Albstadt

Zupacken!

von Schwarzwälder Bote

War Wahlkampf? Mancherorts hatte es nicht den Anschein im Vorfeld der morgigen Kommunalwahl. Bei der wir freilich nicht vergessen dürfen, das auch das Europäische Parlament neu gewählt wird und dass es wichtig ist, sich daran zu beteiligen. Aber das soll hier nicht unser Thema sein – es geht um den Raum Albstadt. Wo – gefühlt – weit weniger los war im Wahlkampf als sonst.

Immerhin: In Nusplingen wird es richtig spannend, denn dort hat eine neue Liste, "Für Nusplingen", den Wahlkampf aufgemischt. Dass der langjährige Kämmerer, inzwischen Hauptamtsleiter in Neuhausen ob Eck, dort für den Gemeinderat kandidiert, bringt Pfeffer in die Sache. Ob es in Winterlingen ähnlich interessant wird, wird sich zeigen, speziell mit Blick darauf, ob die Windkraft-Debatte für die Wähler eine Rolle spielen wird. Außerdem: Die Frauenliste kandidiert nicht mehr. Zwei Frauen, die für sie schon bisher im Gremium saßen, treten nun auf der Liste "Zukunft Winterlingen" an. Ansonsten sind Kandidatinnen dünn gesät in der Großgemeinde, weil es – immer und fast überall – schwierig ist, welche zu finden. Erst nach den Wahlen beschwert sich – landauf, landab – das weibliche Geschlecht dann gerne, dass zu wenige Frauen mitwirken in der Politik. Wir lassen das jetzt mal unkommentiert so stehen und denken uns unseren Teil.

In Meßstetten hat sich dafür eine neue Frauenliste gebildet und macht das Kleeblatt an Listen wieder voll, nachdem die "Unabhängige Liste Meßstetten" nicht mehr antritt und ihre beiden Stadträte sich auf andere Listen verteilen.

In Albstadt tritt mit "Wir sind Albstadt" ebenfalls eine neue Gruppierung an, die sich in manchem von den anderen Listen unterscheidet: jüngeres Durchschnittsalter, unkonventioneller, wenn auch kurzer Wahlkampf. Wie gut das bei den Wählern zieht, werden wir am Montagabend wissen, wenn die Stimmzettel ausgezählt sind.

In jedem Fall bleibt zu hoffen, dass sich durch einen Wahlkampf, der sich wesentlich in den Sozialen Netzwerken abgespielt hat, mehr jüngere Wähler angesprochen fühlen als bei der Kommunalwahl 2014. Damals sind wohl viele – genau weiß das niemand – daheim geblieben. Zumindest lässt das dünne Ergebnis für die jungen Kandidaten 2014 darauf schließen. Diesmal stehen weniger unter 30-Jährige auf den Listen – schade, dass sie sich haben abschrecken lassen und schade, dass sie 2014 so wenig Unterstützung aus ihrer eigenen Generation hatten. Dabei dürfen schon 16-Jährige wählen, was bei manchen weder in der Schule noch im Elternhaus thematisiert wird, und nicht wenige Eltern gehen leider nicht mit gutem Beispiel voran und selbst wählen.

Dabei können jene, die von ihrem vornehmsten Bürgerrecht Gebrauch machen, gerade im Lokalen vieles bewegen, denn nirgendwo ist Demokratie direkter, betreffen uns die Inhalte der Politik persönlicher. Rund 80 Prozent der politischen Entscheidungen, die unmittelbare Folgen für unser tägliches Leben haben, fallen auf der Ebene der Stadt oder Gemeinde, und Beispiele, wie ein Gemeinderat oder Kreistag entscheidende Dinge zum Guten oder Schlechten beeinflussen kann, gibt es wahrlich genug im Raum Albstadt seit 2014. Am Sonntag haben wir alle eine neue Chance, daran mitzuwirken. Wir sehen uns an der Wahlurne!