Bad Wildbad

Nachtwanderer sind eine Erfolgsgeschichte

von Heinz Ziegelbauer

Bad Wildbad - Rot war bei der jüngsten Sitzung des Verwaltungs-, Sozial- und Tourismusausschusses des Bad Wildbader Gemeinderates im Rathaus die dominierende Farbe bei den etwa ein Dutzend Zuhörern.

Und zwar mit den Jacken der Nachtwanderer, die sich zum Sachstandsbericht ihres Sprechers Ralf Kuhnle im Sitzungssaal des Wildbader Rathauses eingefunden hatten.

Besuch als Anstoß

Der Anstoß zur Gründung der Institution Nachtwanderer zunächst in Calmbach und später auch in Wildbad war ein Besuch von Bürgermeister Klaus Mack im Jahr 2013 in Öhringen.

Zu einer Informationsveranstaltung mit Vertretern der Stadt Öhringen im Forum König-Karls-Bad hatten sich darauf 17 Bürger eingefunden, von denen sich ein großer Teil zur Mitarbeit bereit erklärte. Insbesondere unter dem Aspekt vermehrter abendlicher und nächtlicher Sachbeschädigungen in Calmbach, die in Stammtischkreisen sogar den Ruf nach einer Bürgerwehr hatten laut werden lassen, konstituierte sich Kuhnle zufolge dort im Jahr 2014 die erste Nachtwanderer-Gruppe. Sie unterzog sich einem Erste-Hilfe-Kurs sowie einem Deeskalationstraining und ging danach auf die Straßen – mit dem Besuch besonderer Brennpunkte wie etwa am Lindenplatz, an der S-Bahn-Haltestelle, in der Grünanlage auf dem ehemaligen Keppler’schen Gelände und des sogenannten Entenparks an der Hauptstraße.

Und das nicht ohne Erfolg. Reduzierten sich doch die Fälle von Zerstörungswut und die Belästigungen von mit der S-Bahn fahrenden Mädchengruppen am Calmbacher Bahnhof. Kuhnle zufolge ließ sich zwischen den Nachtwanderern und den Gruppen der Jugendlichen und Heranwachsenden sogar ein gewisses Vertrauensverhältnis aufbauen.

Es dauerte nicht lange, bis sich auch in Wildbad ein ähnliches Team mit Roger Lindenthal und Susanne Müller an der Spitze etablierte. Sie kooperierte mit der Calmbacher Nachtwanderergruppe. Jetzt können auch Calmbacher Mitglieder in Wildbad und umgekehrt solche aus Wildbad in Calmbach im Einsatz sein. Der aktuelle Stand lautet: 23 Mitglieder in Calmbach und zwölf in Wildbad.

1500 Stunden

Seit der Gründung der Gruppen sind laut Kuhnle 121 Einsätze mit etwa 1500 Stunden abgelaufen. Federführend waren die Nachtwanderer vor Kurzem in Kooperation mit dem Lions-Club und mit der Hänsel- und Gretel-Stiftung beim Aufbau des Notinsel-Systems für Kinder unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Klaus Mack.

Kuhnle freute sich über das große Medieninteresse an den Aktivitäten der Nachtwanderer-Gruppen. So werden diese auch in der SWR-Fernsehsendung "Landleben 4.0" am Freitag, 31. März, ab 21 Uhr zu sehen sein. Vom 28. bis 30. September 2018 erwartet er bis zu 100 Teilnehmer beim Nachtwanderer-Bundestreffen in Bad Wildbad, das derzeit die größte Gruppe der Republik stellt. "Es ist uns gelungen, das Vertrauen der Jugendlichen aufzubauen und Vandalismus einzudämmen", konnte er zusammenfassend feststellen.

Bürgermeister Klaus Mack bezeichnete die Aktivitäten der Nachtwanderer als eine Erfolgsgeschichte, die den Bürgern in den Abendstunden das Gefühl von Ruhe und Sicherheit vermittle. Der Dank des Bürgermeisters und von Stadträten aller Fraktionen galt den Personen, die sich in den beiden Nachtwanderer-Gruppen engagieren.

Baumschutz-Verordnung

Wie nicht anders zu erwarten war, befassten sich mehrere Wortmeldungen aus den Reihen des Ausschusses mit der derzeitigen Sperrung der Bundesstraße 294 zwischen Höfen und der Abzweigung nach Dobel und den dadurch verursachten weiten Umleitungsstrecken. Zum Schutz von das Orts- und Landschaftsbild prägenden Bäumen regte Stadtrat Bruno Knöller den Erlass einer Baumschutz-Verordnung an. Stadtrat Jochen Borg lobte den in der Kurstadt jetzt wieder mit städtischem Einsatz entstehenden Blumenschmuck, kritisierte allerdings den problematischen Zustand so mancher leer stehender Geschäfte und regte entsprechende gestalterische Maßnahmen an, die jedoch Mack zufolge nur schwierig zu realisieren sein werden. Handle es sich bei den Objekten doch um Privateigentum.