Bad Liebenzell

Seuchenüberprüfung

von Wolfgang Krokauer

Einige Male sind in diesem Jahr Bienenvölker und ihr Honig gestohlen worden. Zuletzt hat es in Langenbrand einen solchen Fall gegeben. Hinsichtlich der Täter tappt die Polizei noch im Dunkeln.

(wk). Imker sind dazu verpflichtet, dem betreffenden Wanderwart des Bezirksimkervereins ein Zeignis vorzuliegen, wenn sie ihre Bienenvölker in dem entsprechenden Gebiet ansiedeln möchten.

Aus diesem Schriftstück geht hervor, dass die Insekten gesund sind. Zudem kann dadurch überprüft werden, ob die Bienen aus einem Sperrgebiet stammen, in dem es eine Seuche gibt, sagt der Seuchensachverständige Kurt Adam.

Nehmen die Imker ihre Bienenvölker wieder mit und gehen mit ihnen woanders hin, müssen sie sich beim betreffenden Wanderwart wieder abmelden.

Schömberg-Langenbrand. So gab es kürzlich in Langenbrand einen solchen Fall. Ein bislang unbekannter Täter stahl nach Angaben der Polizei zwischen Sonntag, 22. Juli, und Freitag, 27. Juli, vier Bienenkästen (wir berichteten). In den vier Kästen befanden sich jeweils ein Bienenvolk mit rund 50 000 Tieren und jeweils etwa 15 Kilogramm Tannenhonig. Den Schaden schätzt der betroffene Imker auf rund 2000 Euro.

Waldhonigproduktion in diesem Jahr weitgehend ausgefallen

Das ist kein Einzelfall. So berichtet die Polizei davon, dass im Pforzheimer Stadtteil Buckenberg zwischen dem 19. und dem 25. Juni ein Bienenvolk gestohlen wurde. In Zeutern, einem Ortsteil der Gemeinde Ubstadt-Weiher (Landkreis Karlsruhe) wurden zwischen dem 8. und 11. Mai 100 Kilogramm Honig gestohlen. Am Donnerstag teilte die Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mit, dass es bislang in keinem Fall einen konkreten Tatverdacht gibt.

Wer stiehlt Bienenvölker? "Das sind mit Sicherheit Imker", sagt Udo Schwed, Vorsitzender des Bezirksimkervereins Calw. Manche würden auch die Bienen zurücklassen, den Honig vor Ort abschleudern und die leeren Kästen zurückstellen. Er erinnerte daran, dass in diesem Jahr die Waldhonigproduktion witterungsbedingt weitgehend ausgefallen sei. Die für die Produktion notwendigen Blattlauspopulationen hätten sich nicht richtig entwickelt, lautet Schweds Begründung.

Parasiten sind eine Gefahr für das Leben der Insekten

Für einen professionellen Wanderimker lohne sich der Diebstahl von lediglich vier Bienenvölkern, wie in Lan­genbrand geschehen, allerdings nicht, macht Schwed deutlich. Ein Imker lade sich damit ungewöhnlich viel Arbeit auf, gibt er zu bedenken. So brauche ein Bienenvolk mit rund 50 000 Tieren für das ganze Jahr bis zu 150 Kilogramm Honig als Futter. Zudem müssten die Imker die Bienen gegen einen Schädling, die Varroamilbe, entsprechend behandeln. Geschehe dies nicht, sei die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Bienen wegen des Parasiten im Winter sterben würden. Schwed glaubt deshalb, dass die Bienen in Lan­genbrand jemand gestohlen habe, der sich auskenne, aber kein Vollerwerbsimker sei. Zum Zeitpunkt der Tat meint Schwed, dass die Bienen entweder vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang gestohlen worden seien. Dann seien keine Flugbienen in freier Natur, sondern in ihrer Unterkunft.

Ein Experte auf diesem Gebiet ist Kurt Adam aus Unterhaugstett. Auch er geht davon aus, dass die Diebstähle von Imkern begangen worden seien. Man müsse sich auskennen, sagt er. Adam war Vorsitzender des Bezirksimkervereins Calw und in dieser Funktion Vorgänger von Schwed. Adam ist Seuchensachverständiger für Bienen in Unterhaugstett, Möttlingen und Monakam und damit der verlängerte Arm des Veterinäramtes im Landratsamt Calw. Darüber hinaus ist er Wanderwart für Unterhaug­stett im Bezirksimkerverein Calw.