Bad Teinach-Zavelstein

Dauerhafte Rückkehr in alte Heimat?

von Steffi Stocker

Nicht nur das Angeln, auch die Renaturierung der Teinach ist ein Anliegen der Fischerfreunde Teinachtal. Mit dem erneuten Einsetzen von Edelkrebsen, eine ursprünglich heimische Art, wollen sie natürliche Lebensräume des Bachs wiederherstellen.

Bad Teinach-Zavelstein. "Wir hegen die Hoffnung, dass er sich wieder ansiedelt", bekräftigten die beiden Vorsitzenden Eberhard Böttinger und Wolfgang Siedersleben bei der Aktion.

Pest vernichtete die Tiere

Vor sieben Jahren hatten sie das Experiment schon einmal gestartet. "Wir haben keine toten Tiere in der Folgezeit gefunden, aber auch keinen Nachwuchs", zog Böttinger sein Fazit. Deshalb hofft der Verein, diesmal wenigstens Jungtiere zu entdecken – zumal einige der eintreffenden Edelkrebse, die der aus einer der wenigen Zuchtstationen in Deutschland stammen, deutlich sichtbar bereits Eier trugen.

Überrascht von der Lieferung, die früher als angekündigt ankam, reagierten die beiden Vorsitzenden spontan und setzten die 50 Tiere mit dem lateinischen Namen "Astacus astacus" zusammen mit Vereinsmitglied Andreas Friederich an unterschiedlichen Stellen des Bachlaufs ein.

Vor fast 150 Jahren hatten große und vielfältige Populationen in dem Fluss gelebt, darunter auch dieser Edelkrebs. Ende des 19. Jahrhunderts schwappte allerdings die Krebspest über den Atlantik und vernichtete die Tiere nicht nur in der Teinach, sondern europaweit.

Kritische Phase steht an

Die Infektionskrankheit wurde aus Nordamerika durch eine Krebsart nach Europa eingeschleppt, die dagegen resistent ist. Dies führte fast zum Aussterben der heimischen Krebsarten, darunter auch des Edelkrebses.

In speziellen Boxen, die mit feuchter Holzwolle gefüllt waren, kamen die Tiere nun in Bad Teinach-Zavelstein an. Durch Kiemen an den vorderen Beinen und die Luftzirkulation können sie darin bis zu drei Tage überleben. Einzeln setzten die Fischerfreunde die Krebse entweder direkt ins Wasser oder an den Uferbereich. Auch vom erdigen Boden aus fanden sie direkt den Weg in Richtung der Teinach.

Dort suchen sie sich jetzt einen Unterschlupf für die Häutung. Junge Krebse häuten sich mehrfach in den ersten drei Jahren. In dieser kritischen Phase sind sie eine leichte Beute für Fressfeinde, sodass nur wenige Tiere die Geschlechtsreife im vierten Lebensjahr erreichen. Mit ihren Magensteinen, sogenannte Gastrolithen, bilden sie einen neuen Panzer. Nun drücken die Fischerfreunde die Daumen, dass sich die Krebse in der Teinach ansiedeln.