Bad Liebenzell

Orgel in Blumhardt-Kirche restauriert

von Jeanette Tröger

Bei einem Konzert haben Siegfried Baral und Felix Rollbühler mit ihrem Publikum den Abschluss der Restaurierung der Orgel in der Möttlinger Blumhardt-Kirche gefeiert.

Bad Liebenzell-Möttlingen. Die am 18. Oktober 1883 eingeweihte Orgel wurde in der Übergangszeit von der Klassik zur Romantik gebaut. Sie war zuletzt 1960 renoviert worden, was in den vergangenen Jahren am Klang auch deutlich zu hören war.

In vier Wochen Renovierungszeit durch die Orgelbaufirma Mühleisen aus Leonberg wurden die rund 600 Pfeifen gewaschen, die Traktur nachgestellt und das Instrument neu gestimmt. Die Luft wird nunmehr aus dem Kirchenraum angesaugt und nicht mehr aus dem kalten Turm. Außerdem wurden sicherheitstechnische Maßnahmen ergriffen bezüglich Stromzufuhr, Licht und Heizung.

Werke vom Barock bis zur Neuzeit

Ihr Konzert hatten die Organisten in zwei Teilen präsentiert. Siegfried Baral, der derzeit Kantor in Mönsheim ist und hin und wieder auch in Möttlingen als Organist einspringt, präsentierte im ersten Teil Werke, die vom Barock des 17. Jahrhunderts bis zur Neuzeit reichen. Von Nicolaus Bruhns, dem überaus produktiven, jung verstorbenen norddeutschen Komponisten, erklangen ein Präludium und die Fuge in g-moll. Eine Fuge in G-Dur von Johann Sebastian Bach führte den Reigen weiter, der mit der Fuge Nr. 3 in B-Dur von Georg Friedrich Händel endete.

Mal verspielt und leicht, mal größer angelegt waren die vier Nachspiele aus dem Opus 107 von Christian Heinrich Rink. Mit dem Allegro-moderato in D-Dur von Theophile Stern fand eine französische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts Eingang ins Konzert.

Felix Rollbühler, geboren 1999, hat seinen ersten Orgelunterricht mit zehn Jahren bei Baral genossen. Mit seinem damaligen Lehrer und heutigen Kollegen spielte er als Überleitung zum zweiten Teil des Konzerts "zwei Etüden zu vier Händen" des österreichischen Komponisten Anton Diabelli. Vom 13. bis zum 18. Lebensjahr nahm Rollbühler Unterricht beim Calwer Bezirkskantor Martin Hagner.

Rollbühler hat sich nicht für ein Musikstudium entschieden, was bei seinem Talent und Übungsfleiß naheliegend gewesen wäre. Er wählte ein IT-Studium, "weil mir die Musik und das Komponieren einfach viel mehr Spaß macht, wenn kein Druck damit verbunden ist", gestand er. Mittlerweile gibt es von ihm schon mehr als 100 Kompositionen wie Klavierstücke, Orgelstücke und Bearbeitungen zu Kirchenliedern sowie Film- und Popmusik.

Zunächst brachte Rollbühler im Konzert ein Präludium in a-moll zu Gehör, seine erste wirkliche Komposition für Orgel, die er mit 13 Jahren geschaffen hat. Auf die anschließende "Reise durchs Kirchenjahr" nahm der junge, leidenschaftliche Orgelspieler sein Publikum mit vom Advent über Weihnachten und Ostern hin zu Himmelfahrt und Pfingsten. Diese "Reise" führt Rollbühler immer noch weiter und bearbeitet darin bekannte Melodien wie die "Morgenstimmung" von Edvard Grieg im Advent oder "Zieh ein zu deinen Toren" an Himmelfahrt.

Die Bearbeitung zu "Stern über Bethlehem" entstand um Weihnachten des vergangenen Jahres. An Heiligabend hat er sie weitgehend und sehr ausdrucksstark improvisiert. "Ich musste nach anstrengenden Studium-Wochen einiges an Dampf ablassen", erzählt er dazu. Mit seiner Bearbeitung der Filmmusik zum Kassenschlager "Pirates of the caribbean" demonstrierte Rollbühler, wie aktuell das alte Instrument Orgel immer noch ist und vor allem, dass sich jeder der eingesetzten 20 000 Euro zur Renovierung der Blumhardt-Orgel gelohnt hat.

Viel Applaus war der Lohn an die Organisten für ein Konzert im Spannungsfeld zwischen klassischer Orgelmusik aus verschiedenen Jahrhunderten und experimentierfreudigen Bearbeitungen und Kompositionen eines jungen Orgelliebhabers.