Althengstett

Plakatmotiv mit doppelter Bedeutung

von Jeanette Tröger

Althengstett - Wäre die "Hermann-Hesse-Bahn" zwischen Calw und Renningen schon in Betrieb, hätte sich der Betreiber am Sonntagnachmittag ab Althengstett über zahlreiche Fahrgäste freuen können.

Mehr als 40 potenzielle Passagiere haben sich am Bahnhof Althengstett eingefunden, um ihren Wunsch nach der Reaktivierung der Nahverkehrsstrecke sowie Inbetriebnahme einer S-Bahn zwischen Calw über Weil der Stadt und Renningen mit Anschlüssen in den Raum Stuttgart sowie in Nord-Süd Richtung entlang der Nagold kund zu tun. Als Berufspendler mit Aktentasche, als Schüler mit Rucksack, als Reisende mit Koffer und sonstigen Gepäckstücken, Ausflügler mit Fahrrad oder Musiklehrerin mit Instrumentenkoffer – eine bunte Schar an Menschen, die ihre Wege gerne mit der Bahn zurücklegen möchten, stellten sich für ein Foto an den Bahnsteig.

Roland Esken, Vorsitzender des Vereins Württembergische Schwarzwaldbahn Weil der Stadt-Calw, begrüßte die Gruppe, die sich zum Fototermin eingefunden hatte. Um für die Reaktivierung der 1983 eingestellten Verbindung, deren Schienenanlage nach wie vor besteht, sowohl in der Bevölkerung als auch bei den beteiligten Entscheidungsgremien zu werben, startet der seit mehr als 25 Jahren aktive Verein gemeinsam mit der Initiative Pro!Hermann-Hesse-Bahn eine Plakataktion. Entstanden ist die Idee aus einem Foto, das Esken von seinem Sohn und dessen Freund am Haltepunkt Ostelsheim aufgenommen hat.

Diesem ersten Motiv folgt nun das zweite mit der großen Gruppe am Bahnhof Althengstett. Weitere Motive sollen im Laufe der nächsten Wochen folgen. "Wir warten auf die Bahn" ist ein Motto in doppelter Bedeutung. Die Motive zeigen Reisende, die auf die Abfahrt ihres Zuges warten, und im übertragenen Sinn warten die Menschen der Region darauf, dass überhaupt wieder ein Zug fährt.

Im Gespräch mit den Wartenden in der Gäugemeinde wurde deutlich, dass es ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Beweggründe sind, weshalb auf die Bahn gewartet wird. So haben zum Beispiel Familienmitglieder Arbeitsstellen in entgegengesetzten Richtungen, die einen Richtung Calw-Pforzheim, die anderen Richtung Sindelfingen oder Stuttgart, und die Kinder würden gerne eine Schule in Böblingen besuchen. Dies ist bisher nur mit mehreren Autos machbar. Im Falle einer Bahnverbindung Calw-Renningen und von dort weiter in Richtung Stuttgart und auch in Richtung Sindelfingen-Böblingen könnten alle ihre Ziele mit der Bahn erreichen, was sowohl unter ökonomischen als auch ökologischen Gesichtspunkten dem Einzelnen sowie der Gemeinschaft Vorteile bringen würde.

Weitere Informationen über Ziele und Aktivitäten des Vereins gibt es im Internet unter www.schwarzwaldbahn-calw.de.