Althengstett

Wohin mit ausgedienten Geräten?

von Marion Selent-Witowski

Althengstett will sich als Vorzeige-Kommune im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz weiterentwickeln. Mit Johannes Heberle hat die Gäugemeinde den ersten Klimaschutzmanager im Kreis Calw. Nun will man sich um eine weitere finanzielle Förderung in diesem Bereich bemühen.

Ausgedienzte Handys können bis 28. Juni im Bürgeramt des Rathauses Althengstett sowie in der Ortsverwaltung Neuhengstett abgegeben werden. Für das Projekt wurde ein umwelt- und verbraucherfreundliches Rücknahmesystem entwickelt, bei dem gespendete Gegenstände recycelt oder repariert werden. Daher werden die Geräte mit Ladegerät und Akku, aber ohne Speicher- und SIM-Karten angenommen. Ein Dekra-zertifiziertes Fachunternehmen übernimmt laut Gemeindeverwaltung die weitere Sammlung, den Transport sowie die Löschung der Daten. Hochwertige, funktionsfähige und komplett datengelöschte Handys werden weiterverwendet, da diese möglichst lange genutzt werden sollten. Alle anderen Handys werden dem Recyclingprozess zugeführt. Der Erlös der Aktion fließt in nachhaltige Bildungs- und Gesundheitsprojekte.

Althengstett. Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Energieeinsparung und Einsatz erneuerbarer Energien sind in den drei Ortsteilen Dauerthemen. Eines der jüngsten Beispiele ist die energetische Sanierung der Neuhengstetter Turn- und Festhalle. Hierfür hat sich die Kommune erfolgreich um Fördermittel in Höhe von 230 000 Euro bemüht. Diese wurde hauptsächlich wegen der dadurch möglichen Kohlendioxid-Reduzierung um 93,45 Prozent ermöglicht. Die Sonderförderung als sogenannte "Ausgewählte Maßnahme" ergab sich durch die Förderung des Klimaschutzmanagements und wäre nach Angaben der Gemeindeverwaltung sonst nicht in dieser Höhe möglich gewesen. Über bereits umgesetzte und weitere Vorhaben berichtet Heberle kommende Woche im Gemeinderat.

Auch kleinere Projekte wie eine Handysammelaktion (siehe "Info") gehören in Althengstett zum Klimaschutz. Die Geräte bestehen aus mehr als 60 verschiedenen Stoffen wie Kupfer, Kobalt, Palladium, Silber oder Gold. Um diese Rohstoffe wieder nutzbar zu machen, hat die Gemeinde die Sammlung initiiert. Materialien, die für die Handyproduktion benötigt werden, würden in den Abbauländern oft unter kritischen Bedingungen und mit einem hohen Aufwand gewonnen, so die Verwaltung. Das Wiederverwerten dieser Stoffe und damit von alten Handys habe daher viele Vorteile, die sich im wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bereich zeigten. Dies qualifiziere die Aktion zur Teilnahme an den Nachhaltigkeitstagen Baden-Württemberg Anfang Juni. Den Althengstettern wird nun bis 28.  Juni Zeit gegeben, ausgediente Handys in Sammelboxen einzuwerfen.

Bewilligungszeitraum bis 31. März 2020

Wie es mit den laufenden und weiteren Klimaschutzprojekten in Althengstetter weitergehen soll, legt der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch, 26. Juni, ab 19 Uhr im Rathaus fest. Das Gremium hatte in der Januar-Sitzung 2016 beschlossen, das ihm vorgelegte Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept (IEKK) und die darin vorgeschlagenen Maßnahmen in den kommenden Jahren entsprechend den Möglichkeiten der Gemeinde umzusetzen. In der selben Sitzung wurde beschlossen, einen Förderantrag für die Schaffung einer Stelle für Klimaschutzmanagement zur Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts der Kommune zu stellen. Einen positiven Förderbescheid über die Zuwendung aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative ging dann Anfang 2017 ein, sodass eine Einstellung eines Klimaschutzmanagers zum 1. April erfolgen konnte. Der Bewilligungszeitraum für das Erstvorhaben läuft über drei Jahre bis zum 31. März 2020, so die Verwaltung in der Beratungsvorlage für die Sitzung kommende Woche. Um einen nahtlosen Anschluss zum Erstvorhaben zu gewähren, sollte ein Antrag sechs Monate vor dessen Ablauf gestellt werden, also bis zum 30. September.

Die finanziellen Zuwendungen für eine Stelle zum Klimaschutzmanagement werden laut Gemeindeverwaltung durch Zuschüsse für die Personalkosten gebildet. Im Erstvorhaben würden 65 Prozent der Personalkosten durch den Bund übernommen. Im Anschlussvorhaben reduziere sich die Förderquote auf 40 Prozent, wobei die höhere Gehaltsstufe des Klimaschutzmanagers bei dessen Weiterbeschäftigung berücksichtigt werden könne. Ohne einer Personalentscheidung vorzugreifen, sei eine Personalkontinuität gerade bei der Fortsetzung dieser Arbeit von großem Vorteil. Die Entscheidung liege beim künftigen Gemeinderat. Die Verwaltung wird eine Empfehlung in diesem Sinn aussprechen. Generell werde der Förderantrag aber personenunabhängig gestellt. Die Förderung der Personalkosten würden sich dann zwischen 22 400 und 26 200 Euro pro Jahr bewegen. Zusätzlich könnten Mittel für Öffentlichkeitsarbeit, für Beteiligungsprozesse, zur professionellen Prozessunterstützung ("Hilfe zur Selbsthilfe"), für Dienstreisen und Teilnahmegebühren zur Weiterqualifizierung des Klimaschutzmanagers beantragt werden, heißt es in der Beratungsvorlage weiter.

Der Maßnahmenkatalog des IEKK setzt sich aus sechs Kategorien mit 52 Maßnahmen zusammen. Im Bereich der Elektromobilität ist die Kommune schneller als erwartet vorangekommen. Über diese und die weiteren Kategorien berichtet Heberle am kommenden Mittwoch.