Althengstett

Einheimische lernen Bedeutung des Zuckerfests kennen

von Bettina Bausch

Althengstett - Erstmals luden die muslimischen Bewohner des Gebäudes "Am Gleis 1" in Althengstett zur fröhlichen Feier des Fastenbrechens am Ende des Fastenmonats Ramadan ein.

Auf dem Freigelände beim alten Bahnhof herrscht besonders reges Leben. Syrische und afghanische Bewohner haben auf eigene Initiative diese Feier organisiert. Sie haben Verwandte, Freunde und Bekannte dazu eingeladen. Gefeiert wird das Fastenbrechen, volkstümlich auch Zuckerfest genannt. Die im Freien aufgestellten Tische sind voll orientalischer Speisen. Dabei gibt es auffallend viel süßes Backwerk. Khalid Arab begrüßt die zahlreichen Gäste in gutem Deutsch. Der Syrer verweist auf einen religiösen Text im Koran, der zu diesem Fest auffordert und einlädt.

"Das Fest im Monat Ramadan ist nicht nur ein Verzicht auf Essen und Trinken, es hat auch verschiedene moralische und spirituelle Werte", unterstreicht der Sprecher der Festorganisatoren. Mit dem Magen sollten zunächst auch alle Sinne fasten. "Wir sollen in dieser Zeit auch einmal ein Auge zudrücken. Wir sollen üble Nachreden, Lügen und Verleumdungen unterlassen, denn sie schaden den Menschen", sagt Arab.

Im Fastenmonat Ramadan würden die Beziehungen zu Freunden und Verwandten besonders gepflegt. Das am Ende stattfindende Zuckerfest sei deshalb auch ein Familienfest. "Wir sind nach Deutschland gekommen und haben die Freundlichkeit und Großzügigkeit der Menschen hier erlebt und haben an euren Festen teilgenommen. Es ist uns eine große Ehre und ein großes Privileg, unser wichtigstes Fest und unsere Freude mit Ihnen zu teilen", unterstreicht Arab. Bürgermeister Clemens Götz hebt die große Bedeutung des gemeinsamen Feierns für eine gute Integration hervor.

Es duftet nach Gegrilltem

Die Besucher werden zum Mitessen eingeladen. Inzwischen duftet es auf dem Festgelände ganz verführerisch nach Gegrilltem. Und es ist gar nicht so leicht, bei der großen Fülle der diversen Angebote eine Auswahl zu treffen. Manche Gäste entscheiden sich deshalb zum Durchprobieren der leckeren Speisen und des verführerisch süßen Gebäcks. Gastgeber und Gäste bleiben noch lange in geselliger Runde zusammen, lernen sich dabei besser kennen und kommen sich näher. "Ich finde es schön, wenn verschiedene Menschen zusammenkommen, um zu feiern", hebt Besucherin Sibylle Leyhr lächelnd hervor.

30 Tage Entbehrungen

Am Ende freuen sich die rührigen Gastgeber, dass es ihnen gelungen ist, ihren Gäste eines ihrer wichtigsten religiösen Feste nahezubringen. Das muslimische Fastenbrechen am Ende des Fastenmonats Ramadan ist ein fröhliches Fest, das mit dem christlichen Weihnachten vergleichbar ist. Zu diesem Anlass werden auch Glückwunschkarten oder SMS-Grüße an Freunde und Verwandte verschickt. Mit dem Zuckerfest drücken die Muslime ihre Freude darüber aus, dass sie die Entbehrungen des Fastenmonats Ramadan gemeistert haben. Denn 30 Tage lang durften sie als gläubige Muslime zwischen Sonnenaufgang und -untergang nichts essen und trinken. Ausgenommen sind davon nur Kinder, Senioren, Kranke und schwer arbeitende Menschen.