Bad Liebenzell

Der Bürgermeister als Köhlerknecht

von Judith Ketterle

Unter dem Motto "Kultur und Köhlerei - Lassen Sie sich anstecken" gibt es rund um den Kohlenmeiler hinter der Kirche in Maisenbach-Zainen ein Fest. Es dauert noch bis Freitag, 28. Juni.

Bad Liebenzell-Maisenbach-Zainen. Vor mehr als 100 Jahren gab es in Maisenbach-Zainen noch Kohlenmeiler. Die Arbeit der Köhler war hart und beschwerlich, bis die nötige Holzkohle erzeugt war.

In der frühen Neuzeit war die Köhlerei ein bedeutender Wirtschaftszweig. Holzkohle war einfach zu transportieren. Sie erzeugte größere Hitze als Fällholz. Sie war der einzige Brennstoff, mit dem die Eisenverhüttung möglich war.

Die Idee, die Tradition des Kohlenmeilers wieder aufleben zu lassen, entstand vor zehn Jahren in Maisenbach-Zainen. Unter der Leitung des Kohlenbrenners Franz Fuchs haben eifrige Helfer einen Kohlenmeiler gebaut. Bis Freitag, 28. Juni, gibt es zahlreiche Veranstaltungen rund um den Meiler.

Die Feiern begannen am Donnerstag mit einem zünftigen gemeinsamen Mittagessen. Es gab "Kuddla oddr Köhlerbroda mit brodene Grombiera" aber auch Würstchen vom Grill, alkoholfreie Getränke sowie kühles Bier. Dazu spielten die Jagdhornbläser Mittlerer Wald Calw.

Die Besucher strömten nur so herbei. Es wurden immer mehr Tische und Bänke aufgestellt.

Um 14 Uhr dann der Höhepunkt des Tages – das Entzünden des Kohlenmeilers durch Bad Liebenzells Bürgermeister Dietmar Fischer. In seiner Rede dankte der Rathauschef allen Helfern, die beim Bau des Meilers geholfen haben und an den Festtagen kräftig zupacken.

Allein bis zum Entzünden des Meilers fielen 1300 Arbeitsstunden an – angefangen mit dem Fällen einiger Buchen auf der Maisenbacher Gemarkung bis hin zur Fertigstellung des Meilers unter der Leitung von Franz Fuchs und seiner Mannschaft.

Der eifrigste Helfer war und ist Paul, der neunjährige Enkel von Fuchs. Der Bürgermeister fragte ihn, was er denn alles gemacht habe. Er hackte und setzte Holz und packte dort an, wo er gebraucht wurde. Er ist überzeugt, den Meiler in zehn Jahren zu bauen, wenn sein Opa ihm beratend zur Seite steht.

Der Pfarrer und Seelsorger der evangelischen Kirchengemeinde Maisenbach, Knut Hinrichs, begann seine Rede mit einem Zitat aus dem Lukas-Evangelium: "Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden." Gemeint ist das Feuer der Liebe, entzündet mit dem Funken der Liebe Gottes. Das Wort "Liebe" stand somit auf seinem Banner, der zum Anzünden des Meilers verwendet wurde.

Der Ortsvorsteher von Maisenbach-Zainen, Fritz Steininger, brachte in seiner Rede die Freude zum Ausdruck, dass es nach langer Vorbereitung endlich wieder so weit ist und nach fünf Jahren der jetzt dritte Maisenbacher Meiler entzündet werden kann. Vom jüngsten Meiler gibt es noch Kohle. Diese hat Steininger wärmstens empfohlen. Es handelt sich um reinen Kohlenstoff, sozusagen Aktivkohle. Es kostet pro Säckchen zwölf Euro.

Und dann war es so weit: Kohlenbrenner Franz Fuchs, der als einziger das Sagen bezüglich des Meilers hat, nahm seine Köhlerknechte Fischer, Steininger sowie seinen Enkel Paul zum Anzünden mit auf den Meiler.

Unter großem Applaus der vielen Zuschauer wurde der Meiler entzündet. Er glüht in den nächsten zehn Tagen hoffentlich problemlos und unter ständiger Bewachung von Fuchs.

Rundgang durch viele Stationen

Während dieser Zeit wird viel geboten. Neben viel Musik gibt es am Sonntagmorgen, 23. Juni, ab 10.15 Uhr einen Gottesdienst im Grünen und ab 11.15 Uhr einen großen Rundgang durch den Ort mit vielen historischen und kulturellen Stationen. Auch für eine Bewirtung ist gesorgt. Dabei gibt es auch Gerichte, wie sie vor rund 100 Jahren gekocht wurden.

Zunächst gab es am Donnerstagnachmittag eine große Bulldogrundfahrt, bei dem auch Besucher mitfahren durften. Im Anschluss wurden die rund 70 Traktoren gegenüber dem Meiler aufgereiht.

Am Samstag, 22. Juni, gibt es ab 9 Uhr erstmalig einen "Historischen Gang" zu den Mooswiesen. Kurt Wohlgemuth ist mit 84 Jahren noch topfit. Er kennt die Mooswiesen aus Kindheitstagen.

Steininger berichtete, dass 1856 Wald für die arme Zainener Bevölkerung gerodet wurde. Das war die Geburtsstunde der Mooswiesen, wo fortan Heu gemacht wurde. Kurt Wohlgemut, von Steininger als das "einzige lebende Denkmal" bezeichnet, führt persönlich auf alten Wegen in die Mooswiesen.

Um einen Eindruck von dieser beschwerlichen Zeit zu bekommen, ist Jonas Lutz in die Rolle des jungen Kurt Wohlgemut geschlüpft. Er stand mit dem älteren Wohlgemut auf der Bühne, der wiederum seinen Vater spielte. Er fragte den jungen Mann, wohin er mit seinem Rucksack möchte: Auf die Mooswiesen, zu den Verwandten, das Frühstück bringen. Im Rucksack waren Kaffee aus Lindes und Zichorie, Brot, Butter, Marmelade, Wurst und Käse. Am Samstag, 22. Juni, besteht ab 9 Uhr die Möglichkeit, diesen Weg selbst zu ergründen. Mit Kuhgespann und Geräten von damals wird ein solcher Fußweg nachgestellt. Im Moos selbst wird das Gras gemäht, erstmals gewendet (geworbt), nochmals gewendet, zu Reihen zusammengerächt (Rösser) und zuletzt Heuhaufen gesetzt, um das angetrocknete Heu vor der Witterung zu schützen.