Althengstett

Kater Gismos Leiden nimmt kein Ende

von Steffi Stocker und Marion Selent-Witowski

Althengstett - Rund drei Wochen ist es her, dass Kater Gismo offenbar mit Buttersäure vergiftet wurde. Das Leiden des 15 Monate alten Vierbeiners nimmt kein Ende. Vielmehr musste die Tierärztin verätzte Hautstellen herausschneiden. Derweil wurden die polizeilichen Ermittlungen in dem Fall abgeschlossen.

Große und kleinere offene Wunden klaffen an mehreren Stellen unübersehbar auf Gismos Körper. "Teilweise habe ich Pflaster darüber geklebt, damit er sie nicht ableckt", sagt Besitzerin Marina Lebherz. Wie berichtet, wurde Gismo das komplette Fell abrasiert, nachdem er offenbar mit Buttersäure überschüttet worden war. Die Substanz verätzte etliche Hautstellen stark. "Das war dann durch eine regelrechte Verhärtung spürbar. An den entsprechenden Stellen hat sich dann auch noch ein Pilz gebildet", äußert sie sich zum derzeitigen Gesundheitszustand ihres geliebten Vierbeiners. Alle Behandlungsversuche mit Tabletten und Salbe sowie Baden und Spritzen von der Tierärztin hätten nichts geholfen. "Wir dachten, er stirbt", erzählt die Katzenmutter davon, dass der Kater vor einigen Tagen regelrecht zusammengesackt sei. Die Traumatisierung durch das Erlebte sei bei Gismo nach wie vor deutlich spürbar.

Beinahe apathisch Behandlung ertragen

Erneut brachte die Familie ihren Kater in die Tierarztpraxis. Beinahe apathisch ließ er dort die medizinische Behandlung über sich ergehen. "Er zeigte keinerlei Regung mehr", sagt Lebherz, die immer noch schockiert ist, zumal er ohne Narkose, nur mit Infusion und Schmerzmitteln, die betroffenen Stellen herausgeschnitten bekam, während sie Gismo auf dem Arm hielt. "Als die Ärztin die Hautstellen ablöste, strömte wieder dieser Geruch von Buttersäure heraus", so Lebherz. Da sei ihr so richtig bewusst geworden, wie das Gift im Körper des Katers eingeschlossen gewesen war.

Die Katzenmutter leidet nicht nur mit ihrem Kater, sondern wird inzwischen durch Alpträume geplagt. Sorge, Angst und ohnmächtige Wut treiben sie nach wie vor um. Umso wichtiger ist es für die Familie, genau in Erfahrung zu bringen, was geschehen ist und etwaige Verantwortliche dafür zur Rechenschaft zu ziehen.

Seit einigen Tagen wächst indes wieder die Zuversicht. "Als ich neulich von der Arbeit kam, sprang Gismo mir wie sonst auch wieder freudig die Treppe herunter entgegen", berichtet Lebherz vom Wandel, nachdem die Familie drei Tage lang um den Kater gebangt hatte.

Auch seine Lust am Spielen nimmt zu, wird aber immer wieder von Phasen unterbrochen, in denen das Tier zittert und Angst hat. Gismos Fell wächst derweil gut nach. Außerdem ist die Samtpfote dabei, wieder an Gewicht zuzulegen.

Gismos Schicksal berührt auch andere Menschen. "Wir erhielten von einer älteren Dame einen Anruf, die sich unter Tränen nach ihm erkundigte und ganz selbstlos für seine Behandlung Geld spendete", erzählt Lebherz. Davon war die Katzenmutter völlig überwältigt und zutiefst gerührt.

Inzwischen hat der Polizeiposten Althengstett die Ermittlungen abgeschlossen, die sich äußerst schwierig gestalteten. Es gab keine Anhaltspunkte, wie es zu den Verletzungen kam, auch keinerlei Hinweise auf einen Täter, der das Tier verletzt haben könnte. Die Beamten forschten auch im nahe gelegenen Industriegebiet nach. "Es war nicht auszuschließen, dass der Kater in einem metallverarbeitenden Betrieb mit der Säure in Kontakt gekommen ist", sagte Sabine Doll, Pressesprecherin im Polizeipräsidium Karlsruhe, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Dies habe sich aber nicht bestätigt.

Bei der Staatsanwaltschaft werde nun ein Strafantrag wegen Körperverletzung gestellt, unterschrieben von den Katzenbesitzern sowie der Tierärztin und den betroffenen Arzthelferinnen. Diese waren, wie berichtet, ebenfalls durch die Säure verletzt worden. Sollten sich künftig Hinweise in dem Fall ergeben, könnten die Ermittlungen sofort wieder aufgenommen werden. Zeugenhinweise nimmt der Polizeiposten Althengstett unter Telefon 07051/32 43 entgegen.

Polizei spricht von außergewöhnlichem Fall

Dieser Fall sei außergewöhnlich, so die Pressesprecherin weiter. "Es kam vor allem in früheren Jahren immer wieder vor, dass mit dem Luftgewehr auf Katzen geschossen oder Giftköder ausgelegt wurden. So etwas hatten wir aber noch nicht."

Dolls Angaben zufolge gab es im Zeitraum von 2013 bis 2017 im Zuständigkeitsbereich des Karlsruher Polizeipräsidiums mehr als 300 Verstöße gegen das Tierschutzgesetz (2013: 72, 2014: 59, 2015: 68, 2016: 61, 2017: 59). Für den Landkreis Calw und die Stadt Calw flossen folgende Zahlen in die Statistik ein: 2013 neun Fälle im Landkreis und zwei in der Stadt, 2014 zehn und zwei, 2015 elf im Kreis und einer in der Stadt, 2016 acht im Kreis und 2017 zwölf im Landkreis sowie einer im Calwer Stadtbereich.