Bad-Dürrheim

Bauern sehen die Politik gefordert

von Renate Zährl

Das Höfesterben war eines von vielen Themen beim Besuch des Bundesgeschäftsführers der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Georg Janßen im Antonihof Bad Dürrheim.

Bad Dürrheim. Der Bundesgeschäftsführer aus Hamm war zu Gast bei einer Gleichgesinnten. Birgit Strohmeier nämlich ist die Vorsitzende der AbL Baden-Württemberg. Die AbL ist die Interessenvertretung der kleinen und mittleren bäuerlichen Betriebe. Der Verband engagiert sich auf Landes- und Bundesebene sowie europaweit. Wichtig sind Janßen die Abgrenzung gegenüber den Großbetrieben. Er sagt dazu: "Seit 2005 sind bundesweit 120 000 landwirtschaftliche kleinere Betriebe verloren gegangen." Er blickt mit Sorgen und auch Optimismus in die Zukunft.

Es gibt genügend junge Menschen, die Interesse an landwirtschaftlichen Berufen zeigen, wie er immer wieder erlebe. Die Schlüsselfrage für den Verbandsvertreter ist: "Sollen die bäuerlichen Betriebe eine Zukunft bekommen oder die agrarindustrielle Entwicklung"? Wenn die kleinen und mittleren Bauern überleben sollen, sei die Unterstützung der Politik notwendig. Ein Baustein sei die Umstellung auf eine gesellschaftlich akzeptierte Tierhaltung und -fütterung.

Viele Betriebe haben bereits in artgerechte Tierhaltung investiert. Als zweiten Baustein sieht Janßen die Reform der europäischen Agrarpolitik. Bis jetzt erhalten 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der Gelder, mehrheitlich Großbetriebe. Wer nach Janßen, "landwirtschaftliche Erzeugnisse mit artgerechter Tierhaltung und vielfältigen Fruchtfolgen betreibt, soll auch entsprechende Gelder bekommen". Dafür hat die AbL Reformvorschläge erstellt.

Die Bodenpolitik sieht Janßen sehr kritisch. "Großkonzerne kaufen Böden auf dem Land zu Höchstpreisen. Bauern können nicht mithalten. Der nicht vermehrbare Boden gelangt in die Hände weniger. Hier besteht politischer Handlungsbedarf." Birgit Strohmeier sagt dazu: "Je größer die Betriebe sind, desto kleiner ist die Artenvielfalt. Zudem verdichten die großen Maschinen die Böden."

Janßen ist gespannt auf die Diskussion mit der neuen Regierung. Die sogenannte "CRISPR-Ca" wird als Wunderwaffe der Effizienz gepriesen und soll den Hunger in der Welt besiegen. Janßen will dazu "eine Technikfolgenabschätzung, die es bis dato nicht gibt". Bei dem Jahrhunderte alten bäuerlichen Recht auf Nachbau beim Saatgut, konnte die AbL bereits bedeutende Erfolge erzielen. Kritisch sieht Janßen die Fusion von Bayer und Sandoz: "Danach werden 60 Prozent des Saatgutes in den Händen von drei Konzernen liegen." Nach Janßen wird es vielfältige Auswirkungen geben, "bei der Saatgutauswahl und Preisdiktate werden folgen. die größte Gefahr ist die Digitalisierung". Strohmeier ergänzt: "Wichtig ist es, die Vielfalt und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft zu erhalten. Junge Menschen mit guter Ausbildung kommen nicht mehr an einen Hof oder an Land. Konsumenten wollen zunehmend gute und nachhaltig angebaute Lebensmittel."

Strohmeier will einen Stammtisch zu dem Thema "nachhaltige Landwirtschaft" initiieren.

Weitere Informationen: Interessierte erfahren mehr bei Birgit Strohmeier, Telefon: 07726/3 78 76 11 sowie per E-Mail an: antonihof@t-online.de