Bad Wildbad

Geschichten von Liebe, Herz und Schmerz

von Götz Bechtle

Bad Wildbad. Musik weckt Erinnerungen, bewirkt Emotionen und beflügelt die Fantasie. Lieder erzählen Geschichten von Liebe, Herz und Schmerz, aber auch von besonderen Ereignissen.

So könnte man das Konzert der "Palastperlen" im ausverkauften Bad Wildbader Königlichen Kurtheater skizzieren. Denn präsentiert wurden von den 13 Mitwirkenden des Salonorchesters "Goldstücke der Salonmusik" aus den 1920er- und 1930er-Jahren, die auch heute vor allem bei der reiferen Jugend noch bestens bekannt sind. Seit 15 Jahren sind die "Palastperlen" mit bis zu zehn Auftritten im Jahr unterwegs, überwiegend in der Region, aus der auch alle Musiker kommen. Übrigens, alle sind Profis.

Begonnen hatte das Ganze mit einer Kiste alter Noten, die der Calmbacher Musiker Uwe Forstner erwarb und darin unter anderem viele Schlager und Songs aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts fand. Das brachte ihn als aktiven Trompeter und Dirigent verschiedener Orchester und Bands auf die Idee, selbst eine Band zu gründen, um diese Titel, unter anderem auch heute noch viele bekannte Ohrwürmer, wieder in Konzerten dem heutigen Publikum zu präsentieren. Und so entstanden die "Palastperlen." Wichtig dabei war ihm, die instrumentale Besetzung dem Vorbild von damals nachzuempfinden.

Am Samstagabend standen eben diese "Goldstücke" auf dem Programm, und die Palastperlen, sozusagen Lokalmatadoren, eröffneten mit "Mein kleiner grüner Kaktus" im Stil der Comedian Harmonists das absolut gelungene Salonkonzert. Andreas Hohl führte als Conférencier und Sänger ausgezeichnet durch das Programm.

Humorvolle Erklärungen

Er lud gleich zu Beginn das Publikum ein, sich keinen Zwang anzutun, und mitzusingen, zu klatschen und, sofern Bedarf, sogar zu tanzen, was natürlich platzmäßig höchstens auf der Bühne möglich gewesen wäre.

Interessant und humorvoll waren seine Erklärungen zu den bisweilen wenig sinnvollen Texten, die gesanglich zu hören waren, wie "Ich bin so scharf auf Erika, wie Columbus auf Amerika" oder "Was macht der Maier am Himalaya?" oder "Mein Gorilla hat eine Villa." Köstlich das gesangliche Telefonat "Und sonst ist zuhause nichts los!" mit Viola Bommer, die nicht nur stimmlich, auch bei "Die Männer sind alle Verbrecher", sondern vor allem musikalisch mit dem Saxofon gefiel.

Weitere Höhepunkte waren "Sing Nachtigall sing", "Fragen Sie Frau Schmitz" (die deutsche Variante von "Puttin‘ on the Ritz"), "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n" oder "Goodbye, Johnny".

Frenetischer Applaus des Publikums und viele Zugaberufe erweichten die Palastperlen zu "Veronika, der Lenz ist da", wobei das Publikum begeistert mitsang, bevor dann die Mitwirkenden mit "La-Le-Lu, nur der Mann im Mond schaut zu" und mit Schlafmützen bedeckt, die Konzertkerze ausbliesen.

Mit ihren "Goldstücken der Salonmusik" beschlossen die Palastperlen die Bad Wildbader Theatersaison im Königlichen Kurtheater. Das entzückende Theater im Kurpark ist bekanntlich ein reines Sommertheater, das, neben den Rossini-Inszenierungen, in diesem Jahr mit mehr als zwanzig Gastspielen ein tolles Programm präsentieren konnte.