Althengstett

Ganz anderer Weg

von Felix Biermayer

Ein Gottesdienst besteht aus Glockengeläut, einer Predigt und Orgelspiel? Nicht zwangsläufig. Dass es auch anders geht, zeigte sich am Sonntagabend bei der Worship-Rock-Night in der Choy-Jugendkirche in Althengstett.

Althengstett. "Wir wollen mit unserem Konzept ganz klar jüngere Menschen erreichen", erklärte Jugendkirchpfarrer Steffen Kaupp. Präziser richte sich die Veranstaltung an junge Erwachsene wie Abiturienten, Azubis oder Studenten. "Aber natürlich sind auch alle Junggebliebenen willkommen", fügte Kaupp hinzu.

Und den Besuchern der Worship-Rock-Night wurde einiges geboten. "Wir haben sogar so eine Art Weltpremiere", verkündete der Jugendkirchpfarrer stolz. Man habe für die Veranstaltung eigens ein multimediales Konzept erarbeitet, um den Ablauf noch interessanter zu gestalten. So stand nicht nur Musik auf dem Programm. Über einen Beamer wurden die Texte an die Wand projiziert. Zudem wurden über diesen Weg auch kurze Videoclips eingespielt.

Zeit der Einkehr

Thematisch beschäftige sich der Gottesdienst mit der Karwoche und dem Osterfest. "Natürlich wollen wir Gott lobpreisen und feiern", so Kaupp. Die Karwoche sei aber auch eine Zeit der Einkehr. Dies wurde in den vorgetragenen und musikalisch untermalten Bibelstellen deutlich. Man solle sich seiner eigenen Sünden bewusst werden und dass Jesus für diese Sünden am Kreuz gelitten habe. Mit der Auferstehung zeige er sich als Triumphator über den Tod. Auch das wurde in den gesungenen Liedern zum Ausdruck gebracht.

Rockige Songs

Und die kamen gut an. Die ­rockigen Songs und Balladen luden zum Mitsingen ein. Das taten die knapp 50 Anwesenden auch. Die aus Schlagzeug, Keyboard, Bass, Gitarre und zwei Sängerinnen bestehende Band animierte das Publikum immer wieder aufs Neue. So wurden gemeinsam moderne Worship-Songs, also Lobpreislieder, auf Englisch und Deutsch gesungen. Zwischendurch setzte Kaupp durch kurze Ansprachen Impulse zum Nachdenken. Die Band spielte so überzeugend, dass abschließend noch zwei Zugaben verlangt wurden.

Anders als bei einem normalen Gottesdienst verlief auch das Abendmahl. Hier waren die Gläubigen selbst gefragt, Kelch und Brot weiterzugeben und ihr Gegenüber zu grüßen. So standen die Anwesenden in kleinen Gruppen zusammen und beteten anschließend gemeinsam. "Wir haben das ganz bewusst dieses Mal so geplant, weil wir alles ein bisschen interaktiver gestalten wollten", erklärte Kaupp.

Allgemein wolle er mit Choy, für die er nun schon rund ein halbes Jahr tätig ist, neue Wege beschreiten. "Die Jugendkirchen überall im Land sind in einer kleinen Krise", so Kaupp. Der demografische Wandel und dass die Gottesfrage nicht mehr so präsent in der Gesellschaft sei, führe zu geringeren Besucherzahlen. Deshalb wolle man die eigenen Angebote attraktiver für die junge Zielgruppe machen.

Auch die Worship-Rock-Night sei Teil dieses neuen Konzeptes. In einer ersten Auflage gab es zu Weihnachten schon ein ähnliches Event, welches gut besucht war. Die anderen Gottesdienste in der Choy sind mittlerweile aufgeteilt in eine "Base"-Reihe für Jugendliche im Konfirmantenalter und ein "#UP"-Format für die etwas Älteren. Man will laut Kaupp einfach allen Altersgruppen etwas bieten. Neu ist auch das sogenannte "Online-Pilgern" in der Karwoche. Durch E-Mails mit biblischem Bezug sollen jeden Tag kurze Impulse zu christlichen Themen gesetzt werden.

Neue Ideen willkommen

"All diese Neuerungen werden wir im Mai evaluieren", erklärt Kaupp. Man wolle sehen, was an dem Konzept funktioniert und was nicht. Deshalb sei das Feedback von den Choy-Besuchern auch so wichtig. Und wenn man Ideen habe, sei man stets willkommen, sich einzubringen. Besonders die Band suche aktuell nach Verstärkung, betont der Geistliche.