Bad-Dürrheim

Ein Storchennest verwaist

von Markus Reutter

Etliche Jungstörche gab es in den Stadtteilen Bad Dürrheims in diesem Jahr. Nun machen sich die großen Vögel auf den langen Weg nach Afrika.

Bad Dürrheim. Storchenbetreuer Friedrich Widmann beringt die Jungvögel im Auftrag der Vogelwarte Radolfzell. So weiß er genau, wie erfolgreich die Altvögel brüten. Demnach gab es im Nest in Sunthausen drei Jungtiere, ebenso in Unterbaldingen. Das Nest in Biesingen blieb in diesem Jahr verwaist. Über die Gründe kann Widmann nur rätseln. "Vielleicht ist das Männchen umgekommen." In einem solchen Fall ziehe das Weibchen weiter und suche nach einem neuen Partner.

Seit 1994 geht der Storchenbetreuer seiner Aufgabe nach. Damals sei es gerade mal zwei Nester gewesen, eines in Neudingen, wo Widmann wohnt, das andere Storchenpaar habe in Pfohren gebrütet.

Seither hat die Storchenpopulation in Deutschland kräftig zugelegt. Im Schwarzwald-Baar-Kreis seien es in diesem Jahr 27 Nester mit 56 Jungvögeln gewesen, so Widmann.

Der Revierdruck nimmt somit zu, die Vögel müssen nach neuen Nestern suchen. Auf dem Dach der alten Zehntscheuer in Bad Dürrheim hat die Familie Rebholz im April eine Nestvorlage errichtet. Viele Vogelfreunde hoffen seither, dass es bald besetzt wird und auch in der Kernstadt das typische Schnabelklappern der Tiere zu hören sein wird. Widmann hält den Standort für gut gewählt und kann sich schon vorstellen, dass dort in den nächsten Jahren ein Storchenpaar brüten wird.

Es ist jedoch die Frage, wie lange Widmann noch seiner Tätigkeit als Storchenbetreuer nachgehen wird. "Eigentlich möchte ich die Arbeit abgeben, mir reicht es", meint der 82-Jährige. Er sei deshalb mit jemandem in Kontakt, der vielleicht künftig mitmache und die Beringung der Jungvögel dann irgendwann ganz übernehme.

Jungvögel sammeln sich

Den Jungvögeln in Sunthausen und Unterbaldingen hat Widmann bereits Mitte Juni einen Plastikring am Bein angelegt. Mit Hilfe des Rings können Tierfunde dann besser zugeordnet werden, woher sie stammen.

In diesen Wochen sammelten sich die Jungvögel in Gruppen, um dann nach Afrika zu ziehen. Die Altvögel würden später aufbrechen, manche auch erst mit dem ersten Frost, erklärt Widmann. Unterschiedlich seien auch die Ziele der Altvögel. Einige verbrächten den Winter am Bodensee oder zögen nach Spanien, ins Rhone-Tal oder ebenfalls nach Afrika. Viele der Baar-Störche seien dann im Februar schon wieder vor Ort anzutreffen, um im Frühjahr eine weitere Generation Jungstörche aufzuziehen.