Bad Wildbad

Bürger fühlen sich "abgehängt"

von Bernd Mutschler

Bad Wildbad/Enzklösterle - Die geplante Vollsperrung der L  351 beim Lautenhof zwischen Bad Wildbad und Enzklösterle bewegt weiter die Gemüter. Die Einwohner Enzklösterles fühlen sich "abgehängt" und Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack widerspricht dem Regierungspräsidium Karlsruhe.

Regierungspräsidentin Nicolette Kressl schrieb in ihrer Antwort auf Macks Brief davon, dass die Stadtverwaltung bereits am 21. Juni und am 7. sowie 19. September des Jahres über die vorgesehene Vollsperrung in Kenntnis gesetzt worden sei. Dem widerspricht Mack vehement: "Dass die Maßnahme Lautenhof kommt, ist natürlich schon lange bekannt, es war aber immer von einer halbseitigen Sperrung die Rede." Als man erfahren habe, dass technisch nur eine Vollsperrung möglich sei, "haben wir sofort interveniert", so der Bürgermeister weiter.

Gemeinsam das Gespräch suchen

Bei einer möglichen Umleitung durch den Wald sieht er auch das Regierungspräsidium mit in der Pflicht: "Wir werden jetzt gemeinsam mit dem Landratsamt das Gespräch mit dem Regierungspräsidium suchen und die Möglichkeiten diskutieren. Wenn die Stadt helfen kann, wird sie das tun. Die verkehrsrechtliche Anordnung trifft aber am Ende das Regierungspräsidium." Das Ziel sei auf jeden Fall "eine verträgliche Lösung für unsere Bürger", so Mack weiter.

Gerade diese Bürger sind derzeit alles andere als gut gelaunt. "Wir sind ein abgehängter Ort im Kreis Calw", sagt beispielsweise Karl Mast, Hotelier in Enzklösterle. Er spürt bereits jetzt die Vollsperrung in Höfen. "Die Tagesgäste am Wochenende aus Pforzheim und Karlsruhe bleiben jetzt so gut wie weg", sagt er. Zwar habe sein Hotel im November Betriebsferien und sei deshalb von der Sperrung am Lautenhof nicht unmittelbar betroffen, aber die Baustelle "sollte vor Weihnachten erledigt sein", damit das Weihnachtsgeschäft nicht darunter leide. Schwierig sei auch die medizinische Versorgung im Ort.

"Wir haben keinen Doktor mehr und in das zuständige Krankenhaus nach Neuenbürg muss man dann möglicherweise zwei Umleitungen fahren", so Mast weiter. Bei einem Notfall sei dies nicht zumutbar. Auch für die Dauer der Bauarbeiten hat er kein Verständnis: "Die müssen doch keine neue ­Straße bauen sondern bloß ein Mäuerle."

Auf Unverständnis stößt die gesamte Baumaßnahme auch bei Karl-Heinz Becker aus Enzklösterle. "Es ist schlicht weg eine Zumutung, was die Verkehrsplaner hier dem Steuerzahler, der die ganzen Maßnahmen ja auch noch bezahlen muss, zumuten", sagt er. Monatelang würden ganze Täler von der Außenwelt abgeschnitten. Steuern zahlende Bürger und Gewerbetreibende müssten Unsummen an Umsatzverlusten und Mehrkosten durch erhöhte Fahrzeiten und damit verbundenen Lohnkosten sowie Treibstoffkosten hinnehmen, und das "nur durch kopflose und unhaltbare Planer, die hier am Werke sind".

Für jede der bisherigen Maßnahmen habe es Wege gegeben, unnötige Umleitungen zu vermeiden, durch Nutzung von vorhandenen Waldwegen oder durch einseitige Sperrungen der Verkehrsadern im Enztal, "ohne den Naturschutz oder sonstiges zu arg zu beanspruchen".

Weiterhin gebe es bei Vergabe solcher Leistungen, die die wichtigen und einzigen Verkehrsadern in Tälern abschneiden, Möglichkeiten, die Maßnahmen zu beschleunigen. "Man kann zum Beispiel mindestens in zwei Schichten arbeiten oder die ausführenden Firmen dazu verpflichten, entsprechende Mannschaftsstärken und Material vorzuhalten, um eine deutliche Verkürzung der Bauzeit zu erreichen", sagt der Bauunternehmer.

Man könne die Firmen auch zur Arbeit an Samstagen oder Brückentagen verpflichten, "denn jeder Tag, der so eine Baustelle früher beenden lässt, ist doch Gold wert für alle, die dadurch unsäglich und unzumutbar behindert sind". Die Gemeinden in und um Bad Wildbad müssten sich nicht wundern, dass junge Familien in andere Städte und Gegenden ziehen und die Städte und Dörfer in den Tälern langsam aussterben. "Auch Gewerbetreibende werden sich hier ganz genau überlegen, ob sich ihr Engagement in solchen Ortschaften noch lohnt, wenn man bei einfachsten Maßnahmen wochenlang fast nur noch über Luftwege erreichbar sein wird", sagt er.

Sind die Kosten zu hoch?

Auch die Kosten für die Baumaßnahme erscheinen ihm viel zu hoch: "Wenn ich als Fachmann lese, dass die geplante Maßnahme mit der Uferböschung der Enz 1,2 Millionen Euro kosten soll? Da muss man sich bei einiger­maßen Fachkenntnis schon fragen, wer da für solche Steuergeldverschwendung die Verantwortung trägt. Meiner Erfahrung und Einschätzung nach geht das, bei einigermaßen durchdachter Planung, erheblich günstiger."

Becker hofft, dass sich die Bürgermeister aus Enzklösterle und Bad Wildbad weiterhin verstärkt für Lösungen einsetzen werden. Außerdem wünscht er sich, "dass sich die Bürger und Gewebetreibenden das nicht gefallen lassen und sich endlich erheben gegen diesen Behördenwahnsinn und dem einmal Einhalt gebieten, notfalls durch Bürgerinitiativen und Unterschriftenlisten, oder sogar als letzen Weg Blockaden und Demos."

Info

Arbeiten an der B 294 laufen nach Plan

"Die Sanierung der Bundesstraße 294 in der Ortsdurchfahrt Höfen ist voll im Zeitplan", teilt Höfens Bürgermeister Holger Buchelt mit. Ab Montag, 16. Oktober, begännen die Vorbereitungen für die Asphaltarbeiten, wobei dann auch der neue lärmmindernde Belag aufgebracht werde. Danach folgen noch Arbeiten an den Schächten sowie die ab­schließenden Markierungsarbeiten – insbesondere für den Fußgängerüberweg an der Ochsenbrücke, die Linksabbiegespur zu den Neuen Äckern sowie auf der Kreuzung beim Rathaus. "Diese Arbeiten bedeuten noch einmal eine gewisse Erschwernis, weil dann auch der Netto-Parkplatz sowie der Ochsenparkplatz bei der Villa Commerell nicht mehr angefahren werden können", so Buchelt.

 Netto-Markt schließt

Der Netto-Markt schließt am 14. Oktober wegen Umbauarbeiten. Spätestens ab Montag, 16. Oktober, könne dann dort nicht mehr geparkt werden. Die Rathausbrücke und damit die Zufahrt zum Ochsenparkplatz seien spätestens ab Montagnachmittag nicht mehr befahrbar, weil dann bereits die Vorbereitungen für die Asphaltarbeiten am nächsten Tag beginnen. Die Parkmöglichkeiten in Höfen seien zwischenzeitlich sehr eingeschränkt. "Es bleiben leider nur noch wenige Stellplätze bei der Gemeindehalle sowie auf dem Freibadparkplatz", schreibt der Bürgermeister.

 Gutes Wetter nötig

Die Arbeiten erfordern gutes Wetter, so dass es etwa durch längere Regenfälle zu Verzögerungen oder Umplanungen kommen kann. "Die Baustelle ist zügig gelaufen und sie nähert sich nun mit großen Schritten dem Ende und das Licht am Ende des Tunnels ist schon zu sehen", teilt Buchelt abschließend mit.