Bad Wildbad

"Es gilt, eine neue Gehkultur zu entwickeln"

von Götz Bechtle

Was vielen auf den Nägeln brennt, sollte auch viele interessieren. So der Fußverkehrs-Check, bei dem die Fußwege und die Fußgängerüberwege in Bad Wildbad im Mittelpunkt stehen. Trotzdem kamen zur Auftaktveranstaltung im Forum König-Karls-Bad nur wenige Teilnehmer.

Bad Wildbad. Zum Auftakt-Workshop waren Bürger und Bürgerinnen eingeladen, gemeinsam mit Vertretern der Verwaltung und der Planer die Belange der Fußgänger zu diskutieren. Die Teilnehmer daran waren aber an einer Hand abzuzählen. Ziel dabei ist, dass unterschiedliche Akteure Fragestellungen des Fußverkehrs aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten, die dann in zwei Begehungen vor Ort in Calmbach und in Wildbad analysiert werden können. In der Ausschreibung heißt es: "Die Fußverkehrs-Checks bringen die Förderung des Fußverkehrs auf lokaler Ebene entscheidend voran und rücken die Belange der Fußgänger stärker in das Bewusstsein von Politik und Verwaltung."

Bad Wildbad sei die erste Kommune im Landkreis Calw, so Bürgermeister Klaus Mack in seiner Begrüßung, in der dieser Fußverkehrs-Check vorgenommen werde. Mack: "Sichere Wege, sicheres Gehen in Bad Wildbad", das sollte eigentlich besser werden. Mack dankte dem Land, dass die Stadt für den Fußverkehrs-Check ausgesucht wurde, der seit drei Jahren veranstaltet wird, wobei jedes Jahr neun Kommunen ausgesucht werden – 59 haben sich für das Jahr 2018 beworben.

Philipp Hölderich von der Planersocietät, Sitz in Dortmund, Filiale in Karlsruhe, nannte das Ziel: Schaffung von sicheren und attraktiven Fußwegen und ein Beitrag, den Fußverkehr stärker ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. "Zufußgehen", so Hölderich, "ist ein bislang fast vergessenes Verkehrsmittel!" Das Zufußgehen sei "ein umwelt- und sozialverträgliches Verkehrsmittel, flexibel und spontan, gesundheitsfördernd und ohne jeden Aufwand machbar". Rund drei Viertel aller Wege sind Fußwege, und jeder Autofahrer sei, sobald er sein Fahrzeug oder ein öffentliches Verkehrsmittel verlässt, Fußgänger, unabhängig davon, wo dies geschieht.

Unabhängig und gesund

Außerdem: "Kein Verkehrsmittel ist so witterungsunabhängig wie die Füße", und außerdem sei es gesund. Hölderich: "Es gilt, eine neue Gehkultur zu entwickeln."

Nach so viel Positivem zum Fußgehen, zeigte Roy Schilhanek, Sachgebietsleiter Ordnung und Bürgerservice, die geplanten Begehungsrouten in Calmbach und in Wildbad auf. Dabei geht es keineswegs nur um Fußgängerüberwege, sondern auch um Gehwege, die nicht "angenommen" werden, da diese zu schmal oder in schlechtem Zustand seien.

Problembereiche sind in Calmbach, vor allem für Schüler, der sogenannte Faas-Kreisel, der zwischen den beiden Schulen liegt (Realschule in der Höfener Straße, Haupt- und Werkrealschule in der Jahnstraße), die Bushalte­stelle am Alten Wildbader Weg und die ampelgeregelte Einmündung am Gasthof Anker. In Wildbad sind die Verhältnisse nicht so schwierig, aber auch hier gibt es sicherlich Verbesserungsmöglichkeiten, so der "Weg" vom Lindenbrückle über die Stadtbahngleise und die König-Karl-Straße zum König-Karl-Stift und zum Parkhaus.

An zwei Stadtteilplänen wurden die vorgeschlagenen Begehungsrouten optimiert, da die "Insider" besser wissen, wo es fußläufige Probleme und Möglichkeiten gibt.

Als Vorschläge für eine zukünftige Fußverkehrsförderung wurde Bürgermeister Mack gebeten, Fördermittel für Gehwege einzupflegen oder diese von der Stadt vorzusehen.

Die erste Begehung findet in Calmbach statt, am Donnerstag, 19. Juli, 18 Uhr, Treffpunkt Fünf-Täler-Schule (Höfener Straße), die zweite Begehung in Wildbad am Mittwoch, 26. September, 17 Uhr, Treffpunkt Katharinenbrunnen beim Rathaus. Der Abschlussworkshop ist für Mittwoch, 21. November, 18 Uhr, im Forum König-Karls-Bad vorgesehen. Jeder kann teilnehmen, sowohl bei den Begehungen als auch beim Abschlussworkshop. Der Abschlussbericht soll im Februar 2019 fertig sein. Es wurde gebeten, diesen Bericht auch in den wesentlichen Punkten zu veröffentlichen.