Bad Rippoldsau-Schapbach

Woher die Region ihren Namen hat

von Schwarzwälder-Bote

Alpirsbach/Bad Rippoldsau-Schapbach - Eine Wanderung, die ein Engländer von Bad Rippoldsau-Schapbach nach Alpirsbach über das "Bettelmännle" unternommen hat, beschreibt Ilse-Maria Freudenreich in unserem heutigen Beitrag der Leserserie "Sagenhafte Heimat". Er hatte sich bei uns in der Frühstückspension für drei Tage eingemietet. Ein kräftiger Bursche aus England, mit wildem Haarschopf, khakifarbenen, derben Hosen und Soldatenstiefeln. Er war auf einer Chemie-Tagung im Ruhrgebiet gewesen und wollte sich im Schwarzwald "auslaufen" – er lebte in Scheidung und der Frust musste raus.

Ich hatte ihm eine Wanderkarte ausgeliehen und er beschloss, an einem herrlichen Spätsommer-Sonntag mit Bahn und Bus nach Schapbach zu fahren und dann den Querweg zurück nach Alpirsbach zu laufen. "Sie sind viel zu spät dran", sagte ich ihm. "Das schaffen Sie nie, es ist ja schon fast 12 Uhr und Sie müssen quer über drei Berge! Und der letzte langgestreckte Berg zwischen Reinerzau und Alpirsbach, das ›Bettelmännle‹, ist noch einmal mehr als 700 Meter hoch. Der Sage nach soll dort oben vor langer Zeit ein armer Bettler umgekommen sein, weil ihm die Alpirsbacher nichts zu essen gegeben hatten und er vor Erschöpfung zusammenbrach." Ein anderer Gast steuerte zu unserem Gespräch einen Kommentar bei: "Wer weiß, vielleicht geistert dieses ›Bettelmännle‹ noch in den dunklen Wäldern herum?".

Aber der Engländer winkte nur lässig ab: Er sei gut ausgerüstet. Mit Taschenlampe, Kompass und Trillerpfeife für den Notfall stiefelte er los – und ich überlegte, ob ich wohl im tiefen Wald beim Klang einer Trillerpfeife daran denken würde, dass jemand Hilfe braucht.

Es wurde Abend. Ich setzte mich zu meinen Gästen auf die Terrasse und erzählte zur Erheiterung von dem Ausflug und der Trillerpfeife. Wir waren ganz aufgekratzt und beschlossen, zu warten. Es wurde 21 Uhr, es wurde 22 Uhr, die dunklen Tannen begannen, mit dem Nachthimmel zu verschmelzen, kein Mond war zu sehen, und es wurde immer dunkler und finsterer. Vielleicht hat er das "Bettelmännle" getroffen, munkelten wir, aber allmählich machte ich mir Sorgen.

23 Uhr und noch immer nichts. Es wurde Mitternacht – endlich hörten wir den harten Tritt von genagelten Schuhen auf der geteerten Straße. Das musste er sein – leicht stolpernd stapfte der Engländer die Terrassenstufen hoch und warf sich völlig erschöpft in den nächsten Gartensessel. Als erstes bekam er ein kühles Bier spendiert, und während er hastig trank, schwiegen wir erwartungsvoll. Er wischte sich den Schaum vom Mund und grinste: "Black Forest – jetzt weiß ich endlich, warum der Schwarzwald Schwarzwald heißt." Er musste die letzte Strecke quer durch den Wald mit Taschenlampe und Kompass zurücklegen und sah die Hand vor Augen nicht. Aber den "little Bettel-Man" habe er nicht getroffen. Am nächsten Tag zeigte er mir seine Route und ich maß nach: Es waren etwa 45 Kilometer gewesen.