Bad Wildbad

Blitztrauung wegen Wohnungsnot

von Götz Bechtle

Bad Wildbad. An der steilsten Stelle in der Bad Wildbader Straubenbergstraße wohnen sie, das Ehepaar Lore und Fritz Severloh, das heute seine Diamantene Hochzeit begehen darf. Allerdings wird heute nicht groß gefeiert, denn am 12. Juli 1958 heirateten sie "nur" standesamtlich, ein Jahr später dann kirchlich.

Während Lore Anna, geborene Pfenninger, aus Calmbach stammt, kommt Fritz Severloh aus dem hohen Norden, aus der Südheide in Niedersachsen. Dort war er zur Schule gegangen und arbeitete zwei Jahre in der Landwirtschaft, bis ihn ein Freund dazu überredete, nach Calmbach zu kommen, um dort einen Beruf zu erlernen. Das war am 1. April 1956. Während Fritz seine Ausbildung zum Metzger machte, arbeitete Lore nach einer Tätigkeit im Hotelbereich in Baden-Baden sieben Jahre lang in der Werkküche der Birkenfelder Firma Kiefer.

Kennengelernt haben sich die beiden allerdings beim Federballspiel. Und dann gab es eine "Blitztrauung" wegen der Wohnung im Straubenberg, da wegen der Wohnraumbewirtschaftung dort nur ein Ehepaar einziehen durfte. Innerhalb von fünf Tagen machte der damalige Calmbacher Bürgermeister die Eheschließung möglich, dann durfte die kleine Zweizimmerwohnung bezogen werden, und auch das Wohnungsamt gab seinen Segen dazu.

1962 wechselte Fritz Severloh in die Wildbader Filiale der Firma Pfannkuch, um dort im Wurst- und Fleischverkauf tätig zu sein. Die Kundschaft schätzte ihn nicht nur wegen seiner fachkundigen Beratung beim Verkauf, sondern auch wegen seiner netten Sprüche, die er als Verkäufer machte. Bis in die neunziger Jahre stand Fritz Severloh hinter der Fleischtheke, dann musste er aus gesundheitlichen Gründen diesen Job aufgeben und wurde hauptamtliche Fachkraft für den Sicherheitsbereich der 179 Filialen von Pfannkuch im südwestdeutschen Raum. Severloh war zudem viele Jahre Sanitäter beim DRK, dann Bereitschaftsführer bei der DRK-Ortsgruppe Wildbad, außerdem Vorstand bei der Arbeiterwohlfahrt und Elternvertreter in der Schule.

Vier Kinder

Lore Severloh hatte mit den vier Kindern Beate, Petra und den Zwillingen Thomas und Annette, dazu kam noch die Oma, jede Menge Betrieb in der kleinen Wohnung. Das nach dem letzten großen Stadtbrand von 1742 gebaute Haus konnte in einigen Etappen – da es drei unterschiedliche Besitzer gab – von Lore und Fritz erworben werden und wurde zum größten Teil in Eigenarbeit umgebaut. "Es ging eng zu", meint Lore Severloh rückblickend, "aber wir haben uns alle hier wohlgefühlt und oft trafen sich auch die Kinder aus der Nachbarschaft in unserer Wohnung." 21 Jahre lang arbeitete Lore Severloh als Zimmerfrau in der Rommelklinik, später dann abends in der Vital-Therme.

Außer Sohn Thomas sind inzwischen alle Kinder ausgeflogen. Bei besonderen Anlässen kommen außer den eigenen Kindern und deren Partnern auch die vier Enkel und ein Urenkel. Sowohl Fritz als auch Lore fühlen sich gesundheitlich altersentsprechend und sind mit ihrem Leben sehr zufrieden.

Wenn man an ihrem Haus vorbeigeht, dann sieht man gleich, dass hier Gartenfreunde wohnen. Liebevoll ist die kleine Kinderbadewanne mit Blumen dekoriert, und allerlei Topfpflanzen, Sprüche und Dinge lassen die Passanten verweilen, um zu schauen und zu lächeln. Und darüber freuen sich dann die beiden Severlohs.