Bad Herrenalb

Schweizer Wiese: Bädertraum ist geplatzt

von Markus Kugel

Bad Herrenalb - Das Projekt ist abgehakt. In Bad Herrenalb (Kreis Calw) glaubte schon eine ganze Weile niemand mehr daran, dass hier eine der modernsten Bäderlandschaften Europas entstehen wird. Ruhe kehrt in dem Kurort dennoch nicht ein.

Geplant war ein Thermalbad mit hochwertigem Wellness- und Spa-Bereich, ergänzt durch ein familienorientiertes Erlebnisbad. Die Angaben variierten, doch waren um die 160 Millionen Euro dafür vorgesehen. Nicht zu vergessen auch die zwei Hotels samt Kurzzeitklinik.

Für Diskussionsstoff sorgt der geplatzte Bädertraum in der rund 7500-Seelen-Stadt, die mit 16 Millionen Euro verschuldet ist, nach wie vor. Denn nach der Aufstellung des Bebauungsplans wurden die Verhandlungen über die Verträge zwar aufgenommen. Doch kam es nicht mehr zu einem städtebaulichen Vertrag: Die vermeintlichen Investoren Axel Feucht und Thomas Kienle von der T.A.S. Group aus der Schweiz, tauchten plötzlich ab. Die Firma war, so erklärte man, mit der Ausführung und dem Betrieb des Objekts betraut, sowie Miteigentümer.

Gemeinde verteilt Informationsmaterial an mögliche neue Investoren

Weiter hieß es bislang, die Schneider Group stelle als Investor das Kapital zur Verfügung. Vorigen Monat wurde auf Beschluss des Gemeinderats jedoch Info-Material über die Kurstadt samt Anschreiben an mögliche weitere Investoren versandt. Gespräche hätten zwischenzeitlich stattgefunden, so Bürgermeister Norbert Mai. Für Aufregung sorgt bei ihm nun die verbreitete Meldung, Bad Herrenalb sei auf einen wertlosen Millionen-Beleg reingefallen. Demzufolge soll die Kopie eines vermeintlichen Kontoauszugs Entscheidungsgrundlage für das Bäderprojekt gewesen sein. "Das schadet dem Ruf der Stadt", stellt Mai fest.

So hatte laut Stuttgarter Zeitung der vorgebliche Investor dem Ort die Kopie des Belegs der Schweizer Privatbank Sarasin, ausgestellt am 11. Februar 2013, in Höhe von etwas mehr als 512 Millionen Euro vorgelegt. Der Betrag auf dem Papier sei einer RJS Holding AG Limited, mit Sitz in Birmingham, zugeordnet. Der mit Wertpapieren handelnde Inhaber sei deutscher Staatsbürger und angeblich jener Investor, der bereit war, einen dreistelligen Millionenbetrag bereitzustellen.

Mit einem Originalkontoauszug der Bank hatte das besagte Papier nach Feststellung der Staatsanwaltschaft Tübingen allerdings nichts zu tun. Diese hatte wegen möglichen Verdachts des Betrugs und der Urkundenfälschung bereits vergangenen Sommer Vorermittlungen geführt, sie vorigen Monat aber eingestellt. Grund: "Der vorgelegte Kontoauszug ist nach dem Erscheinungsbild so weit von einem Originalbankauszug entfernt, dass eine Urkundenstraftat durch Vorlage der Kopie nicht in Betracht kommt." Ein Sprecher verwies darauf, dass der Stadt kein Schaden entstanden sei.

Kommunalwahl zeigt, dass das Thema die Bürger weiterhin stark beschäftigt

Der Beleg sei bedeutungslos gewesen, konstatiert Bürgermeister Mai im Gespräch mit unserer Zeitung. Darauf habe man gar nicht reagiert. Etwa um die Zeit, als bei einer Bürgerinformationsveranstaltung erstmals das geplante Projekt öffentlich vorgestellt wurde, hätten Feucht und Kienle den vermeintlichen Kontoauszug gezeigt. Dieser sei aber gar nicht eingefordert und somit schnell ad acta gelegt worden. Denn "der Gemeinderat ist sich im Klaren gewesen, eine Bonitätsprüfung erst in die Wege zu leiten, wenn die Objektgesellschaften gegründet und mit Geld bestückt sind." Der Auszug sei nie Grundlage für irgendeine Entscheidung gewesen.

Dass das Ganze weiterhin die Bürger beschäftigt, zeigte sich bei der Gemeinderatswahl am 25. Mai: Von 14 Stadträten, die erneut kandidierten, schafften es gerade mal sechs. Es erwischte auch zwei Fraktionsvorsitzende. Der neu gegründete Verein Bürgerforum Bad Herrenalb heimste dagegen bei der Kommunalwahl drei Sitze im Rat ein. Auf dessen Homepage steht: "Ein wegweisender Anstoß für die Gründung waren die während der Diskussion über das geplante Bäderprojekt auf der Schweizer Wiese und dem nachfolgenden demokratischen Bürgerentscheid erfahrenen Fehlinformationen." Das scheint gezogen zu haben.