücke für die Besucher geöffnet sein. Allerdings laufen noch Arbeiten an der Infrastruktur, sodass regelmäßige Öffnungszeiten zu diesem Zeitpunkt noch nicht garantiert werden können, so Sand weiter. Deshalb werde die Brücke erst am Wochenende vom 20. bis 22. Juli offiziell eröffnet.

Sand erzählt auch von den hohen Sicherheitsbestimmungen, denen die Brücke genügen muss. So gebe es beispielsweise permanente Windmessungen. "Bei zu starkem Wind schließen die Drehkreuze automatisch", sagt sie. So könne dann niemand auf die Brücke gelangen. Von der Brücke herunter komme man aber natürlich immer.

Begeistert zeigt sich Bürgermeister Klaus Mack. Die Hängebrücke direkt beim Märchenweg, sei als "Weg der Mutigen" geplant. "Mit der ›Wild Line‹ haben wir ein weiteres Highlight in der Stadt", freut er sich.